Die Schwedische Kirche will Minderheiten sprachlich integrieren
Sprache des Herzens
In Kiruna, hoch im Norden Schwedens, mehr als zweihundert Kilometer nördlich des Polarkreises, geschieht etwas Besonderes. Die dortige lutherische Gemeinde hat beschlossen, die Minderheitensprachen Nordsamisch, Finnisch und Meänkieli in ihre Gottesdienste zu integrieren.
„Wir sprechen über die Sprache des Herzens“, sagt Pfarrerin Lena Tjärnberg. Denn es genügt schon, einige vertraute Worte in der eigenen Muttersprache zu hören, um das Gefühl zu haben, gesehen, gehört und angenommen zu sein.
Für die Menschen des Nordens, die seit Generationen in der Weite Lapplands leben, ist dies weit mehr als eine symbolische Geste. Es ist ein Schritt der Heilung, ein leiser, aber bedeutsamer Versuch, Wunden der Vergangenheit zu lindern.
Das Erbe der Unterdrückung
Die Kirche von Kiruna ist ein ungewöhnliches Gebäude. Errichtet 1912 im samischen Stil, mit einem Altarbild, das die Natur – und damit die Spiritualität der Samen – in den Mittelpunkt stellt, zeugt sie von einer besonderen Beziehung zu den indigenen Bewohnern.
Doch dieses Bild darf nicht täuschen: Über Jahrhunderte hinweg wurden die Samen in Schweden diskriminiert, bevormundet und ihrer Kultur beraubt. Die berüchtigten „Nomadenschulen“, die ab 1913 betrieben wurden, zwangen Kinder in eine fremde Lebensweise, raubten ihnen Sprache und Identität und hinterließen tiefe seelische Narben. Erst 2021 sprach die lutherische Kirche eine offizielle Entschuldigung für ihre Rolle in dieser Unterdrückung aus.
„Wir haben Ihre Beziehung zum Schöpfer und zum Land nicht erkannt“, bekannte Erzbischöfin Antje Jackelén. Worte, die wie ein Schuldeingeständnis klingen – und doch auch der Beginn eines neuen Weges sein können.
Die Kirche als Ort der Erinnerung und der Versöhnung
Heute ist die Kirche von Kiruna nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch ein Ort der kollektiven Erinnerung. Sie steht inmitten einer Landschaft, in der Dunkelheit und Licht, Winterkälte und Sommerhelligkeit sich abwechseln – wie Symbole für das menschliche Leben.
Diakonin Monica Nutti Blind beschreibt es so: „Das dunkle Holz im Inneren ist wie der lange Winter, doch durch die Fenster bricht das Licht der Mitternachtssonne.“ Eine einfache, aber tiefe Metapher: Auch in der Dunkelheit bleibt das Licht präsent, unsichtbar vielleicht, aber nicht ausgelöscht.
Lehre für den Templer
Für uns Templer trägt dieses Geschehen eine deutliche Botschaft: Gottes Tempel ist nicht nur aus Stein, sondern auch aus Sprache, Kultur und Erinnerung gebaut.
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Wer den anderen in seiner eigenen Sprache anspricht, der berührt seine Seele.
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Wer die Geschichte der Unterdrückung anerkennt, öffnet eine Tür zur Versöhnung.
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Wer die Vielfalt als Reichtum erkennt, erkennt in ihr das Abbild der Schöpfung.
Wie die alten Templer im Heiligen Land einst viele Kulturen, Völker und Sprachen antrafen, so ist auch heute der Auftrag der Kirche klar: Nicht Assimilation, sondern Integration im Geiste des Respekts.
Fazit
Die Entscheidung der Kiruna-Gemeinde ist klein im Äußeren, aber groß im Inneren. Sie erinnert uns daran, dass Gott uns in vielen Sprachen anruft – und dass jede davon eine Sprache des Herzens sein kann.
Der wahre Tempel Gottes entsteht dort, wo Menschen einander in Würde begegnen, ihre Geschichte nicht verleugnen, sondern sie verwandeln. Und so wird die Kirche von Kiruna zum lebendigen Zeichen: Dunkelheit kann nicht das letzte Wort haben, wenn das Licht der Versöhnung durch die Fenster scheint.
