⚔️ Gedanken am 20. November
Tonglen – Mitgefühl als Weg der Vergebung
Die Stimme des Dalai Lama
Wenn wir die Worte des Dalai Lama hören, spüren wir die Tiefe eines Geistes, der das Leiden der Welt in Liebe verwandelt. Er hat in vielen Interviews von den Greueltaten in Tibet gesprochen: von den sechstausend zerstörten Klöstern, den gefolterten Mönchen und Nonnen, den Millionen Toten. Selbst die heiligen Hochebenen wurden in Stätten des Atommülls verwandelt.
Und doch – anstelle von Hass oder Bitterkeit hören wir von ihm nur Mitgefühl. Er spricht nicht nur über das Leid der Opfer, sondern auch über die Unwissenheit und den Schmerz der Täter, die zu solchem Handeln führten.
Die Praxis des Gebens und Nehmens
Für seine „Feinde“ praktiziert der Dalai Lama eine besondere Meditation: Tonglen – das Geben und Nehmen.
Dabei nimmt er im Geist den Schmerz der Anderen auf sich und schenkt ihnen im Gegenzug seine eigene Freude, sein inneres Licht, seine Glückseligkeit.
Es ist eine radikale Form der Vergebung – und zugleich eine templarische Haltung, denn sie folgt dem Geist Christi, der selbst am Kreuz für seine Peiniger bat: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
Die Templerhaltung der Vergebung
Auch wir sind berufen, die Kunst der Vergebung zu üben. Tonglen lehrt uns, die Grenzen des Ego zu überschreiten und uns in das Leid des Anderen hineinzuversetzen.
So werden wir zu Gefäßen der göttlichen Liebe, die Schmerz verwandeln, anstatt ihn weiterzugeben.
Der Templer trägt das Kreuz nicht nur auf der Brust, sondern im Herzen: Er nimmt Lasten auf, damit andere frei werden – und findet darin seinen wahren Adel.
Tägliche Templerarbeit – Tonglen für dich selbst
Bevor du Tonglen für andere übst, beginne mit dir selbst:
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Rufe dir einen heiligen Augenblick ins Gedächtnis. Vielleicht war es ein Moment in der Natur, ein Blick in die Augen eines Kindes, ein Erlebnis von Schönheit und Frieden.
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Stell dir vor, du sitzt dir selbst gegenüber. Schaue in deine Augen – erkenne die Schönheit deines wahren Wesens und den Schmerz, der dich von dieser Schönheit trennt.
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Siehe deinen Schmerz als schwarzen Rauch oder dunkle Wolken.
Atme diesen Rauch tief in dein Herz ein. -
Atme Frieden, Liebe und Seligkeit wieder aus. Sende sie deinem eigenen Bild gegenüber – deinem inneren Selbst, das Heilung sucht.
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Fahre einige Minuten fort: Schmerz einatmen, Freude ausatmen.
So lernst du, den Strom der Vergebung durch dich selbst fließen zu lassen – und bereitest dich darauf vor, dasselbe für andere zu tun.
Fazit
Tonglen ist mehr als eine Technik – es ist ein Ritterdienst am Leben selbst. Wer Schmerz aufnimmt und Freude schenkt, durchbricht die Kette von Hass und Vergeltung.
Der Templer, der diese Übung vollzieht, erkennt: Vergebung ist nicht Schwäche, sondern eine machtvolle Waffe des Geistes. Sie heilt das eigene Herz – und macht die Welt ein Stück heller.
