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War Hugo de Payns ein Italiener?

Wenn wir Brüder des Ordens zurückschauen auf unseren ersten Meister, so begegnen wir zugleich der Frage nach seinen Wurzeln. Hugo de Payns – oder wie er in alten Urkunden genannt wird: Hugo de Paganis, in Italien auch Ugo de Pagani – gilt als der Gründer unseres Ordens und erster Großmeister. Doch wo lag seine Heimat? In Frankreich oder in Italien?

Zeugnisse für eine italienische Herkunft

Viele Quellen sprechen dafür, dass Hugo in Nocera geboren wurde, einem Ort in Süditalien, der später den Beinamen dei Pagani erhielt. Dort war seine Familie ansässig, und vatikanische Dokumente bestätigen ausdrücklich, dass er aus jener Stadt stammte. Auch seine verwandtschaftlichen Bindungen, die bis nach Forenza und Rossano reichten, verorten die Familie de Pagani in Süditalien.

Ein besonderes Zeugnis ist der sogenannte Amarelli-Brief, den Hugo im Jahr 1103 an seinen Onkel Leonardo schrieb, nachdem dessen Sohn in Palästina gefallen war. In diesem Schreiben erwähnt Hugo, dass er seinen Vater in Nocera um Beistand gebeten habe. Das Dokument selbst ging im 19. Jahrhundert verloren, doch seine Existenz ist durch ältere Aufzeichnungen belegt.

Auch Papst Gelasius II. (1118–1119) erwähnt in den vatikanischen Tagebüchern von 1638 einen „italienischen Ordensbruder Hugo de Paganis aus der Stadt Nocera bei Salerno“. Diese Notiz, die sich auf ein älteres Schriftstück stützt, weist klar nach Italien.

Die französische Theorie

Erst im 19. Jahrhundert wurde die These verbreitet, Hugo sei ein Franzose aus der Champagne gewesen. Der Gelehrte Paulin Paris deutete 1879 den Namen Hugo de Paganis bei Wilhelm von Tyrus in die altfranzösische Form Hues de Paiens um und verband diesen mit dem Ort Payns bei Troyes. Diese Annahme fand bald großen Anklang in der Geschichtswissenschaft und führte dazu, dass die Schreibweise „de Payns“ bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch üblich ist.

So stehen zwei Traditionen gegeneinander: die ältere Überzeugung einer italienischen Herkunft, und die neuere, wissenschaftlich verbreitete These einer französischen Herkunft.

Hugo zwischen Italien und dem Heiligen Land

Was wir sicher wissen: Hugo entstammte einer normannischen Adelsfamilie und stand in enger Verbindung zu den Fürsten Süditaliens. Er kämpfte mit den normannischen Truppen im Ersten Kreuzzug, diente im Heiligen Land und brachte 1105 die Gebeine des Heiligen Jona nach Nocera – ein Beweis seiner anhaltenden Verbindung zur Heimat. Diese Reliquien liegen noch heute in der Kathedrale von San Prisco di Nocera.

Die Familie de Pagani war zudem mit der Abtei von Cava de’ Tirreni verbunden, einem Kloster, das im Geist von Cluny stand und geistige Brücken zwischen Süditalien und Frankreich schlug. Hier finden wir auch die geistige Verbindung zu Bernhard von Clairvaux, der später zum großen Förderer unseres Ordens wurde.

Legenden um den Gral

Eine volkstümliche Überlieferung aus der Basilikata behauptet, Hugo habe selbst den Heiligen Gral in die Kathedrale von Acerenza gebracht. Dort, in der Kirche Santa Maria Assunta, verehren die Menschen bis heute diese Legende. Ob wahr oder nicht – sie zeigt, wie sehr Hugo in der Erinnerung Süditaliens lebendig blieb.

Sein Ende und die letzte Ruhestätte

Um das Jahr 1136 übergab Hugo die Leitung des Ordens an Robert de Craon. Danach verlieren sich die Spuren. Manche Quellen berichten, er sei in Ferrara gestorben und dort in der Kirche San Giacomo bestattet worden, die von einem seiner Verwandten gegründet worden war. Andere Überlieferungen nennen Palästina als Sterbeort. Bis heute ist sein Grab nicht eindeutig nachgewiesen.

Doch die Geschichte lehrt uns: Auch beim neunten Großmeister Arnau de Torroja zweifelte man lange, bis im Jahr 2018 sein Grab in Verona entdeckt und bestätigt wurde. Vielleicht wird auch Hugos Grab eines Tages gefunden – in Italien oder im Osten.

Fazit

War Hugo de Payns ein Italiener?
Die Beweise sprechen stark dafür. Sein Name, seine Familie, seine Reliquien, die Erwähnungen in vatikanischen Dokumenten und die lebendige Erinnerung in Süditalien sind klare Spuren. Doch die französische Theorie hat sich durchgesetzt, und so trägt er bis heute den Namen „de Payns“.

Für uns Brüder jedoch bleibt er mehr als nur ein Name oder eine Herkunftsfrage. Er ist der erste Ritter unseres Ordens, der Mann, der den Bund zwischen Schwert und Kreuz schuf – ob er nun in der Champagne geboren wurde oder im sonnengetränkten Kampanien: sein Werk gehört der Christenheit, und seine Seele ruht im Licht des Herrn.

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