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Braunschweig – Die Komturei im Herzen der aufstrebenden Handelsstadt

Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und wende mich der Komturei Braunschweig zu, einer unserer nördlichsten Niederlassungen im Reich. Die Stadt Braunschweig, im heutigen Niedersachsen gelegen, war im Mittelalter unter Namen wie Brunesguik, Brunesivvic oder Brunswiek bekannt. Durch das Wirken Heinrichs des Löwen entwickelte sie sich rasch zu einer mächtigen Handelsmetropole; mit der Entstehung der ummauerten Teilstadt Hagen und dem Beitritt zur Hanse ab der Mitte des 13. Jahrhunderts wuchs ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung erheblich.

Bauliche und territoriale Entwicklung

Von einer Gründung der Templerniederlassung gegen Ende des 12. Jahrhunderts berichtet das Chronicon Riddagshusense, allerdings ohne nähere Einzelheiten. Möglicherweise entstand die Komturei um 1180 aus Schenkungen Heinrichs des Löwen. Seine Pilgerfahrt ins Heilige Land im Jahr 1172 ist gesichert; ob er aus Dankbarkeit für den Beistand der Templer eine Stiftung in Braunschweig veranlasste, lässt sich urkundlich jedoch nicht belegen.

Die erste sichere Erwähnung der Niederlassung datiert auf 1289, und zwar bereits im Rang einer Komturei. Wahrscheinlich war sie zuvor eine Filiale der Komturei Süpplingenburg, zumindest bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts. Die Braunschweiger Komturei lag in der Teilstadt Hagen, am späteren Bohlweg (heute nordwestlicher Teil des Schlossplatzes). Unmittelbar angrenzend befand sich seit 1268 der Hof der Zisterzienserabtei Riddagshausen.

Überliefert ist vor allem die Gestalt der St.-Matthäus-Kapelle aus dem 14. Jahrhundert: ein gotischer Saalbau mit zwei Jochen und einer 5/8-Apsis. Die curia der Templer wird erneut in einer Urkunde vom 26. Februar 1297 erwähnt. Am 1. Januar 1297 übereignete Herzog Albrecht dem Deutschen Orden den Stephanshof beim Tempelhof, gelegen „juxta curiam fratrum de Templo“. Auch die Johanniter unterhielten in Braunschweig eine Niederlassung mit Kirche, möglicherweise ebenfalls auf eine Stiftung Heinrichs des Löwen zurückgehend.

Die Ablassurkunde von 1289

Von besonderer Bedeutung ist die Ablassurkunde des Jahres 1289. Vier Erzbischöfe und elf Bischöfe, die sich damals in Rom aufhielten, gewährten dem preceptor und den Brüdern des Ordens der Militia Templi einen vierzigtägigen Ablass an bestimmten Festtagen. Dieser galt für die Katharinenkirche sowie für die auf dem Templergrundstück befindliche St.-Matthäus-Kapelle (Capelle St. Matthaei sacrae domus militiae templi de Bruneswich).

Die Ablasserteilung erfolgte auf Bitten des Braunschweiger Komturs und der Dominikaner – ausdrücklich zur Hilfe für das Heilige Land. Alle an diesen Tagen dargebrachten Gaben und Testamente, darunter an den Kreuzfesten und an Allerheiligen, fielen dem Templerorden zu. Der Bischof von Bethlehem, selbst ein Dominikaner, ließ zusätzlich eine eigene Urkunde ausfertigen, um die Gläubigen nochmals eindringlich zum Besuch der Kirchen, zur Nutzung des Ablasses und zu reichlichen Spenden zu ermahnen. Die erhaltene Urkunde mit fünfzehn Siegeln zeugt vom hohen Rang dieser Maßnahme.

Nachleben und Besitzstreitigkeiten

Nach der Aufhebung des Templerordens 1312 verlief die Übergabe der Braunschweiger Güter ungewöhnlich. Entgegen der päpstlichen Bulle Ad Providam gelangten sie nicht sofort an die Johanniter. Nach der Überlieferung weigerte sich Otto von Braunschweig, ehemaliger Templer und Komtur von Süpplingenburg und Braunschweig, die Liegenschaften herauszugeben. Der Streit wurde offenbar dadurch beigelegt, dass die Johanniter Otto den Tempelhof in Braunschweig sowie Einkünfte aus Süpplingenburg auf Lebenszeit überließen. Der genaue Zeitpunkt dieser Vereinbarung ist unklar, dürfte jedoch kurz nach 1312 gelegen haben.

Nach Ottos Tod verpfändete Herzog Magnus I. die Braunschweiger und Süpplingenburger Besitzungen mehrfach, sodass die Johanniter gezwungen waren, ihren Anspruch schließlich für 400 Mark Silber nochmals zu erwerben. Eine nur in Abschriften erhaltene Urkunde nennt 1357 als Jahr der endgültigen Übergabe. Der langwierige Besitzstreit führte dazu, dass in der Matthäuskapelle bis in die 1350er Jahre keine Gottesdienste stattfanden. Erst nach der endgültigen Inbesitznahme wurde sie wiederhergerichtet und neu geweiht.

Spätere Nutzung und Untergang

1367 veräußerten die Johanniter den Tempelhof mit der Matthäuskapelle und allen zugehörigen Liegenschaften innerhalb der Stadtmauern an die Kalandsbruderschaft. Eine Verkaufsquittung von 1369 und die Bestätigung durch Bischof Albrecht von Halberstadt im Jahr 1372 sind überliefert. Noch im frühen 15. Jahrhundert berief sich der Dekan des Kalands darauf, dass die Kapelle von den Templern gegründet worden sei und daher keine Abgaben an die benachbarte Katharinenkirche zu leisten habe – ein Nachhall unserer alten Privilegien.

Im Schichtbuch Hermann Botes aus dem frühen 16. Jahrhundert wird die Johanniterniederlassung mit dem ehemaligen Tempelhof noch erwähnt. Teile der Matthäuskapelle wurden um 1700 in den Neubau des Residenzschlosses integriert. 1830 fielen die Gebäude einem Aufruhr und der Brandstiftung zum Opfer; ein Wiederaufbau erfolgte 1860, doch auch dieser Bau brannte später nieder.

So ist von der Komturei Braunschweig heute nichts mehr sichtbar. Doch ihr Name lebt fort in den Quellen – als Zeugnis dafür, dass unser Orden selbst im Norden des Reiches wirkte, eingebunden in Handel, Frömmigkeit und die große Aufgabe, das Heilige Land zu unterstützen.

 

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