⚔️ Gedanken am 22. November
Das Gebet um Mitgefühl – die Wurzel des Tonglen
Die Quelle der Kraft
Der tibetische Lama Geshe Kelsang Gyatso betont immer wieder: Der Schlüssel zur Verwandlung unseres Herzens liegt im Gebet um Mitgefühl.
Denn je mehr sich unser Herz öffnet, desto stärker wird die Kraft des Tonglen – und desto inniger der Wunsch, diese heilige Übung zu praktizieren.
Für den Templer bedeutet das: Bevor er in die geistige Schlacht des Dienens und Heilens zieht, kniet er nieder und bittet Gott um das eine Schwert, das nie rostet und nie bricht – das Mitgefühl.
Mitgefühl in den Religionen
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Christus sprach: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.“ Wer Christus folgt, darf um dieses Herz voller Erbarmen bitten.
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Das Judentum erinnert durch die Mitzwoth, die Gebote der Güte, an die Pflicht, im Alltag Gnade und Mitgefühl zu üben.
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In anderen Traditionen finden wir denselben Ruf: das Herz zu weiten, über das Ich hinauszugehen, und die universelle Verbundenheit zu erkennen.
Ganz gleich, welches Bekenntnis wir tragen – das Gebet um Mitgefühl ist die gemeinsame Grundlage.
Die Templerhaltung des Mitgefühls
Der Templer weiß: Mitgefühl ist kein Gefühl der Schwäche, sondern die stärkste Kraft des Geistes. Es lässt uns Lasten auf uns nehmen, wo andere fliehen würden. Es öffnet den Blick für die Einheit aller Wesen und ruft uns zurück in das Herz Gottes.
Darum ist es unsere tägliche Pflicht, immer wieder neu darum zu bitten, dass Mitgefühl in uns aufblüht und beständig wird.
Tägliche Templerarbeit – Gebet um Mitgefühl
Geshe Kelsang Gyatso lehrt in seinem Werk Grenzenloses Mitgefühl folgendes kontemplative Gebet, das auch der Templer zu eigen machen kann:
Daran denkend, dass alle bemitleidenswerten Wandernden meine Mütter sind,
die mich immer wieder aus Güte umsorgt und geliebt haben,
erbitte ich Deine Segnungen, um ein spontanes Mitgefühl zu erzeugen,
wie das einer liebenden Mutter für ihr liebstes Kind.
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Sprich diese Worte in Stille.
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Lass sie in deinem Herzen nachklingen.
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Richte dich dann in deinem eigenen Gebet an Gott – in der Sprache, die dir am natürlichsten ist – und bitte um echtes Mitgefühl.
Fazit
Mitgefühl ist die Wurzel der Vergebung, der Keim der Liebe und das Herz des Templerwegs. Es macht uns zu Werkzeugen des Lichts, die den Schmerz der Welt aufnehmen und ihn in Trost verwandeln.
Wer um Mitgefühl betet, öffnet den Strom göttlicher Barmherzigkeit – und lässt ihn durch sich hindurch in die Welt fließen.
