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Welche Aufgabe hatte Erzbischof Marcinkus beim polnischen Papst?

Erzbischof Paul Marcinkus spielte eine zentrale Doppelrolle im Pontifikat von Papst Johannes Paul II.. Wegen seiner Hünenhaftigkeit und Durchsetzungskraft trug der US-Amerikaner im Vatikan den Spitznamen „Der Gorilla“.
Für den polnischen Papst erfüllte er zwei wesentliche Aufgaben:
1. Der diskrete Finanzier im Kampf gegen den Kommunismus
Die wichtigste, wenn auch informelle Aufgabe von Marcinkus war die geopolitische Geldbeschaffung. Johannes Paul II. hatte es sich zum Ziel gesetzt, den Kommunismus in seiner polnischen Heimat zu Fall zu bringen. 
    • Finanzierung der Solidarność: Über die von Marcinkus geleitete Vatikanbank (IOR) flossen Schätzungen zufolge rund 32 Millionen US-Dollar an die damals verbotene polnische Gewerkschaft Solidarność. 
    • Der verdeckte Kanal: Die Gelder wurden über verschlungene Wege, Scheinfirmen und unter Einbindung der Banco Ambrosiano am Eisernen Vorhang vorbeigeschleust.
    • Zusammenarbeit mit der CIA: Marcinkus koordinierte diese verdeckten Finanzströme in enger Abstimmung mit dem US-Geheimdienst unter CIA-Direktor William Casey. Für den Papst war Marcinkus der Mann, der „die Drecksarbeit“ erledigte, um die Freiheit Polens finanziell abzusichern. 

2. Der persönliche Schutzschild und Reiseorganisator
Marcinkus war bereits unter Papst Paul VI. für die Logistik der päpstlichen Auslandsreisen zuständig. Unter Johannes Paul II. – dem reisefreudigsten Papst der Geschichte – gewann diese Rolle immense Bedeutung. 
    • Inoffizieller Leibwächter: Aufgrund seiner Statur (er war ehemaliger Football-Spieler) fungierte Marcinkus auf Reisen oft als menschlicher Schutzschild des Papstes.
    • Das Attentat in Fatima (1982): Genau ein Jahr nach dem fast tödlichen Attentat von Ali Agca auf dem Petersplatz verübte ein fanatischer spanischer Priester in Fatima (Portugal) ein weiteres Attentat mit einem Bajonett auf den Papst. Marcinkus reagierte blitzschnell, warf sich dazwischen, überwältigte den Angreifer körperlich und rettete dem Papst vermutlich das Leben. 

Warum der Papst ihn bedingungslos schützte
Als die italienische Justiz Marcinkus wegen der Banken-Skandale verhaften wollte, gewahrte Johannes Paul II. ihm konsequent Asyl im Vatikan. Der Papst sah in den strafrechtlichen Ermittlungen eine politische Kampagne und blieb Marcinkus zutiefst dankbar, weil dieser mit dem vatikanischen Geld den antikommunistischen Widerstand in Osteuropa gerettet hatte.

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