Baugy – Eine ländliche Komturei des Ordens in der Normandie
Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und erinnere an Baugy, eine unserer Komtureien in der Normandie. Der Ort liegt im heutigen Gebiet der Gemeinde Planquery, etwa anderthalb Kilometer südlich von Balleroy. Baugy war kein Zentrum großer Politik, sondern ein stilles, arbeitsames Haus – doch gerade solche Niederlassungen trugen den Orden im Alltag.
Entstehung und Entwicklung
Die Komturei Baugy ging auf eine Schenkung der Jahre 1148 oder 1149 zurück. Stifter war Roger Bacon, Herr von Molay, der dem Orden Land und Rechte überließ. Ob sich bereits zuvor ein kleines Ordenshaus an diesem Ort befand, lässt sich nicht sicher sagen, ist aber möglich. Das Original der Stiftungsurkunde ist verloren; erhalten ist lediglich eine Abschrift von 1617, die jedoch als glaubwürdig gilt.
Der Komtur von Baugy erhielt zudem das Patronatsrecht über die Kirche von Saint-Aubin-de-Saon, westlich von Bayeux. Dieses Recht wurde dem Orden durch den Bruder Roger Bacons übertragen und stärkte den geistlichen Einfluss der Komturei. Bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts wuchs der Besitz durch weitere Schenkungen umliegender Adelsfamilien stetig an.
Wirtschaftliche Grundlage
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts verwaltete Baugy etwa 95 Hektar Land. Die Niederlassung war klar landwirtschaftlich geprägt. Das Inventar von 1307 gibt einen aufschlussreichen Einblick in den Bestand: 26 Pferde, 30 Rinder, 280 Schafe und 108 Schweine werden genannt. Hinzu kam eine Wassermühle, die für die Versorgung und als Einkommensquelle von großer Bedeutung war.
Zum Zeitpunkt der Verhaftung der Ordensbrüder in Frankreich lebten in Baugy neben dem Komtur nur zwei weitere Brüder. Wie überall auf dem Land trugen jedoch Lohnarbeiter und weiteres nicht dem Orden angehörendes Personal die Hauptlast der täglichen Arbeit.
Niedergang und Überreste
Nach der Aufhebung des Ordens verfiel die Komturei rasch. Bereits Ende des 14. Jahrhunderts beklagte eine Bestandsaufnahme der Johanniter den ruinösen Zustand der Anlage, verursacht durch Kriegsschäden. Dennoch blieben Spuren erhalten.
Heute ist vor allem die Kapelle aus dem 13. Jahrhundert sichtbar, ebenso die Grundmauern des Haupthauses. Am Tympanon der Kapelle erkennt man noch das Lamm Gottes, ein stilles Zeugnis unseres Glaubens. Zum Besitz von Baugy gehörten außerdem zwei Häuser in Bayeux. Dort wurden im 18. Jahrhundert noch Reste entdeckt: Engelsköpfe, Kapitelle und eine Christusfigur, die einst zu diesen Gebäuden gehörten.
Baugy war kein Ort des Glanzes, doch ein Ort der Treue. Hier zeigt sich, wie der Orden lebte, arbeitete und wirtschaftete – verwurzelt im Land, getragen von Schenkungen, und am Ende dem Verfall preisgegeben. Für uns Templer bleibt Baugy ein Sinnbild des stillen Dienstes, der oft unbeachtet bleibt, aber unverzichtbar war.
