Ein Blick eines Templers auf die Zehn Gebote
Warum die katholische Kirche sie anders nummeriert
Als Bruder des Tempels, der sich dem Geist des Urchristentums verpflichtet fühlt, betrachte ich die Heiligen Schriften mit Ehrfurcht – aber auch mit Wachsamkeit. Denn der Glaube lebt nicht nur von Tradition, sondern auch von der Treue zum ursprünglichen Wort.
Ein Thema, das viele Gläubige kaum bemerken, ist die unterschiedliche Nummerierung der Zehn Gebote. Doch gerade hier zeigt sich, wie sehr Auslegung und Tradition das Verständnis des göttlichen Gesetzes prägen können.
Die Gebote in der Heiligen Schrift
Die Zehn Gebote finden sich in der Bibel an zwei Stellen:
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im 2. Buch Mose (Exodus 20)
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im 5. Buch Mose (Deuteronomium 5)
Interessanterweise gibt die Schrift selbst keine Nummerierung vor. Sie überliefert eine Reihe von Weisungen Gottes, doch sie zählt sie nicht ausdrücklich auf.
Darum entstanden im Laufe der Geschichte unterschiedliche Traditionen der Einteilung.
Verschiedene Traditionen der Zählung
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich drei wichtige Formen der Nummerierung:
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Die jüdische Tradition
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Die katholische und lutherische Tradition
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Die reformierte und orthodoxe Tradition
Die katholische Kirche folgt einer Einteilung, die auf Augustinus (4.–5. Jahrhundert) zurückgeht.
In dieser Zählweise geschieht Folgendes:
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Das Bilderverbot wird nicht als eigenes Gebot gezählt, sondern als Teil des ersten Gebotes verstanden:
„Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ -
Am Ende wird das Gebot gegen das Begehren in zwei Gebote aufgeteilt:
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Du sollst nicht die Frau deines Nächsten begehren
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Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren.
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Die Kirche erklärt daher, kein Gebot sei gestrichen worden, sondern lediglich die Einteilung der Worte Gottes sei eine andere.
Die Sicht eines Templers
Doch ein Ritter, der sich dem einfachen Glauben der ersten Christen verbunden fühlt, stellt dennoch Fragen.
Die frühen Jünger Jesu lebten in einer Zeit, in der die Gebote als klarer Ausdruck des göttlichen Willens verstanden wurden. Sie waren keine theologischen Systeme, sondern eine moralische Richtschnur.
Gerade das Bilderverbot besaß im alten Israel eine besondere Bedeutung. Es sollte verhindern, dass der Mensch Gott auf ein Bild reduziert oder ihn mit Götzen verwechselt.
Denn der Ewige ist nicht aus Stein oder Holz.
Wie es im Evangelium heißt:
Gott ist Geist.
Für viele Menschen wirkt es daher befremdlich, wenn das Bilderverbot in der traditionellen katholischen Zählung weniger sichtbar erscheint.
Tradition und ursprünglicher Geist
Die katholische Kirche argumentiert, dass ihre Einteilung lediglich eine traditionelle Auslegung sei, die bis zu Augustinus zurückreicht.
Doch aus der Sicht eines Templers bleibt eine wichtige Erinnerung bestehen:
Der Kern des Glaubens liegt nicht in der Verwaltung von Traditionen, sondern in der Treue zum Geist des göttlichen Gesetzes.
Die Gebote wurden nicht gegeben, um theologischen Streit zu erzeugen, sondern um den Menschen auf einen Weg zu führen:
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zu Wahrheit
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zu Gerechtigkeit
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zu einem Leben in Ehrfurcht vor Gott.
Fazit
Die unterschiedliche Nummerierung der Zehn Gebote zeigt, wie sehr religiöse Traditionen durch Interpretation und Geschichte geprägt sind.
Die katholische Kirche folgt dabei der Einteilung des Kirchenvaters Augustinus und betont, dass kein Gebot entfernt wurde.
Doch für einen Templer, der sich dem Geist des Urchristentums verpflichtet fühlt, bleibt eine Mahnung bestehen:
Die Gebote Gottes sind kein theologisches Ordnungssystem –
sie sind ein Ruf zur inneren Wahrheit.
Und dieser Ruf sollte stets klar und unverstellt hörbar bleiben.
