✠✠✠✠✠✠ Logen Blog ✠✠✠✠✠✠

Was ist Ayurveda?

Ayurveda – das Wissen vom Leben

Der Begriff Ayurveda stammt aus dem Sanskrit und wird gewöhnlich mit „Wissen vom Leben“ oder „Wissenschaft vom Leben“ übersetzt. Dahinter steht weit mehr als eine Sammlung alter Heilrezepte. Ayurveda ist ein umfassendes indisches Gesundheitssystem, das Ernährung, Lebensführung, Pflanzenheilkunde, Massage, Bewegung, Meditation und die Beobachtung des körperlichen und seelischen Gleichgewichts miteinander verbindet.

Ayurveda gehört zu den ältesten bis heute praktizierten traditionellen Medizinsystemen der Welt. Seine Wurzeln reichen mehrere Jahrtausende zurück. Wesentliche Grundlagen wurden in klassischen Sanskritwerken wie der Charaka Samhita und der Sushruta Samhita festgehalten. Bis heute besitzt Ayurveda vor allem in Indien einen festen Platz im Gesundheitswesen. Auch die Weltgesundheitsorganisation beschäftigt sich mit Ayurveda und hat Mindeststandards für Qualität und Sicherheit der ayurvedischen Praxis veröffentlicht.

Der Mensch wird als Ganzes betrachtet

Einer der interessantesten Gedanken des Ayurveda besteht darin, dass der Mensch nicht in voneinander unabhängige Einzelteile zerlegt werden kann. Körper, Geist, Ernährung, Schlaf, Umwelt und Lebensweise beeinflussen sich gegenseitig.

Gesundheit bedeutet deshalb im klassischen Ayurveda nicht lediglich, dass keine Krankheit festgestellt werden kann. Angestrebt wird ein Gleichgewicht des gesamten Menschen.

Diese Vorstellung wirkt heute erstaunlich modern. Auch die gegenwärtige Medizin weiß, dass Stress, Schlaf, Bewegung, Ernährung und psychisches Wohlbefinden auf zahlreiche körperliche Vorgänge Einfluss nehmen können. Daraus folgt allerdings nicht, dass Gedanken allein Krankheiten heilen könnten. Vielmehr zeigt sich, dass körperliche und psychische Vorgänge eng miteinander verbunden sind.

Der indisch-amerikanische Arzt und Autor Deepak Chopra machte Ayurveda im Westen besonders bekannt. Er betonte immer wieder die Bedeutung des Bewusstseins und des inneren Gleichgewichts. Diese Gedanken haben erheblich zur Popularität des Ayurveda in Europa und den Vereinigten Staaten beigetragen, sollten jedoch nicht mit einem wissenschaftlichen Nachweis für jede einzelne ayurvedische Behandlung gleichgesetzt werden.

Die drei Doshas

Im Zentrum der traditionellen ayurvedischen Lehre stehen die drei sogenannten Doshas:

Vata wird mit Bewegung, Luft, Atmung und dem Nervensystem verbunden. Pitta steht für Wärme, Stoffwechsel und Umwandlung. Kapha wird mit Stabilität, Struktur und Erhaltung in Verbindung gebracht.

Nach ayurvedischer Vorstellung besitzt jeder Mensch eine individuelle Zusammensetzung dieser drei Kräfte. Gerät dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht, können Beschwerden entstehen. Die Behandlung versucht deshalb nicht nur, ein bestimmtes Symptom zu beseitigen, sondern das persönliche Gleichgewicht wiederherzustellen.

Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind Vata, Pitta und Kapha allerdings keine nachgewiesenen anatomischen oder biochemischen Größen. Sie gehören zum traditionellen Erklärungsmodell des Ayurveda. Man sollte deshalb zwischen der historischen medizinischen Philosophie und wissenschaftlich messbaren Vorgängen unterscheiden.

Ernährung als Medizin

Ein besonders wichtiger Teil des Ayurveda ist die Ernährung. Dabei geht es nicht allein darum, welche Nahrungsmittel gegessen werden, sondern auch darum, wann und in welcher Zusammensetzung sie aufgenommen werden.

Das Verdauungsfeuer, im Ayurveda Agni genannt, besitzt dabei eine zentrale Bedeutung. Eine gut funktionierende Verdauung gilt als Grundlage körperlicher Gesundheit. Schwere, ungeeignete oder schlecht verdaute Nahrung soll dagegen das Gleichgewicht beeinträchtigen.

Viele praktische Empfehlungen wirken auch ohne die traditionelle Erklärung vernünftig: regelmäßig essen, Nahrung bewusst aufnehmen, Übermaß vermeiden, ausreichend schlafen und auf die Reaktionen des eigenen Körpers achten.

Andere Ernährungsvorschriften sind dagegen Teil der traditionellen ayurvedischen Lehre und wissenschaftlich nicht in gleicher Weise abgesichert.

Heilpflanzen spielen eine große Rolle

Ayurveda verwendet eine Vielzahl pflanzlicher Stoffe. Zu den bekannten Pflanzen und Gewürzen gehören beispielsweise Kurkuma, Ingwer, Ashwagandha, Weihrauch, Neem und verschiedene Kombinationen traditioneller Kräuter.

Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig. Dass eine Pflanze seit Jahrhunderten verwendet wird, beweist noch nicht automatisch ihre medizinische Wirksamkeit. Gleichzeitig können traditionelle Pflanzen durchaus pharmakologisch wirksame Substanzen enthalten und damit für die moderne Forschung interessant sein.

