✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

⚔️ Patenschaften im Templerorden

Ein Einblick in die historischen Hintergründe

Patenschaften besitzen seit den frühen Tagen des Christentums eine tiefe geistige Bedeutung. Sie stehen für Verantwortung, für das Mittragen eines Lebens im Glauben und für das Versprechen, ein Kind auf seinem spirituellen Weg zu begleiten. Doch in den Klöstern und Ritterorden des Mittelalters wurde dieser Brauch mit Vorsicht behandelt. Auch wir Templer unterlagen strengen Regeln – und eine davon betraf ausdrücklich die Patenschaft.

Das klare Verbot der Regel

In Artikel 70 der Ordensregel heißt es unmissverständlich: Kein Bruder soll Kinder taufen oder Taufpate werden.
Was heute als ungewöhnlich erscheinen mag, war in Wirklichkeit Teil einer langen monastischen Tradition. Schon der Mönchsvater Cassian (5. Jahrhundert) warnte davor, dass geistliche Männer durch weltliche Bindungen abgelenkt werden könnten. Ähnliche Verbote kannten auch die Cistercienser, die Franziskaner und der Deutsche Orden.

Die Begründung war stets dieselbe: Ein Ordensmann gehört ganz Gott. Eine Patenschaft hätte ihn in familiäre Verpflichtungen verstrickt, die ihn von seiner eigentlichen Aufgabe – Gebet, Dienst und Verteidigung des Glaubens – abgelenkt hätten.

Praktische Erwägungen

Neben der spirituellen Reinheit spielte auch die praktische Lebensweise eine Rolle.
Unsere Brüder waren oft auf Feldzügen, in Belagerungen oder auf langen Reisen. Wie hätten sie einem Patenkind Fürsorge, Schutz und Wegbegleitung geben können? In einer Zeit, in der das Überleben eines Kindes häufig auch von seinen Paten abhing, wäre es unverantwortlich gewesen, ein solches Versprechen abzugeben, wenn man es nicht halten konnte.

Missbrauch im Templerprozess

Später, als unser Orden unter Anklage stand, wurde dieses Verbot von Gegnern gegen uns verwendet. In der „Chronique de Saint Denis“ und anderen Schriften wurde behauptet, die Weigerung, Taufpaten zu stellen, sei ein Zeichen unserer angeblichen Häresie. Doch diese Deutung ist nichts als böswillige Verdrehung. Denn das Verbot war nichts Besonderes, sondern entsprach dem allgemeinen monastischen Brauch – ein Beweis für Disziplin, nicht für Abtrünnigkeit.

Ausnahmen und königliche Gunst

Und doch gibt es Zeugnisse, dass selbst innerhalb unserer strengen Ordnung Ausnahmen gemacht wurden.
So übernahm Großmeister Renaud de Vichier im Jahr 1250 die Patenschaft für einen Sohn des französischen Königs Ludwig IX.. In diesem Fall überwog die politische und spirituelle Nähe zum Königshof die Regel. Solche Ausnahmen waren selten, doch sie zeigen: auch im strengsten Regelwerk gibt es Türen, die sich in besonderen Momenten öffnen.

Die Rolle der Priester im Orden

Nicht vergessen dürfen wir, dass unser Orden auch Priester in seinen Reihen hatte. Diese dienten in Pfarreien, die dem Orden anvertraut waren. Dort durften sie selbstverständlich taufen und das Sakrament spenden – doch für die einfachen Ritterbrüder galt weiterhin das Verbot, Patenschaften zu übernehmen.

Bedeutung und Vermächtnis

Das Verbot von Patenschaften im Templerorden war Ausdruck einer klaren Haltung:
👉 die völlige Hingabe an Gott,
👉 die Abkehr von weltlichen Bindungen,
👉 und die Konzentration auf die Mission – den Schutz der Pilger, die Verteidigung des Heiligen Landes und den Dienst an der Kirche.

Dass dieses Verbot später als Beweis unserer angeblichen Schuld gedeutet wurde, zeigt, wie leicht Ordnung in Verdrehung und Disziplin in Anklage verwandelt werden konnte.

Doch die wenigen überlieferten Ausnahmen erinnern uns daran, dass selbst im strengen Leben der Ritter Christi Platz blieb für menschliche Nähe, für königliche Bande – und für jene geheimnisvolle Spannung zwischen Regel und Gnade, die das Leben aller wahren Diener Gottes prägt.


⚔️ So zeigt die Frage der Patenschaften ein weiteres Mal, dass unser Orden weder nur Krieger noch nur Mönche war – sondern eine einzigartige Verbindung von beiden, getragen von Gehorsam, Disziplin und dem ernsten Bemühen, ganz Christus zu gehören.

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