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Deutschland lebt über seine Verhältnisse

Ein Templerwort zur Verantwortung gegenüber kommenden Generationen

Wenn der Staat über seine Verhältnisse lebt

Ein Templerwort zur Verantwortung gegenüber kommenden Generationen
Eigentlich möchten wir an dieser Stelle nicht über Politik sprechen.

Der Templerorden ist kein Ort für parteipolitische Auseinandersetzungen. Unsere Aufgabe ist es nicht, für oder gegen eine Partei Stellung zu beziehen. Wir beschäftigen uns mit höheren Werten: Verantwortung, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Maßhalten und der Pflicht gegenüber den kommenden Generationen.

Doch manchmal gibt es Entwicklungen, über die man nicht schweigen darf.
Die finanzielle Lage Deutschlands gehört dazu.

Viele Menschen machen sich darüber kaum Gedanken. Solange die Renten überwiesen werden, das Kindergeld pünktlich kommt und die Sozialleistungen ausbezahlt werden, scheint alles in Ordnung zu sein.

Doch wer genauer hinsieht, erkennt ein anderes Bild.
Brücken sind sanierungsbedürftig oder müssen sogar gesperrt werden. Die Deutsche Bahn befindet sich seit Jahren in einem Zustand, der einem der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt kaum würdig ist. Schulen und Straßen warten auf dringend notwendige Investitionen. Gleichzeitig nimmt die Staatsverschuldung in einem Tempo zu, das selbst erfahrene Finanzexperten beunruhigt.

Schulden in Billionenhöhe
Deutschland weist inzwischen Staatsschulden von rund 2,8 Billionen Euro auf. Eine Billion sind eintausend Milliarden.
Diese Zahl ist kaum noch vorstellbar. 2,8 Billionen Euro entsprechen 2.800.000.000.000 Euro.

Noch bedenklicher ist jedoch die Entwicklung. Für das Jahr 2026 plant der Bund eine Neuverschuldung in einer Größenordnung von deutlich über 180 Milliarden Euro. Hinzu kommen kreditfinanzierte Sondervermögen, die den Schuldenberg in den kommenden Jahren weiter anwachsen lassen.

Natürlich kann ein Staat Kredite aufnehmen.
Das ist weder ungewöhnlich noch grundsätzlich falsch.
Kredite können sinnvoll sein, wenn damit Werte geschaffen werden, die auch kommenden Generationen dienen – etwa moderne Verkehrswege, Schulen, Forschungseinrichtungen oder eine leistungsfähige Infrastruktur.
Doch Schulden dürfen nicht zur Dauerlösung werden.

Ein Unternehmen wäre längst insolvent
Man stelle sich dieselbe Situation bei einem privaten Unternehmen vor.
Ein Unternehmer finanziert Jahr für Jahr einen erheblichen Teil seiner laufenden Ausgaben über neue Kredite. Die Verschuldung wächst ständig weiter. Gleichzeitig sinkt das Wirtschaftswachstum, während die Zinsbelastung immer höher wird.

Spätestens dann müsste das Unternehmen Insolvenz anmelden oder umfassend saniert werden. Wahrscheinlich käme er auch in das Gefängnis.

Ein Staat funktioniert zwar anders. Er kann Steuern erheben, Staatsanleihen ausgeben und seine Schulden über Jahrzehnte hinweg verlängern.
Doch eines gilt auch für Staaten:
Sie leben vom Vertrauen ihrer Gläubiger.
Geht dieses Vertrauen verloren, steigen die Zinsen.
Und genau das kann sehr schnell zu einem ernsten Problem werden.

Das AAA-Rating ist keine Selbstverständlichkeit
Deutschland gehört derzeit noch zu den 11 Staaten der Welt mit der höchsten Bonitätsbewertung – dem sogenannten AAA-Rating.
Diese Bestnote bedeutet, dass internationale Investoren Deutschland als besonders kreditwürdig ansehen.

Doch in den vergangenen Tagen wurde in den Medien mehrfach darüber berichtet, dass diese Spitzenbewertung künftig unter Druck geraten könnte, wenn die Verschuldung weiter zunimmt und das Wirtschaftswachstum schwach bleibt.

Noch besitzt Deutschland dieses Spitzenrating.
Aber schon die Tatsache, dass über eine mögliche Herabstufung diskutiert wird, sollte uns nachdenklich stimmen.
Denn ein schlechteres Rating hätte unmittelbare Folgen.

Der Staat müsste für neue Kredite höhere Zinsen bezahlen. Nur bei einer Zinssteigerung um 1% wären das 2 Milliarden Euro.
Und jeder zusätzliche Euro für Zinsen fehlt an anderer Stelle.
Er fehlt für Schulen.
Er fehlt für Straßen.
Er fehlt für die Pflege.
Er fehlt für Forschung.
Er fehlt für unsere Kinder.

Die unsichtbare Last
Besonders gefährlich ist eine hohe Staatsverschuldung deshalb, weil ihre Folgen zunächst kaum sichtbar sind.
Die meisten Bürger bemerken davon wenig.
Die Rechnung kommt erst später.
Jede neue Kreditaufnahme verschiebt Belastungen in die Zukunft.