Das amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health kommt zu einem zurückhaltenden Ergebnis: Für einige ayurvedische Präparate gibt es Hinweise auf mögliche Wirkungen, etwa bei bestimmten Beschwerden im Zusammenhang mit Arthrose oder Diabetes. Viele Studien seien jedoch klein oder methodisch nicht ausreichend, sodass daraus keine allgemeinen Aussagen über die Wirksamkeit des gesamten Ayurveda abgeleitet werden können.

Behauptungen, wonach irgendein altes ayurvedisches Leberpräparat grundsätzlich wirksamer sei als moderne Medikamente, sollte man daher ohne eine konkret benannte klinische Untersuchung nicht übernehmen. Gerade bei Lebererkrankungen wäre eine Selbstbehandlung mit unbekannten Pflanzenpräparaten problematisch.

Abhyanga – die ayurvedische Ölmassage

Eine der bekanntesten Anwendungen ist die Abhyanga, die traditionelle ayurvedische Ölmassage.

Dabei wird der Körper mit warmem Öl behandelt. In manchen Ayurveda-Kliniken arbeiten zwei Therapeuten gleichzeitig und führen ihre Bewegungen weitgehend synchron aus. Die vier Hände erzeugen einen gleichmäßigen Rhythmus, der von vielen Menschen als besonders entspannend erlebt wird.

Die Massage soll nach ayurvedischer Vorstellung den gesamten Organismus harmonisieren und insbesondere Vata beruhigen. Unabhängig von dieser traditionellen Erklärung kann eine fachgerecht ausgeführte Massage Entspannung fördern und zum subjektiven Wohlbefinden beitragen.

Ayurveda kennt daneben zahlreiche weitere Anwendungen, darunter Bäder, Dampfanwendungen, Meditation und Yoga.

Panchakarma – die Reinigung des Körpers

Besonders bekannt ist das sogenannte Panchakarma. Darunter versteht Ayurveda verschiedene Reinigungs- und Ausleitungsverfahren.

Traditionell wird angenommen, dass belastende Stoffe aus dem Körper entfernt und die Doshas wieder in ihr Gleichgewicht gebracht werden können. Manche dieser Verfahren sind vergleichsweise mild, andere beinhalten beispielsweise Abführmittel oder andere intensive Anwendungen.

Hier ist besondere Vorsicht notwendig. Nicht jede traditionelle Methode ist automatisch ungefährlich. Medizinisch belastende Verfahren sollten niemals ohne qualifizierte Begleitung durchgeführt werden.

Natürlich bedeutet nicht automatisch ungefährlich

Gerade bei Ayurveda begegnet man häufig der Vorstellung, natürliche Arzneien könnten grundsätzlich keinen Schaden verursachen. Das ist falsch.

Pflanzen besitzen Wirkstoffe. Genau deshalb können sie wirken – und genau deshalb können sie Nebenwirkungen verursachen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten eingehen.

Hinzu kommt ein besonderes Problem bestimmter traditioneller ayurvedischer Präparate: Einige können Blei, Quecksilber oder Arsen enthalten. Das amerikanische NCCIH warnt ausdrücklich davor, dass solche Produkte gesundheitsgefährdende Konzentrationen von Schwermetallen enthalten können.

Wer ayurvedische Arzneimittel verwenden möchte, sollte deshalb auf geprüfte Qualität und nachvollziehbare Herkunft achten und bestehende Medikamente nicht ohne ärztliche Rücksprache absetzen.

Alte Weisheit und moderne Wissenschaft müssen keine Feinde sein

Die entscheidende Frage lautet vielleicht gar nicht, ob man sich zwischen Ayurveda und moderner Medizin entscheiden muss.

Die Weltgesundheitsorganisation verwendet heute bewusst den Begriff der integrativen Medizin. Gemeint ist eine Verbindung wissenschaftlich überprüfter konventioneller Medizin mit solchen traditionellen oder ergänzenden Verfahren, deren Nutzen und Sicherheit ausreichend belegt sind. Die WHO betont dabei ausdrücklich die Bedeutung von Forschung, Qualität und Sicherheit.

Genau darin könnte die Zukunft liegen.

Man muss nicht jede Vorstellung eines mehrere Jahrtausende alten Medizinsystems wörtlich übernehmen, um darin wertvolle Gedanken zu erkennen. Ayurveda erinnert daran, dass Gesundheit nicht erst dann beginnt, wenn ein Arzt eine Krankheit behandelt. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Ruhe, Lebensrhythmus und seelisches Gleichgewicht gehören ebenfalls dazu.

Gleichzeitig darf Ehrfurcht vor altem Wissen niemals dazu führen, wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren.

Wissen vom Leben

Vielleicht liegt die bleibende Stärke des Ayurveda bereits in seinem Namen.

Ayurveda – Wissen vom Leben.

Nicht Wissen von einem einzelnen Organ. Nicht Wissen von einem einzelnen Symptom. Sondern der Versuch, das Leben als Zusammenhang zu verstehen.

Darin liegt eine Botschaft, die auch nach Jahrtausenden bemerkenswert aktuell erscheint: Der Mensch sollte auf seinen Körper achten, Maß halten, sich bewusst ernähren, Bewegung und Ruhe miteinander verbinden und Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen.

Wo Ayurveda dabei nachweislich helfen kann, spricht nichts dagegen, dieses alte Wissen sinnvoll zu nutzen. Wo schwere Erkrankungen vorliegen, gehört jedoch die moderne medizinische Diagnostik und Behandlung dazu.

Vielleicht besteht wirkliche Weisheit gerade darin, nicht zwischen „alt“ und „neu“ zu wählen, sondern zu prüfen, was sich bewährt, was sich belegen lässt und was dem Menschen tatsächlich dient.

Schreibe einen Kommentar