✠✠✠✠✠✠ TEMPLER MAGAZIN ✠✠✠✠✠✠

Komturei Ivrea – Zeugnis unseres Wirkens im Piemont

Verfasst im Geiste eines Bruders des Ordens der Armen Ritterschaft Christi vom Tempel Salomons

Im Namen unseres Herrn und zum Gedächtnis der Werke, die wir Brüder im Dienste der Christenheit vollbrachten, sei hier berichtet von unserer Niederlassung zu Ivrea im Lande Piemont, unweit der Alpenpässe, die nach Gallien führen. Diese Komturei war klein an Mauern, doch nicht gering an Bedeutung, da sie Pilgerwege, Handel und kirchliche Bande miteinander verband.

Ursprung unserer Niederlassung

Die erste erhaltene Kunde von unserer Präsenz zu Ivrea stammt aus dem Jahre des Herrn 1179. Aus Urkunden jener Zeit geht hervor, dass wir dort bereits gefestigt ansässig waren, mit Haus, Kirche und zugehörigem Besitz.

Einige Gelehrte späterer Tage behaupteten, die Kirche unserer Niederlassung sei uns schon 1130 übereignet worden. Doch müssen wir, der Wahrheit verpflichtet, bekennen: Für diese frühe Datierung fehlt ein sicherer Beleg. Was nicht durch Schrift oder Siegel bestätigt ist, darf nicht als Gewissheit gelten — so verlangt es die Redlichkeit unseres Ordens ebenso wie die Kunst der Geschichtsschreibung.

Besitz und wirtschaftliche Grundlagen

Wie viele unserer Häuser diente auch Ivrea nicht allein dem Gebet und der ritterlichen Disziplin, sondern war eingebunden in die Ordnung von Land und Arbeit.

Unser Besitz umfasste:

  • Einen Weinberg nahe Pivone – von Brüdern und Pächtern bestellt, lieferte er Messwein wie auch Einkünfte.

  • Einen Wald bei Pivone – Holz war unentbehrlich für Bau, Wärme und Gerät.

  • Weitere Ländereien nahe Burolo – Felder und Nutzflächen, die zur Versorgung der Gemeinschaft beitrugen.

Solcher Besitz war nicht Zeichen weltlicher Gier, sondern notwendige Grundlage, um Pilger zu beherbergen, Almosen zu geben und unsere militärischen Verpflichtungen im Heiligen Land zu unterstützen.

Die Kirche des Hl. Nazarius

Unsere Komtureikirche stand unter dem Schutz des heiligen Nazarius. Sie lag jenseits der Porta Vercelli, also vor den Mauern der Stadt. Vieles spricht dafür, dass dieses Gotteshaus älter war als unser Ordenshaus selbst und uns erst später anvertraut wurde.

Dort hielten wir die Stundengebete, nahmen die Sakramente und gedachten der gefallenen Brüder.

Doch die Zeiten verschonten das Bauwerk nicht: Im Jahre 1704, lange nach der Aufhebung unseres Ordens, wurde die Kirche während der französischen Belagerung Ivreas niedergelegt. So verschwand ein steinernes Zeugnis unserer Gegenwart, während die Erinnerung nur in Schrift und Überlieferung fortlebt.

Die Zeit des Prozesses

Als die Verfolgung unseres Ordens zu Beginn des 14. Jahrhunderts hereinbrach, traf sie auch Ivrea. Unsere Güter wurden beschlagnahmt, wie es die päpstlichen und weltlichen Anordnungen verlangten, und die Festsetzung der Brüder wurde befohlen.

Doch zeigen die Quellen, dass die Wirklichkeit vor Ort milder war als das Urteil aus der Ferne.

Der amtierende Komtur, Guglielmo Rubeo, erfreute sich offenbar beträchtlicher Bewegungsfreiheit. Sein Ansehen litt nicht sichtbar unter den Anschuldigungen gegen den Orden:

  • 1311 erscheint er als Zeuge in Urkunden.

  • Er nahm an Investituren des Ortsbischofs teil.

Dies belegt, dass weder Klerus noch Bürgerschaft ihn als entehrt betrachteten. Ivrea stand damit in einer Reihe mit anderen Städten Nordwestitaliens, in denen uns weiterhin Wohlwollen entgegengebracht wurde.

Schutz durch kirchliche und weltliche Autoritäten

Tatsächlich genossen wir in Ivrea bemerkenswerte Unterstützung durch beide Gewalten:

  • Kirchliche Autoritäten gewährten Vertrauen und banden uns weiterhin in Amtshandlungen ein.

  • Weltliche Machthaber setzten die Verfolgungsmaßnahmen offenbar nur begrenzt durch.

Diese Haltung unterschied sich deutlich von den Ereignissen in Frankreich, wo Gewalt und Kerker herrschten.

Der Provinzmeister Giacomo da Montecucco

Besonders bemerkenswert ist das Schicksal unseres Provinzmeisters Giacomo da Montecucco.

Obwohl flüchtig vor den Verfolgern, konnte er sich:

  • In Ivrea

  • Und in deren Umgebung

aufhalten — und dies bis zum Ende des Prozesses gegen unseren Orden.

Mehr noch: Es ist möglich, dass er danach seine kirchliche Laufbahn fortsetzte. Überliefert ist eine Verbindung zur Investitur der Gemeinde San Cassiano in San Sebastiano Monferrato. Sollte dies zutreffen, so wäre es ein eindrucksvolles Zeichen dafür, dass nicht alle Brüder nach dem Fall des Ordens in Schande endeten.

Übergang an die Johanniter

Wie vielerorts gingen unsere Besitzungen nach der Aufhebung des Ordens an die Brüder des Hospitals des heiligen Johannes über.

So gelangten auch die Güter der Komturei Ivrea an die Johanniter. Diese setzten die Nutzung fort, wenn auch unter anderem Ordenszeichen. Was wir aufgebaut hatten, blieb so wenigstens dem Dienst an Kirche und Armen erhalten.

Bedeutung der Komturei

Obgleich Ivrea nie zu den größten Häusern unseres Ordens zählte, besaß sie doch mehrere Funktionen:

  1. Regionale Verwaltung unserer piemontesischen Güter.

  2. Wirtschaftliche Versorgung durch Weinbau und Landnutzung.

  3. Geistliches Zentrum durch die Kirche des Hl. Nazarius.

  4. Zufluchtsort während der Wirren des Prozesses.

Gerade letzteres zeigt, dass unsere Beziehungen zur lokalen Gesellschaft tief verwurzelt waren.

Schlusswort

Mögen Mauern fallen und Kirchen verschwinden — das Andenken an unsere Brüder von Ivrea bleibt bestehen.

Dort, vor der Porta Vercelli, wo einst unser Gotteshaus stand, erhoben sich Gebete für Jerusalem. Dort bestellten Brüder die Reben, während andere das Schwert führten. Und dort fanden Verfolgte noch Schutz, als der Sturm über unseren Orden hereinbrach.

So sei Ivrea eingedenk als ein Ort treuer Pflichterfüllung — klein im Umfang, doch standhaft im Glauben.

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