Warum zeigt man dem unselbständigen Bürger in Österreich nicht, was er seinem Unternehmen wirklich kostet?
Ein blinder Fleck auf der Lohnabrechnung – und warum das politisch gewollt ist
Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland kennen das Ritual: Einmal im Monat flattert die Lohnabrechnung ins Haus oder in den E-Mail-Posteingang. Dort steht, was brutto verdient wurde, welche Abzüge es gab – und was am Ende netto übrig bleibt. Die bekannten Posten sind Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer, Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Doch diese Abrechnung erzählt nur die halbe Wahrheit.
Denn was kaum ein Arbeitnehmer weiß: Der Arbeitgeber zahlt weitere, erhebliche Summen zusätzlich zum Bruttolohn – und zwar direkt an den Staat und die Sozialkassen. Diese Beträge tauchen auf der Gehaltsabrechnung in der Regel nicht auf.
Der unsichtbare Teil der Kosten
Wenn ein Angestellter zum Beispiel 3.000 Euro brutto verdient, denkt er oft, dass dies auch der Betrag ist, von dem die Abzüge berechnet werden. Doch in Wirklichkeit ist der „Arbeitgeber-Brutto“ – also die Gesamtsumme, die der Unternehmer für diesen Mitarbeiter aufbringen muss – deutlich höher.
Zusätzlich zum Bruttolohn zahlt der Arbeitgeber u. a.:
-
Krankenversicherung (Arbeitgeberanteil)
-
Rentenversicherung (Arbeitgeberanteil)
-
Arbeitslosenversicherung (Arbeitgeberanteil)
-
Pflegeversicherung (Arbeitgeberanteil)
-
Umlagen und Berufsgenossenschaftsbeiträge
-
Sonstige gesetzliche Abgaben
Diese zusätzlichen Kosten betragen oft 20–25 % des Bruttolohns.
Das bedeutet: Ein Mitarbeiter mit 3.000 Euro Brutto „kostet“ den Arbeitgeber schnell 3.600 bis 3.800 Euro im Monat – ohne dass der Arbeitnehmer das jemals auf seiner Abrechnung sieht.
Warum wird das verschwiegen?
Es wäre technisch kein Problem, auf jeder Lohnabrechnung eine Gesamtübersicht zu zeigen:
-
Netto (was tatsächlich beim Mitarbeiter ankommt)
-
Brutto (Grundlage für Abzüge)
-
Arbeitgeberkosten gesamt (inklusive aller Arbeitgeberabgaben)
Doch diese Transparenz ist nicht politisch gewollt.
Der Grund ist simpel: Würde jeder sehen, wie hoch der staatliche Zugriff auf seine Arbeitskraft tatsächlich ist, könnte dies zu massiver Unzufriedenheit und Reformforderungen führen.
Stattdessen wird das System so gestaltet, dass der Arbeitnehmer glaubt: „Mein Brutto ist das, was ich eigentlich verdiene – und der Rest sind halt Abzüge.“ Die Realität: Staat und Sozialkassen kassieren oft mehr als der Angestellte selbst bekommt.
Psychologie der Unwissenheit
Der Effekt dieser Intransparenz ist ein psychologischer:
-
Der Arbeitnehmer sieht nur seinen Nettoverlust vom Brutto – nicht die Gesamtsumme, die ihm entgeht.
-
Der Staat kann höhere Abgaben leichter durchsetzen, weil der wahre Gesamtbetrag nicht im Bewusstsein verankert ist.
-
Die Kosten der Arbeit erscheinen künstlich niedriger, als sie sind, was die Akzeptanz für das bestehende System erhöht.
In Ländern wie den USA ist das anders: Dort wird oft klar ausgewiesen, wie hoch die „Total Compensation“ eines Arbeitnehmers ist – inklusive Arbeitgeberbeiträge.
Was Transparenz bewirken würde
Stellen wir uns vor, jede Lohnabrechnung würde in der letzten Zeile stehen haben:
Gesamtkosten Ihres Arbeitgebers für Sie: 3.765,40 €
(Davon gehen 1.785,40 € an Staat & Sozialkassen)
Der Effekt wäre enorm:
-
Bewusstsein für Steuer- und Abgabenlast würde schlagartig steigen.
-
Diskussionen über Effizienz und Sinn staatlicher Ausgaben würden intensiver geführt.
-
Arbeitnehmer könnten realistischer einschätzen, wie wertvoll ihre Arbeit für das Unternehmen tatsächlich ist.
Fazit – Ein System der halben Wahrheit
Dass dieser „unsichtbare“ Teil der Arbeitgeberkosten nicht transparent ausgewiesen wird, ist kein Zufall, sondern ein bewusst gestaltetes System. Es hält den unselbständigen Bürger in einer Art finanzieller Komfort-Illusion: Er weiß, was er netto bekommt, glaubt zu wissen, was er brutto verdient – und ahnt nicht, wie groß der Teil ist, den Staat und Sozialkassen zusätzlich kassieren.
Echte Transparenz wäre möglich. Doch sie würde eine unbequeme Wahrheit ans Licht bringen: Die Steuer- und Abgabenlast auf Arbeit in Deutschland gehört zu den höchsten der Welt – und das soll der Bürger lieber nicht zu genau wissen.
