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⚔️ Gedanken am 4. Oktober

Mit dem Tod vertraut werden – Lektionen eines Kriegers

Ende der 1980er Jahre arbeitete ich mit einer Gruppe von AIDS-Kranken. In dieser Zeit las ich ihnen eine Passage aus Eine andere Wirklichkeit von Carlos Castaneda vor. Darin lehrt Don Juan, der „Wohltäter“ des Autors, was es bedeutet, ein Krieger zu sein: ein Mensch, der achtsam, makellos und stark lebt. Don Juan erklärt:

„Ein Mann, um ein Krieger zu sein, muss in erster Linie mit seinem Tod vertraut sein. Und das zu Recht.“

Als ich diese Worte vorlas, spürte ich eine innere Unstimmigkeit. Denn im Gegensatz zu den Männern und Frauen, die mit ihrer tödlichen Krankheit täglich unmittelbar konfrontiert waren, stand ich selbst nicht in derselben Dringlichkeit vor dem Tod. Um die Kluft zu überbrücken, fügte ich etwas unbeholfen hinzu: „Für jeden von uns ist die Stunde des Todes ungewiss. Auch ich könnte heute, auf dem Heimweg, einen Autounfall haben.“

Und so geschah es – beinahe unmittelbar. Es war, als ob das Leben selbst mir zeigen wollte: Niemand ist vom Tod entfernt. Er ist unser ständiger Begleiter, immer nur einen Atemzug entfernt.

Der Tod als Lehrer und Verbündeter

Der Tod wird im Alltag gerne verdrängt, doch die Templer wussten: Wer ihn leugnet, lebt nur halb. Wer jedoch mit ihm vertraut ist, gewinnt Kraft, Klarheit und eine stille Freude.

Für den Krieger – sei er nun ein Ritter im Kampf oder ein Mensch, der die innere Wachheit sucht – ist der Tod kein Feind, sondern ein Lehrer. Er erinnert uns daran, dass jeder Augenblick zählt, dass jedes Wort und jede Tat Gewicht haben.

Don Juans Lehre und die Erfahrung mit den AIDS-Kranken machten mir deutlich: Der Tod hilft uns, wahrhaft lebendig zu sein. Er lehrt uns Achtsamkeit, Dankbarkeit und die Kunst, nichts Wesentliches aufzuschieben.

Die Templer und das Bewusstsein der Endlichkeit

Auch wir Templer lebten stets im Angesicht des Todes – auf den Schlachtfeldern, in der Fremde, auf den gefährlichen Straßen des Heiligen Landes. Doch anstatt uns lähmen zu lassen, schärfte uns dies im Geiste.

Der Tod war unser ständiger Begleiter, aber auch unser stiller Freund. Er erinnerte uns an Demut und rief uns zur Wachsamkeit. In diesem Bewusstsein konnten wir nicht nur kämpfen, sondern auch beten, dienen und die Schönheit des Lebens erkennen.

Tägliche Templerarbeit

  • Morgendliche Dankbarkeit: Sprich beim Erwachen:
    „Großer Geist, ich danke dir für das Geschenk dieses Tages. Möge ich achtsam gehen, wissend, dass ich jederzeit aus dem Traum des Lebens aufwachen könnte.“

  • Gebet um Hilfe: Rufe den Erzengel Raphael an, den Heiler und Begleiter der Seele. Bitte ihn, dir zu helfen, den Tod nicht als Bedrohung, sondern als Verbündeten zu erkennen.

  • Innere Übung:

    • Atme mehrmals loslassend durch.

    • Gleite langsam in den inneren Ort der Stille – dein Allerheiligstes.

    • Richte deine Aufmerksamkeit nach hinten, auf die westliche Seite deines Körpertempels – dorthin, wo die Sonne untergeht.

    • Bitte Raphael um seine Gegenwart. Er soll dir helfen, die Wirklichkeit des Todes bewusst in dein Leben zu nehmen und sie als Quelle der Lebendigkeit zu gebrauchen.

Fazit

Der Tod ist gewiss, doch seine Stunde ist ungewiss. Wer ihn verdrängt, verliert das Leben im Nebel der Selbstvergessenheit. Wer ihn aber umarmt, entdeckt darin eine unerwartete Quelle der Lebenskraft.

So erinnert uns die Templertradition: Lebe jeden Tag so, als wäre er dein letzter – aber handle so, dass er Spuren hinterlässt, die über dein Leben hinausreichen.

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