✠✠✠ INTERESSENTEN BLOG ✠✠✠

⚔️ Templer Reliquien

Hüter des Heiligen Gedächtnisses

Ich schreibe diese Zeilen als Bruder des Ordens vom Tempel, nicht um uns zu rühmen, sondern um Zeugnis abzulegen von dem, was uns anvertraut war. Denn neben Schwert, Mantel und Gelübde trugen wir eine weitere, schwerere Bürde: die Bewahrung der Reliquien, Zeichen der Gegenwart Gottes und Erinnerung an das Leiden Christi und seiner Heiligen.

Unsere Kirchen und Häuser waren nicht allein Stätten der Disziplin und des Gebets, sondern auch Schatzkammern des Heiligen. In Akkon, der letzten großen Bastion im Heiligen Land, verwahrten wir ein kostbares Partikel des Wahren Kreuzes. Viele Pilger suchten diesen Ort auf, knieten vor dem Reliquiar, baten um Heilung und Trost. Nicht wenige Wunder wurden berichtet, und wir Brüder wachten darüber, dass Andacht und Ordnung gewahrt blieben.

Auf Zypern, in Nikosia, befand sich in unserer Obhut die Reliquienbüste des heiligen Polykarp von Smyrna, eines frühen Märtyrers und Schülers des Apostels Johannes. Sein Zeugnis verband die Kirche des Ostens mit der des Westens, so wie unser Orden selbst zwischen den Welten stand. In Rom wiederum verehrten wir die Tunika des heiligen Bernhard von Clairvaux, unseres geistigen Vaters, dessen Worte uns formten und dessen Askese uns Vorbild war.

Auch jenseits der großen Zentren wirkten die Heiligtümer. In Toulouse befand sich eine wundertätige Marienikone, ebenso in unseren Häusern von Laramé und Larmont. Votivbilder, die Pilger hinterließen, zeugen bis heute vom Besuch der Gläubigen und von erhörten Bitten. Maria, die Heilige Jungfrau, stand im Mittelpunkt unserer Frömmigkeit, ebenso die frühchristlichen Märtyrer und vor allem das Heilige Kreuz, Zeichen von Opfer und Sieg zugleich.

Besonders zahlreich waren die Kreuzreliquien, die wir in kostbaren Staurotheken bewahrten. Die während des Prozesses gegen unseren Orden angefertigten Inventare belegen solche Reliquiare unter anderem in den Kapellen von Limaye, Grasse und St. Marie de Cernon. Moderne Forscher haben in den Quellen etwa 36 Reliquiare mit rund 46 Kreuzespartikeln ausfindig gemacht – mehr als bei jedem anderen Orden jener Zeit. Dies war kein Zufall, sondern Ausdruck unserer besonderen Bindung an das Geheimnis von Golgatha.

Ein bemerkenswertes Beispiel liefert Bruder Barozio, Provinzmeister der Lombardei. Er nahm am Vierten Kreuzzug teil und wurde nach dessen Ende als Gesandter zum Papst entsandt. In seinem Gepäck führte er byzantinische Pretiosen und Reliquien mit sich: Ikonen von großem Wert, darunter eine im Wert von drei Goldmark und eine weitere von zehn Goldmark, beide mit Reliquien des Heiligen Kreuzes versehen. Diese Gaben waren für den Heiligen Vater bestimmt, aber auch für unseren Orden. Doch das Meer war uns nicht immer gnädig: Barozios Schiff wurde unterwegs von Piraten angegriffen, und nicht alles, was er trug, erreichte sein Ziel.

So waren wir Templer nicht nur Kämpfer, sondern Wächter des Heiligen. Die Reliquien, die wir bewahrten, waren kein Besitz im weltlichen Sinne, sondern anvertraute Zeichen. Sie verbanden uns mit Jerusalem, mit den Märtyrern der frühen Kirche und mit Christus selbst. Möge man sich daran erinnern, wenn man über unseren Orden richtet – denn wo das Kreuz geehrt wird, dort ist auch Opfer und Dienst.

Schreibe einen Kommentar