Die Folgen der päpstlichen Vereinbarung
Die Vereinbarung des Papstes in Abu Dhabi war eigentlich unverbindlich. Das heist nichts anderes als dass ein Papst Vereinbarungen schliessen kann ohne dass die Kirche daran gebunden ist. Nicht jede Aussage oder Vereinbarung eines Papstes ist automatisch verbindlich oder unfehlbar für die ganze Kirche. Der Papst hat als Oberhaupt der katholischen Kirche eine sehr große Autorität, aber seine Unfehlbarkeit gilt nur unter ganz bestimmten, klar definierten Bedingungen.
Was bedeutet die Unfehlbarkeit des Papstes genau?
Die Unfehlbarkeit wurde 1870 beim Ersten Vatikanischen Konzil dogmatisch festgelegt. Sie besagt, dass der Papst nur dann unfehlbar ist, wenn er:
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In Ausübung seines höchsten Amtes spricht – also „ex cathedra“ (wörtlich: „vom Stuhl [Petri] aus“).
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Über Fragen der Glaubens- oder Sittenlehre spricht.
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Eine verbindliche, endgültige Entscheidung für die gesamte Kirche trifft, die für alle Gläubigen verpflichtend ist.
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Klare Absicht zeigt, eine solche unfehlbare Lehre zu verkünden.
Beispiele für unfehlbare Aussagen:
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1854: Die Dogmatisierung der Unbefleckten Empfängnis Mariens durch Papst Pius IX.
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1950: Das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel durch Papst Pius XII.
Beide Male geschah dies mit der ausdrücklichen Absicht, eine ewig gültige Glaubenswahrheit festzulegen.
Was hätte Papst Franziskus tun müssen, damit das Dokument unfehlbar wäre?
Damit das Dokument von Abu Dhabi unter die Unfehlbarkeit gefallen wäre, hätte Papst Franziskus:
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Allein handeln müssen, nicht gemeinsam mit einem anderen Religionsführer.
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Klar und öffentlich verkünden müssen, dass er in einer ex cathedra-Erklärung spricht.
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Eine verbindliche Lehre zu Glaube oder Moral für alle Katholiken endgültig festlegen müssen.
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Ohne Zweifel erkennen lassen müssen, dass dies nun dogmatischer Bestandteil der katholischen Lehre ist.
Das alles ist nicht geschehen. Das Dokument war ein Appell an den Frieden und ein pastorales Zeichen – aber kein Dogma.
Bedeutet das, dass Vereinbarungen des Papstes unverbindlich sind?
Nicht ganz unverbindlich – aber sie haben unterschiedlichen Rang:
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Pastorale Erklärungen: Wie das Dokument von Abu Dhabi, sind bedeutend, aber nicht verpflichtend im Glaubenssinn.
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Enzykliken oder Schreiben: Diese haben oft großes Gewicht, sind aber ebenfalls nicht unfehlbar, solange sie nicht ex cathedra verkündet werden.
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Dogmen: Diese sind verpflichtend und unfehlbar – sie dürfen von keinem Katholiken bezweifelt werden.
Ein Papst kann also Vereinbarungen treffen, die politisch oder moralisch wichtig sind, doch sie binden nicht automatisch die Kirche in Glaubensfragen.
Fazit: Autorität ja, Unfehlbarkeit nur unter klaren Bedingungen
Papst Franziskus hat mit dem Dokument von Abu Dhabi einen wichtigen Schritt für den Dialog der Religionen getan. Doch die Kirche ist daran nicht dogmatisch gebunden, weil die Voraussetzungen für die Unfehlbarkeit nicht erfüllt wurden.
Ein zukünftiger Papst könnte also andere Akzente setzen – und die Kirche bleibt in ihrer Lehre über Christus als den einzigen Erlöser formal unangetastet. Unfehlbarkeit ist ein seltenes und klar geregeltes Mittel, das Papst Franziskus hier nicht in Anspruch genommen hat.
