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Die Entstehung des Templerordens

Wie neun Ritter Geschichte schrieben

Kaum ein Ritterorden übt bis heute eine solche Faszination aus wie der Orden der Tempelritter. Um ihn ranken sich Legenden über verborgene Schätze, geheimnisvolle Rituale und sagenhaften Reichtum. Doch die wahre Geschichte der Templer ist mindestens ebenso beeindruckend wie die vielen Mythen.

Sie beginnt nicht mit Macht oder Ruhm, sondern mit dem Wunsch einiger weniger Männer, den Schwachen zu dienen und ihren Glauben mit ihrem Leben zu verteidigen.

Jerusalem nach dem Ersten Kreuzzug

Nachdem Jerusalem im Jahr 1099 während des Ersten Kreuzzuges von den Kreuzfahrern erobert worden war, strömten Tausende christliche Pilger aus ganz Europa ins Heilige Land. Sie wollten die Orte besuchen, an denen Jesus Christus gelebt, gelehrt, gelitten und auferstanden war.

Doch die Reise war gefährlich.

Zwischen den Hafenstädten und Jerusalem lauerten Räuberbanden, die Pilger überfielen, ausraubten oder sogar töteten. Besonders die Wege durch die Berge Judäas galten als lebensgefährlich.

Es wurde offensichtlich, dass die Pilger Schutz benötigten.

Die Gründung des Templerordens

Um das Jahr 1119 schlossen sich neun Ritter unter der Führung des französischen Adligen Hugo von Payns zusammen. Sie gründeten eine Gemeinschaft, deren einziges Ziel zunächst darin bestand, die Pilger auf ihrem Weg ins Heilige Land zu schützen.

Der König von Jerusalem, Balduin II., stellte ihnen einen Teil seines Palastes auf dem Tempelberg als Unterkunft zur Verfügung. Dieser Palast befand sich auf dem Gelände des ehemaligen Tempels Salomos.

Von diesem Ort leitet sich ihr offizieller Name ab:

„Die Armen Ritter Christi und des Tempels von Salomon.“

Daraus entstand später die bis heute bekannte Bezeichnung Tempelritter oder Templer.

Ritter und Mönche zugleich

Die Templer waren etwas völlig Neues.

Bis dahin kannte die Kirche Mönche, die in Klöstern lebten, beteten und arbeiteten.

Sie kannte Ritter, die kämpften und ihre Lehnsherren verteidigten.

Die Templer verbanden beide Lebensformen miteinander.

Sie lebten wie Mönche nach festen Ordensregeln und waren gleichzeitig kampferprobte Ritter. Ihr Leben war geprägt von Gebet, Disziplin und militärischem Dienst.

Sie legten drei feierliche Gelübde ab:

  • Armut,
  • Keuschheit,
  • Gehorsam.

Persönlicher Besitz war ihnen untersagt. Alles gehörte dem Orden. Das einfache weiße Ordensgewand mit dem roten Kreuz wurde zum Symbol ihrer Reinheit und ihrer Bereitschaft, Christus bis zum Tod zu dienen.

Der heilige Bernhard von Clairvaux

Ein entscheidender Wendepunkt war die Unterstützung durch den berühmten Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux.

Er erkannte die Bedeutung des jungen Ritterordens und setzte sich dafür ein, dass die Kirche ihn offiziell anerkannte.

Auf dem Konzil von Troyes im Jahr 1129 erhielt der Templerorden seine Ordensregel und wurde von der Kirche bestätigt.

Bernhard schrieb später die berühmte Schrift „Lob der neuen Ritterschaft“, in der er erklärte, dass der Kampf der Templer kein Krieg aus Machtgier sei, sondern der Schutz der Pilger und der Verteidigung des christlichen Glaubens diene.

Dadurch gewann der Orden in ganz Europa großes Ansehen.

Der rasante Aufstieg

Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden überall in Europa Templerniederlassungen, sogenannte Komtureien.

Adelige stifteten Land, Burgen und Geld.

Junge Männer aus vielen Ländern traten in den Orden ein.

Die Templer entwickelten sich zu einer hervorragend organisierten Gemeinschaft, deren Mitglieder nach denselben Regeln lebten – unabhängig davon, ob sie sich in Frankreich, England, Spanien oder im Heiligen Land befanden.

Diese einheitliche Organisation machte den Orden außergewöhnlich leistungsfähig.

Mehr als nur Krieger

Die Tempelritter waren jedoch weit mehr als Soldaten.

Sie betrieben Landwirtschaft, verwalteten große Güter, errichteten Kirchen und Herbergen und versorgten Pilger auf ihren Reisen.

Vor allem entwickelten sie ein bemerkenswert sicheres Finanzsystem.

Ein Pilger konnte sein Vermögen in einer Templerniederlassung in Europa hinterlegen und erhielt dafür ein verschlüsseltes Dokument. Im Heiligen Land konnte er den entsprechenden Betrag wieder abheben.

Dieses Verfahren schützte Reisende vor Raubüberfällen und gilt als einer der Vorläufer des modernen Bankwesens.

Die sogenannten „Templerbanken“ entstanden also nicht, weil die Templer nach Reichtum strebten, sondern weil sie praktische Lösungen für die Probleme ihrer Zeit entwickelten.

Der wahre Reichtum der Templer

Bis heute wird häufig behauptet, die Templer hätten unermessliche Schätze gehortet.

Tatsächlich gehörte der Besitz dem Orden und diente der Finanzierung seiner Aufgaben: dem Schutz der Pilger, der Versorgung der Burgen, der Unterstützung Bedürftiger und der Verteidigung des Heiligen Landes.

Der einzelne Tempelritter lebte weiterhin einfach.

Sein persönlicher Reichtum bestand nicht aus Gold oder Silber, sondern aus seinem Glauben, seiner Disziplin und seiner Bereitschaft zum Dienst.

Was wir heutigen Templer daraus lernen

Der historische Templerorden wurde nicht gegründet, um Macht zu sammeln oder Ruhm zu erwerben.

Er entstand aus dem Wunsch, Gott zu dienen und Menschen zu schützen.

Auch wenn die Kreuzzüge längst Geschichte sind, bleibt dieser Gedanke aktuell.

Ein Templer kämpft heute nicht mehr mit Schwert und Schild. Sein Kampf richtet sich gegen Unrecht, Gleichgültigkeit, Angst und Hoffnungslosigkeit.

Er schützt nicht mehr Pilger auf den Straßen Jerusalems, sondern bemüht sich, Mitmenschen auf ihrem Lebensweg beizustehen.

Mut, Disziplin, Ehrlichkeit und Nächstenliebe sind deshalb keine Werte vergangener Jahrhunderte. Sie sind zeitlose Tugenden, die auch unsere moderne Welt dringend braucht.

Schlussgedanken

Die Geschichte des Templerordens begann mit nur neun Rittern, die bereit waren, ihr Leben für andere einzusetzen. Niemand konnte damals ahnen, dass aus dieser kleinen Gemeinschaft einer der bedeutendsten und bekanntesten Ritterorden der Geschichte entstehen würde.

Vielleicht liegt gerade darin die wichtigste Botschaft für uns heute:

Große Veränderungen beginnen selten mit einer großen Zahl von Menschen. Sie beginnen mit einigen wenigen, die den Mut besitzen, ihrer Überzeugung treu zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen.

So wurde aus neun Rittern eine Bewegung, deren Name auch nach fast neunhundert Jahren noch Menschen auf der ganzen Welt fasziniert.

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