⚔️ Gedanken am 16. August
Die stille Größe des Agnostikers – Erinnerungen an meinen Vater
Mein Vater starb, als ich Ende zwanzig war. Er war Agnostiker – ein Wort, das für viele nach Zweifel oder Unsicherheit klingt, für ihn aber Ausdruck einer tiefen, reifen Spiritualität war. Er gab nicht vor, zu wissen, was Gott ist. Doch er wusste, dass in einem so schönen und wohlgeordneten Universum wie dem unsrigen etwas unvorstellbar Gewaltiges und Geheimnisvolles wirken musste.
Sein Agnostizismus war keine kalte Ablehnung, sondern eine Art unschuldige Offenheit – wie ein leerer Becher, der darauf wartet, mit staunender Bewunderung gefüllt zu werden. Er war nicht auf schnelle Antworten aus, sondern auf ehrliches Erleben.
Wir gingen oft gemeinsam in den Zoo. Dort betrachtete er die Herrlichkeit der Schöpfung in den sanften Augen eines Hirsches. Ich werde nie vergessen, wie er sich eines Tages verstohlen die Tränen aus den Augen wischte, als er darüber nachdachte, wie jemand – der nicht am Verhungern ist – ein so anmutiges Wesen töten konnte.
Mein Vater lehrte mich durch sein Beispiel, dass wahre Spiritualität nicht im Wissen, sondern im Staunen liegt. Dass Güte nicht aus Dogmen, sondern aus dem Herzen kommt. Das kindliche Staunen und die wohlwollende Güte meines Vaters werden mein Herz erhellen und meinen Weg leiten, solange ich lebe.
Tempelarbeit
Verweile für einige Minuten in stiller Meditation. Denke an einen Menschen, der dir ein Vorbild an wohlwollender Güte, staunender Freude oder einer anderen spirituellen Eigenschaft gewesen ist.
Lass heute diese Eigenschaft – sei es Sanftmut, Mitgefühl oder staunende Dankbarkeit – bewusst in all deinen Begegnungen und Handlungen lebendig werden.
