⚔️ Gedanken am 1. Oktober
In meiner Kindheit – Der Herbst als Mysterium des Wandels
In meiner Kindheit – ich wuchs in einem Vorort von Boston auf – war der Herbst meine liebste Jahreszeit. Die Bäume kleideten sich äußerst elegant in Rot-, Orange- und Goldtönen. Ihre von der kalten Luft und der zunehmenden Dunkelheit herbeigeführte Verwandlung erweckte in mir ein Gefühl des Geheimnisvollen. Dieses Gefühl wurde noch verstärkt durch die körperliche Wonne, die es mir bereitete, in die herabgefallenen Blätter zu springen, mich in ihnen zu wälzen und regelrecht einzugraben.
Die schönsten Exemplare hob ich mir auf. Zwischen Löschpapier gelegt und zwischen den Seiten eines dicken Lexikons gepresst, wurden sie gleichsam zu Erinnerungsstücken und Zeugen des großen Wandels. Dort lag ihre Gruft – und doch erinnerten sie mich daran, dass nichts gänzlich verloren geht. Obwohl der Tod des Sommers unmittelbar bevorstand, schienen tief unter der Erde bereits die ersten Regungen neuen Lebens spürbar zu werden.
Der Herbst als Spiegel unserer Seele
Der Herbst erinnert uns Templer an eine ewige Wahrheit: Alles Irdische ist dem Wandel unterworfen. Das Vergängliche verliert nicht an Schönheit – im Gegenteil, gerade im Sterben zeigt sich seine tiefste Würde. So wie die Bäume ihre Blätter loslassen, sind auch wir aufgefordert, Altes und Verbrauchtes abzugeben, damit Raum für Neues entstehen kann.
Die Farben des Herbstes sind dabei mehr als ein Schauspiel der Natur. Sie sind ein lebendiges Gleichnis für die inneren Prozesse des Menschen: leuchtende Dankbarkeit für das, was war, und zugleich stille Hingabe an das, was vergehen muss.
Tägliche Templerarbeit
Mache heute, wenn möglich, einen achtsamen Spaziergang im Freien. Lausche dem Knirschen der Blätter unter deinen Füßen, spüre die Kühle des Windes auf deiner Haut, rieche die Erde, die sich auf den Winter vorbereitet. Was verraten dir deine Sinne über die Energie der Natur und den Kreislauf von Tod und Wiedergeburt?
Frage dich:
-
Was stirbt gegenwärtig in meinem Leben ab?
-
Welche Gewohnheiten, Gedanken oder Bindungen darf ich loslassen, so wie die Bäume ihre Blätter fallen lassen?
Und wenn es um das Neue geht, halte Geduld. Denn so wie im Verborgenen die Knospen des Frühlings reifen, so wird auch in dir das Neue zum Vorschein kommen – zur rechten Zeit. Alles hat seine Stunde.
Fazit – Die Weisheit des Loslassens
Für den Templer ist der Herbst nicht nur eine Jahreszeit, sondern eine Schule der Seele. Er lehrt uns das Loslassen ohne Angst, das Vertrauen in den Rhythmus der Schöpfung und die Gewissheit, dass jedes Ende der Anfang eines neuen Kapitels ist.
So wie die Natur sich auf den Winter vorbereitet, dürfen auch wir uns innerlich rüsten – mit Geduld, Achtsamkeit und der Gewissheit, dass im Dunkel der Erde schon das Licht des Frühlings verborgen liegt.
