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Wie verhält sich ein Templer im Alltag?

Templer zu sein bedeutet nicht, im täglichen Leben eine äußere Rolle zu spielen oder sich durch Titel, Symbole und besondere Formen von anderen Menschen abzuheben. Der eigentliche Templerweg zeigt sich vielmehr in der inneren Haltung und im konkreten Verhalten des Menschen. Er wird sichtbar im Umgang mit der Familie, im Beruf, in schwierigen Situationen, in Konflikten und überall dort, wo Charakter, Verantwortung und Selbstbeherrschung gefordert sind.

Ein Templer bemüht sich um Wahrhaftigkeit, Integrität, Verantwortungsbewusstsein, Disziplin, Hilfsbereitschaft und Respekt gegenüber anderen Menschen. Er versucht, das, was er für richtig erkannt hat, auch tatsächlich zu leben. Dabei geht es nicht darum, fehlerlos zu sein. Jeder Mensch besitzt Schwächen, macht Fehler und gerät gelegentlich aus dem Gleichgewicht. Entscheidend ist die Bereitschaft, das eigene Verhalten immer wieder zu prüfen, aus Fehlern zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Der Templer übernimmt Verantwortung für sein eigenes Leben und schiebt die Folgen seines Handelns nicht leichtfertig anderen zu. Er bemüht sich, Verpflichtungen gegenüber Familie, Beruf und Gemeinschaft zuverlässig zu erfüllen. Er behandelt andere Menschen mit Achtung, auch wenn sie eine andere Herkunft, Weltanschauung oder Meinung besitzen. Brüderlichkeit beziehungsweise Geschwisterlichkeit bedeutet für uns nicht, dass alle Menschen gleich denken müssen, sondern dass unterschiedliche Auffassungen in gegenseitigem Respekt bestehen können.

Ein wichtiger Bestandteil des Templerweges ist die Selbstbeherrschung. Der moderne Ritter muss nicht mit dem Schwert gegen äußere Feinde kämpfen. Seine oftmals schwierigeren Kämpfe finden im eigenen Inneren statt: gegen unbeherrschten Zorn, Vorurteile, Bequemlichkeit, Eitelkeit, Neid, Hochmut und Gleichgültigkeit. Der „innere Ritter“ ist deshalb kein romantisches Bild aus vergangenen Jahrhunderten, sondern ein Symbol für den Menschen, der lernt, sich selbst zu führen, bevor er andere führen möchte.

Auch Mut gehört zu dieser Haltung. Heute zeigt sich ritterlicher Mut häufig darin, für einen anderen Menschen einzutreten, eine unbequeme Wahrheit auszusprechen, einen Fehler einzugestehen oder sich einer Ungerechtigkeit zu widersetzen, ohne selbst ungerecht zu werden. Ebenso gehört es dazu, helfen zu können, ohne den Hilfesuchenden zu erniedrigen, und Stärke zu zeigen, ohne andere beherrschen zu wollen.

Der Templer bemüht sich außerdem um Besonnenheit. Er sollte nicht jedes Gerücht weitertragen, nicht vorschnell urteilen und sich nicht von jeder Erregung seiner Umgebung mitreißen lassen. Er prüft Informationen, denkt nach und versucht, zwischen Wahrheit, Meinung und Behauptung zu unterscheiden. Gerade in einer Zeit, in der Nachrichten und Emotionen innerhalb von Sekunden verbreitet werden, wird diese Fähigkeit zu einer wichtigen modernen ritterlichen Tugend.

Im Mittelpunkt des Templerweges steht daher nicht die äußere Selbstdarstellung, sondern die Veredelung des eigenen Charakters. Meisterschaft bedeutet in diesem Zusammenhang niemals Vollkommenheit. Sie bedeutet vielmehr, dass Denken, Überzeugung und Handeln zunehmend miteinander übereinstimmen. Ein Templer sollte nicht nur über Treue, Menschlichkeit und Verantwortung sprechen, sondern sich darum bemühen, diese Werte dort zu verwirklichen, wo sie tatsächlich zählen: im täglichen Leben.

Kurz gefasst: Ein Templer erkennt man weniger an seinem Mantel, seinem Rang oder seinen Insignien als an seinem Verhalten. Er bemüht sich um Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Verantwortung, Hilfsbereitschaft und Respekt. Der Templerweg ist deshalb ein lebenslanger Prozess, bei dem der Mensch versucht, seinen Charakter zu bilden und seine ritterlichen Werte im Alltag sichtbar werden zu lassen.

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