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Die Geschichte des Noah seiner Arche waren nicht neu

Die Erzählung von der großen Flut ist eine der ältesten und bekanntesten Mythen der Menschheitsgeschichte. Zwei zentrale Figuren, die in den Überlieferungen verschiedener Kulturen auftauchen, sind Noah aus der biblischen Genesis und Utnapischtim aus dem altbabylonischen Gilgamesch-Epos. Beide Geschichten weisen auffallende Ähnlichkeiten auf, was die Frage aufwirft, ob die biblische Geschichte von Noah eine neuere Version eines viel älteren Mythos ist.

Utnapischtim im Gilgamesch-Epos

Utnapischtim ist eine zentrale Figur im Gilgamesch-Epos, einem der ältesten bekannten literarischen Werke der Menschheitsgeschichte. Dieses Epos stammt aus dem alten Mesopotamien und wurde auf Tontafeln in Keilschrift um 2100 v. Chr. verfasst. In der Geschichte von Utnapischtim berichtet dieser dem Helden Gilgamesch von einer großen Flut, die von den Göttern gesandt wurde, um die Menschheit zu vernichten. Der Gott Ea warnte Utnapischtim vor dieser Katastrophe und riet ihm, ein großes Schiff zu bauen, um sich und seine Familie, sowie alle Arten von Tieren zu retten. Utnapischtim befolgte diese Anweisung und überlebte so die Flut, die die gesamte Menschheit auslöschte.

Nachdem die Flut nachließ, ließ Utnapischtim Vögel fliegen, um festzustellen, ob das Land wieder trocken war. Am Ende landete das Schiff auf einem Berg, und Utnapischtim brachte den Göttern Opfer dar. Als Belohnung für sein Überleben und seine Loyalität verliehen ihm die Götter Unsterblichkeit.

Noahs Geschichte in der Bibel

Die Geschichte von Noah, die in der Bibel im Buch Genesis erzählt wird, zeigt bemerkenswerte Parallelen zu der von Utnapischtim. Noah wurde von Gott (im Hebräischen Jahwe) angewiesen, eine Arche zu bauen, da die Menschheit durch ihre Sünden und ihr moralisches Fehlverhalten untergehen sollte. Gott plante, die Erde mit einer großen Flut zu überschwemmen, aber Noah und seine Familie sollten gerettet werden, da er als rechtschaffen galt. Auch Noah nahm von jeder Tierart ein Paar mit auf die Arche.

Nach der Flut ließ Noah, ähnlich wie Utnapischtim, Vögel fliegen, um zu prüfen, ob das Wasser zurückgegangen war. Am Ende der Geschichte landete die Arche auf einem Berg (dem Ararat), und Noah opferte ebenfalls Gott, der ihm als Zeichen seines Bundes den Regenbogen schenkte.

Parallelen zwischen beiden Geschichten

Die Ähnlichkeiten zwischen den beiden Geschichten sind so offensichtlich, dass viele Gelehrte vermuten, dass die biblische Geschichte von Noah entweder direkt oder indirekt von der mesopotamischen Überlieferung beeinflusst wurde. Einige der auffälligsten Parallelen sind:

  • Beide Protagonisten (Utnapischtim und Noah) werden von einer Gottheit gewarnt, dass eine große Flut kommen wird.
  • Beide bauen ein großes Schiff (Arche), um ihre Familie und Tiere zu retten.
  • Die Flut zerstört die gesamte Menschheit, außer denjenigen auf dem Schiff.
  • Nach der Flut landen die Schiffe auf Bergen (Nisir für Utnapischtim, Ararat für Noah).
  • Beide Protagonisten opfern nach der Flut ihren Göttern, die als Reaktion darauf Frieden schließen oder Belohnungen geben.

Ist die Geschichte der Arche also nicht neu?

Es ist schwer, die Tatsache zu ignorieren, dass die Geschichte von Utnapischtim im Gilgamesch-Epos mehr als tausend Jahre älter ist als die biblische Erzählung von Noah. Es gibt zahlreiche Theorien, die darauf hindeuten, dass die Noah-Geschichte stark von den mesopotamischen Überlieferungen beeinflusst wurde, die während des babylonischen Exils der Israeliten (6. Jahrhundert v. Chr.) Kontakt mit den jüdischen Schriften hatten.

Viele Gelehrte sehen in der biblischen Fluterzählung eine adaptiere oder umgeschriebene Version des altbabylonischen Mythos. Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass die Noah-Geschichte als „nicht neu“ oder „kopiert“ betrachtet werden sollte. Vielmehr zeigt sie, wie ältere Mythen und Erzählungen über die Jahrtausende hinweg von verschiedenen Kulturen übernommen und angepasst wurden. Der Kontext und die Bedeutung dieser Erzählungen haben sich oft geändert, um den spezifischen Bedürfnissen und religiösen Überzeugungen einer Kultur zu entsprechen.

Unterschiedliche kulturelle und religiöse Perspektiven

Während die beiden Geschichten viele Ähnlichkeiten aufweisen, spiegeln sie auch die unterschiedlichen religiösen und kulturellen Weltanschauungen ihrer jeweiligen Gesellschaften wider. Im Gilgamesch-Epos handeln die Götter impulsiv und fast willkürlich, während in der biblischen Erzählung Gott klar moralische Gründe für die Flut angibt und einen Bund mit der Menschheit nach der Flut schließt. Diese Unterschiede verdeutlichen, wie beide Geschichten in ihre jeweiligen religiösen und ethischen Systeme eingebettet sind.

Fazit

Ja, die Geschichten von Utnapischtim und Noah sind auffällig ähnlich, und es ist sehr wahrscheinlich, dass die biblische Geschichte von Noah auf älteren mesopotamischen Mythen basiert. Dennoch bedeutet dies nicht, dass die Geschichte der Arche keine Bedeutung oder Einzigartigkeit hat. Sie zeigt vielmehr, wie alte Mythen über Generationen hinweg weiterentwickelt wurden und in unterschiedlichen kulturellen und religiösen Kontexten eine neue Form fanden. Die Archegeschichte, egal ob in der Bibel oder im Gilgamesch-Epos, bleibt ein mächtiges Symbol für Erlösung, Hoffnung und den menschlichen Kampf gegen die Naturgewalten.

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