✠ Blog des ALTEN SOUVERÄNEN TEMPLER ORDENS (ASTO) ✠

Maria: Die Mutter Jesu im Christentum und Islam

Maria, die Mutter von Jesus aus Nazareth, spielt nicht nur im Christentum, sondern auch im Islam eine bedeutende Rolle. Sie scheint in vielerlei Hinsicht von Gott in Anspruch genommen zu sein und repräsentiert eine einzigartige Figur der spirituellen und leiblichen Erfahrung.

Eine besondere Bedeutung gewinnt dabei ihre leibliche Selbsterfahrung. Es waren die Wehen, die sie ganz und gar in Anspruch nahmen, wie der Koran hervorhebt. Von Schmerzen erfüllt, wird sie gestehen: „O wäre ich zuvor gestorben und doch ganz und gar vergessen!“ Diese Worte, erfüllt von Schmerz und Verzweiflung, berühren tief und bleiben im Gedächtnis haften. Sie verdeutlichen die menschliche Seite Marias und lassen uns ihren Leidensweg nachempfinden.

Nicht in ihrer Seele, sondern in ihrem Leib entsteht und gedeiht neues Leben. Können wir die leibliche Natur des Menschen ignorieren? Religionen scheinen oft auf das Seelenheil der Menschen ausgerichtet zu sein. Ihr Versprechen, dass der Mensch Heil und Erlösung finde, bezieht sich nur selten auf die Leiblichkeit. Unsere leibliche Selbsterfahrung wird oft unserer seelisch-geistigen Bestimmung untergeordnet. Doch hat der Leib einen Eigenwert? Oder ist er nur ein Hindernis, eine temporäre Hülle für die Seele?

Gerade die religiöse Praxis im Islam, die rituelle Waschung, das Gebet, das Fasten und die Pilgerreise, zeigen, wie tief der Glaube im Leib verankert ist. Diese Praktiken verdeutlichen, dass die körperliche Dimension des Glaubens nicht vernachlässigt werden darf. Leiblichkeit stiftet Beziehung, Nähe, Berührung, Gemeinschaft und Intimität; sie gehört zur Vielfalt unserer Ausdrucksformen. Menschsein lässt sich nicht von der Verletzlichkeit und Berührbarkeit körperlicher Existenz trennen.

Unsere Selbst- und Weltbeziehung sind körperlos nicht vorstellbar, ohne dabei unser Verständnis von uns zu verfremden. Leibvergessenheit und Leibfeindlichkeit haben konkrete Auswirkungen auf unser Menschenbild und unsere Selbsterfahrung. Maria erfährt in ihrer Leiblichkeit eine Transzendenzerfahrung, die immer wieder die grundlegende Frage aufwirft, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Maria bleibt eine zentrale Figur, die uns daran erinnert, dass die körperliche und die seelische Dimension unseres Daseins untrennbar miteinander verbunden sind. Ihre Erfahrung, die im Koran und in der Bibel überliefert ist, zeigt uns, dass der Leib nicht nur ein Mittel zum Zweck ist, sondern eine wesentliche Rolle im spirituellen und menschlichen Leben spielt. Durch Maria erkennen wir, dass wahre Erlösung und Heil nur im Einklang von Körper und Seele möglich sind.

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