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Das war der Ornat des Sankt Stephansorden

Wir Templer wirken dabei fast bescheiden.

Wenn ich heute zurückblicke auf jene Ritterschaften, die nach unserer Zeit erblühten, so fällt mir besonders der Sankt-Stephans-Orden ins Auge, gegründet unter dem Banner des Apostels und Märtyrers Stephanus. Wo wir Templer im Dienst des Glaubens mit weißem Mantel und rotem Kreuz in den Kampf ritten, schlicht im Angesicht des Gelübdes der Armut, da prangte bei den Brüdern des Stephansorden ein Gewand von seltener Pracht.

Ihr Mantel aus schwerem, feinem Rot, reich bestickt mit dem achtspitzigen Kreuz, dazu goldene Bordüren, Samt und Seide – ein Anblick, der schon vor der Schlacht verkündete, welchem Fürsten sie dienten und welche weltliche Macht sie schützte. Ihre Insignien waren mehr als nur Zeichen des Gelübdes, sie waren auch Ausdruck höfischer Würde und fürstlicher Nähe.

Ich erinnere mich daran, wie man bei Hofe flüsterte:

„An ihnen sieht man die Stärke des Großherzogs – und an den Templern die Entschlossenheit Gottes.“

Ein Satz, der uns Templern ein Schmunzeln entlockte, denn wir vertrauten mehr auf Stahl, Glaube und Schweigen als auf Stoffe und Gold.

Der stephanitische Ornat – Symbol weltlicher Schutzmacht

Während unser eigener Mantel uns in der Ferne als Söhne des Tempels auswies und uns vor allem an unser Gelübde mahnte, stand das Gewand des Sankt-Stephans-Ordens für Prestige, Seefahrt und die Verteidigung des Mittelmeeres gegen die Korsaren. Ein Ritter dieses Ordens musste nicht nur den Glauben verteidigen, sondern auch Schiffe führen können, Handel sichern, Küsten bewachen.

Der Ornat spiegelte dies wider:

  • Rot wie das Blut des Märtyrers Stephanus, aber auch wie das Banner der toskanischen Fürsten

  • Weiß im Inneren, als Zeichen der Reinheit des Glaubens

  • Goldene Stickungen als Anerkennung fürstlicher Gnade und Finanzierung

Ein Gewand, das zugleich geistlich wie weltlich war, unübersehbar und herrschaftlich.

Wir Templer – einfache Krieger Gottes

Und wir?
Wir standen mit unserem weißen Mantel und dem roten Tatzenkreuz oftmals im Staub der Wege, im Wind der Wüste und im Rauch des Krieges. Unser Mantel war Zeichen, nicht Schmuck. Er verbarg Kettenhemd und Schweiß, nicht Samt und Brokat.

Wenn ich ehrlich bin, kam unsere Bescheidenheit weniger aus Geschmack als vielmehr aus Pflicht:
Denn Armut hatten wir gelobt – und Armut trugen wir, so gut es ging.

Schlussgedanke eines alten Ritters

So mag man heute, viele Jahrhunderte später, die Gewänder nebeneinander betrachten und denken:

„Bei den Templern – schlicht und heilig.
Beim Sankt-Stephans-Orden – prächtig und herrschaftlich.“

Ich jedoch sage:
Jeder Mantel erzählt eine andere Geschichte –
unserer von Jerusalem, ihrer von Florenz und dem Meer.

Und wenn wir heute mit unserem weißen Mantel „bescheiden“ wirken, so trägt er doch die Narben vieler Schlachten, die Gebete vieler Nächte und die Hoffnung, die niemals ganz erlosch.

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