Pfarreien der Templer
Zwischen Dienst und Streitigkeiten
Wenn wir als Brüder unseres Ordens auf die Geschichte blicken, so erkennen wir, dass uns nicht nur Burgen, Komtureien und Ländereien anvertraut wurden, sondern auch Pfarreien mit ihren Pfarrkirchen. Diese kamen in unseren Besitz sowohl durch Schenkungen frommer Gläubiger als auch durch eigene Gründungen. Sie waren Orte des Gebets und der Seelsorge, aber auch Quelle von Einkünften, die gewöhnlich den örtlichen Kirchen und Bischöfen vorbehalten waren.
Die Einkünfte der Templerpfarreien
Die Gläubigen, die in unseren Pfarreien die Sakramente empfingen, gaben ihre Gaben und Abgaben – bei Eheschließungen, Taufen, Begräbnissen oder in Form von Spenden – nun nicht mehr an die Ortskirche, sondern an den Orden. Dies war uns durch unsere Privilegien und unsere Stellung als direkt dem Papst unterstellte Brüder erlaubt, entzog jedoch den Bischöfen und Pfarrpriestern mancherorts ihre Einkünfte.
Der Streit um die Pfarrer
Ein weiterer Zankapfel war die Bestellung der Pfarrer. Denn die Priester, die in unseren Kirchen wirkten, mussten nicht zwingend dem Orden angehören. Oft setzten wir geeignete Kleriker ein, die in Treue für die Gemeinde wirkten. Doch die Ortsbischöfe beanspruchten das Recht der Mitbestimmung, während wir Brüder uns auf die Exemtion beriefen – das uralte Privileg, unmittelbar dem Heiligen Vater unterstellt zu sein.
So kam es, dass auch die Weihe von Kirchen mancherorts ohne die Zustimmung des Ortsbischofs geschah, da wir die Möglichkeit hatten, auswärtige Bischöfe heranzuziehen. Dies führte zu erneuten Spannungen zwischen uns und der örtlichen Geistlichkeit.
Vereinbarungen und Treueeide
Manchmal wurden Einzelvereinbarungen getroffen, die das Verhältnis zwischen Orden und Bistum regelten. In seltenen Fällen mussten Komture gar Treueeide gegenüber einem Abt oder Bischof leisten. Doch dies war streng genommen ein Widerspruch zur Ordensregel und zu den päpstlichen Bullen seit Omne Datum Optimum (1139), die uns von solchen Bindungen ausdrücklich freigestellt hatten.
Andere Absprachen regelten, dass die Gemeinde der Templerpfarreien an gewissen Festtagen an den Prozessionen der übrigen Kirchen der Diözese teilnehmen sollte. Bei diesen Umzügen wurden ebenfalls Spenden gesammelt, sodass die Einkünfte nicht ausschließlich bei uns verblieben.
Häresie – kein Thema in diesen Streitigkeiten
Wichtig ist die Erinnerung daran, dass in all diesen Streitigkeiten zwischen unserem Orden und der Ortsgeistlichkeit niemals die Frage nach Häresie erhoben wurde. Die Konflikte betrafen Besitz, Einkünfte, Rechte und Privilegien – niemals den Glauben. Dies sollte in späteren Zeiten, als man uns zu Unrecht der Ketzerei anklagte, deutlich bedacht werden.
Vermächtnis
So zeigen die Pfarreien unseres Ordens ein Spannungsfeld zwischen geistlichem Dienst und kirchenrechtlichen Auseinandersetzungen. Sie bezeugen zugleich die Kraft und das Vertrauen, das man uns schenkte, indem man uns Seelsorge und Pfarrrechte übergab. Und sie erinnern daran, dass wir Brüder stets bemüht waren, unseren Dienst in Treue zu Christus und im Gehorsam zum Heiligen Stuhl zu leisten – auch wenn weltliche und kirchliche Eifersucht uns zuweilen Widerstand entgegensetzte.
