Zwangsarbeiter für die Kirche?
Während der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigten kirchliche Einrichtungen in Deutschland Zwangsarbeiter. Das gilt sowohl für die evangelische als auch für die katholische Kirche. Es handelte sich dabei um Arbeitskräfte, die aus den von Deutschland besetzten Gebieten, vor allem aus Polen, der Sowjetunion, Frankreich und anderen europäischen Ländern, verschleppt worden waren.
Historiker gehen davon aus, dass es sich um mehrere tausend Personen handelte, die in ganz Deutschland in katholischen und evangelischen Einrichtungen eingesetzt waren.
Beispiele und Hintergründe
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Kirchliche Landwirtschaftsbetriebe und Klöster nutzten Zwangsarbeiter, insbesondere auf ihren Feldern, in Gärtnereien oder in Werkstätten.
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Caritas-Einrichtungen (z. B. Krankenhäuser, Pflegeanstalten, Kinderheime) setzten ebenfalls ausländische Arbeitskräfte ein, teilweise unter Zwang.
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Evangelische Kirchengemeinden beschäftigten Zwangsarbeiter bei Bauarbeiten, in kirchlichen Betrieben oder auf kircheneigenen Ländereien.
Einordnung
Wichtig ist: Die Kirche selbst war während des „Dritten Reiches“ einerseits in einer angespannten Beziehung zur NS-Ideologie, andererseits aber auch in vielen Bereichen in das System eingebunden. Der Einsatz von Zwangsarbeitern war Teil der allgemeinen Kriegswirtschaft und erfasste praktisch alle gesellschaftlichen Bereiche – Staat, Industrie, Landwirtschaft, private Haushalte und eben auch die Kirche.
Aufarbeitung nach 1945
Lange Zeit wurde dieses Thema innerhalb der Kirchen verschwiegen oder heruntergespielt. Erst ab den 1990er-Jahren begann eine systematische historische Aufarbeitung. Heute erkennen sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche in Deutschland den Einsatz von Zwangsarbeitern offiziell an und haben dazu Forschungsarbeiten in Auftrag gegeben.