Nicht wir allein werden sie bezahlen.
Unsere Kinder und Enkel werden ebenfalls dafür aufkommen müssen.

Der Templer fragt deshalb nicht nur:
„Was nützt uns heute?“

Er fragt vielmehr:
„Was hinterlassen wir morgen?“

Wohlstand muss zuerst erwirtschaftet werden

Ein weiterer Gedanke bereitet mir Sorge.
In unserer Zeit entsteht manchmal der Eindruck, als sei Gewinn etwas moralisch Fragwürdiges, während das Verteilen von Geld grundsätzlich etwas Gutes sei.
Doch ohne erfolgreiche Unternehmen gibt es keine Arbeitsplätze.
Ohne Arbeitsplätze gibt es keine Steuereinnahmen.
Ohne Steuereinnahmen gibt es keinen funktionierenden Sozialstaat.
Das ist keine politische Meinung.
Das ist wirtschaftliche Realität.

Selbstverständlich brauchen wir einen Sozialstaat.
Kranke, Alte, Behinderte und Menschen in echter Not verdienen unsere Hilfe.
Das entspricht unserem christlichen Selbstverständnis.
Aber Hilfe kann dauerhaft nur geleistet werden, wenn zuvor genügend Wohlstand erwirtschaftet wurde.
Man kann auf Dauer nicht mehr verteilen, als zuvor geschaffen wurde.

Wer trägt die Verantwortung?
Viele Bürger stellen sich heute eine einfache Frage:
Wer übernimmt eigentlich die Verantwortung für diese Entwicklung?
Die heutige Verschuldung ist nicht das Werk einer einzigen Regierung.
Sie ist das Ergebnis vieler politischer Entscheidungen unterschiedlicher Regierungen und parlamentarischer Mehrheiten über viele Jahre hinweg.
Jede Milliarde neuer Schulden wurde beschlossen.
Jede Grundgesetzänderung wurde beschlossen.
Jedes Sondervermögen wurde beschlossen.

Dafür tragen Politiker Verantwortung.
Doch Verantwortung bedeutet mehr als nur Entscheidungen zu treffen.
Verantwortung bedeutet auch, für die Folgen des eigenen Handelns einzustehen.

In der Wirtschaft gilt dieser Grundsatz seit Jahrhunderten.
Wer dauerhaft schlecht wirtschaftet, muss mit den Konsequenzen leben.

In der Politik entsteht dagegen häufig der Eindruck, dass Fehlentscheidungen selten persönliche Folgen haben. Minister verlassen ihre Ämter, Abgeordnete scheiden aus dem Parlament aus und beziehen später oftmals hohe Pensionen.
Die Schulden jedoch bleiben.
Sie werden nicht von den Politikern bezahlt.
Sie werden von den Steuerzahlern getragen.

Der Templer denkt weiter
Die alten Tempelritter verstanden sich nicht als Besitzer des ihnen anvertrauten Vermögens.
Sie sahen sich als Verwalter.
Als Treuhänder.

Sie wussten, dass jede Generation die Pflicht hat, das Empfangene nicht schlechter, sondern besser an die nächste Generation weiterzugeben.
Vielleicht liegt genau hier der entscheidende Unterschied zwischen kurzfristigem Denken und echter Verantwortung.

Der moderne Mensch fragt oft:
„Was kann ich heute noch bekommen?“

Der Ritter fragt:
„Was hinterlasse ich morgen?“

Unsere Vorfahren bauten Kathedralen, deren Vollendung sie selbst niemals erleben würden.
Sie pflanzten Wälder, unter deren Schatten erst ihre Enkel sitzen konnten.
Sie errichteten Brücken, Straßen und Hospitäler für Menschen, die sie niemals kennenlernen würden.

Heute besteht die Gefahr, dass wir genau das Gegenteil tun.
Wir leben auf Kosten jener, die nach uns kommen.
Das kann nicht der Weg einer verantwortungsvollen Gesellschaft sein.

Die Rechnung kommt immer
Vielleicht gibt es in der Wirtschaft eine Wahrheit, die ebenso für Staaten gilt:
Jede Rechnung wird irgendwann bezahlt.

Man kann sie verschieben.
Man kann neue Kredite aufnehmen.
Man kann ihr einen anderen Namen geben.
Doch verschwinden wird sie dadurch nicht.

Als Templer wollen wir deshalb keine Angst verbreiten.
Aber wir wollen mahnen.
Verantwortung beginnt dort, wo der Mensch den Mut besitzt, unbequeme Wahrheiten auszusprechen.
Nicht weil er kritisieren möchte.
Sondern weil ihm die Zukunft seines Landes und seiner Mitmenschen am Herzen liegt.
Ein Ritter lebt nicht nur für den heutigen Tag.
Er denkt an die Generationen, die nach ihm kommen.

Und vielleicht sollten wir alle wieder lernen, uns bei jeder politischen Entscheidung eine einzige Frage zu stellen:
Hinterlassen wir unseren Kindern ein stärkeres Land – oder nur unsere Rechnungen?

 

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