⚔️ Gedanken am 7. November
Phowa – Das Ritual der Bewusstseinstransferierung
Ein heiliges Ritual des Übergangs
Die tibetischen Buddhisten bewahren ein uraltes Ritual, das dem Sterbenden wie auch den Verstorbenen helfen soll: Phowa, die »Transferierung des Bewusstseins«. Besonders in den ersten sieben Wochen nach dem Tod wird es praktiziert, um der Seele den Weg ins Licht zu erleichtern.
In seiner Kurzform geschieht Folgendes:
-
Man visualisiert eine Form des Göttlichen, zu der der Sterbende oder Verstorbene eine besondere Nähe verspürte – sei es Maria, Jesus Christus, der Buddha, Allah oder schlicht das reine Licht.
-
Diese Erscheinungsform des Göttlichen schwebt über dem Haupt des Sterbenden und übergießt ihn mit strahlendem Licht.
-
Dieses Licht durchdringt den Körper, reinigt von Schmerz, Angst und Illusion – all jenem, was die Erkenntnis des wahren Wesens verhindert.
-
Schließlich dehnt sich das Herzlicht des Sterbenden aus und wird eins mit dem Göttlichen Bewusstsein.
So, glauben die Tibeter, erkennt die Seele ihr Einssein mit Gott und verweilt in diesem Zustand. Denn jeder Sterbende erlebt nach Überlieferung einen Moment der Lichterfahrung. Doch sobald diese vergeht, droht das Bewusstsein wieder in die Fesseln des kleinen Ichs zurückzufallen. Phowa soll helfen, dieses Tor des Lichts zu öffnen und offen zu halten.
Der Templerblick auf das Ritual
Auch wenn Phowa aus dem Buddhismus stammt, entspricht seine innere Wahrheit dem geistigen Weg des Templers:
-
Das Bewusstsein wird auf das Höhere Selbst und auf die Quelle allen Lichts ausgerichtet.
-
Der Tod wird nicht als Ende gesehen, sondern als Heimkehr in die Einheit.
-
Das Ritual ist zugleich ein Akt der Liebe für den Verstorbenen und ein Werk der geistigen Dienstbarkeit.
So wird Phowa zu einem Werkzeug, das jeder Templer – in Ehrfurcht und Hingabe – übernehmen kann, um Brüdern, Schwestern, Angehörigen oder Freunden den Weg ins Licht zu ebnen.
Die tägliche Templerarbeit
Auch wenn Phowa traditionell während der ersten sieben Wochen nach dem Ableben vollzogen wird, kann es jederzeit durchgeführt werden – sei es am Todestag eines geliebten Menschen, als Gedenken oder als Gebet für die Verstorbenen.
So kannst du üben:
-
Zünde eine Kerze an und richte einen stillen Raum der Weihe ein.
-
Visualisiere über dem Haupt des Verstorbenen die Erscheinung des Göttlichen, die ihm am nächsten stand.
-
Sieh, wie das Licht auf ihn herabströmt, alle Dunkelheit auflöst und sein Herzlicht entfacht.
-
Stelle dir vor, wie dieses Herzlicht eins wird mit dem Göttlichen Bewusstsein.
-
Verweile einige Minuten in Stille und Hingabe.
Viele Templer begehen an den Todestagen ihrer Eltern oder naher Verwandter ein solches Ritual. Es entspricht dem jüdischen Brauch, an diesem Tag eine Jahrzeitkerze zu entzünden. Gibt es einen würdigeren Weg, die Toten zu ehren, als sie bewusst in das Licht der Ewigkeit zu begleiten?
Fazit
Phowa zeigt uns: Tod ist Heimkehr.
Mit diesem Ritual können wir als Templer unsere Liebe über den Schleier hinaus wirken lassen. Es schenkt den Verstorbenen Frieden – und uns selbst eine tiefere Verbindung zum göttlichen Licht.
