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Die Templerkomturei Barberà

Geschichte, Konflikte und architektonisches Erbe

Die Komturei Barberà, gelegen in der heutigen autonomen Gemeinschaft Katalonien in Spanien, war eine der bedeutendsten Niederlassungen des Templerordens in der Region. Strategisch positioniert und reich an Ressourcen, spielte Barberà eine zentrale Rolle bei der wirtschaftlichen, militärischen und spirituellen Mission des Ordens während der Reconquista. Die Geschichte dieser Komturei erzählt von Schenkungen, juristischen Konflikten, wirtschaftlicher Blüte und dem letztlichen Niedergang nach der Auflösung des Templerordens.


Bauliche und territoriale Entwicklung

Frühe Geschichte und Gründung

Bereits im 11. Jahrhundert existierte in Barberà eine einfache Burganlage. Um diese Burg entstand ein kleines urbanes Zentrum, das sowohl als militärischer Stützpunkt als auch als wirtschaftlicher Mittelpunkt diente.

  • 1132: Graf Ermengol VI. von Urgell schenkte die Burg sowie die zugehörigen Siedlungen und Mannschaften den Tempelrittern. Diese Geste war ein Dank für die Unterstützung bei der Reconquista und ein Vertrauensvorschuss für die zukünftige Zusammenarbeit.
  • 1133: Graf Ramon Berenguer IV. vervollständigte die Schenkung durch die Übertragung der ihm zustehenden Rechte an Burg und Siedlung.

Rechtliche Probleme und Verzögerungen

Die tatsächliche Kontrolle der Templer über Barberà wurde durch rechtliche Konflikte verzögert. Der Adlige Pere de Puigvert besaß Teile des Lehens. Erst 1157 entschied ein Gericht in Lleida, dass die Herrschaftsrechte zwischen Puigvert und den Templern geteilt werden sollten. Nach dem Tod von Puigvert im Jahr 1167 konnten die Templer die Niederlassung schließlich uneingeschränkt übernehmen.

Aufbau der Komturei

Bis 1173 residierte in Barberà bereits ein Komtur. In den folgenden Jahren erweiterten die Templer die bestehende Anlage:

  • Errichtung eines Donjon (Wehrturm)
  • Bau eines rechteckigen Gebäudes (25 x 5 Meter), das eine Kapelle im Obergeschoss beherbergte. Die Kapelle war dem Heiligen Erlöser geweiht.
  • Die Pfarrkirche der Heiligen Maria wurde bereits Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt.

Wirtschaftliche Stärke und Ausbreitung

Barberà entwickelte sich im 13. Jahrhundert zu einer wohlhabenden Komturei mit etwa 10 bis 15 Brüdern. Die Besitztümer umfassten:

  • Dörfer mit eigenen Befestigungsanlagen, wie Montbrió
  • Mühlen am Fluss Anguera
  • Landwirtschaftliche Flächen und Wasserläufe
  • Drei abhängige Niederlassungen: Vallfogona, Mesó del Rourell und L’Espluga de Francolí

Die wirtschaftliche Stabilität zeigt sich darin, dass die Komturei 1307 einen finanziellen Überschuss verzeichnete.


Beziehungen und Konflikte

Schenkungen und Unterstützung durch Adelsfamilien

Die Komturei Barberà profitierte von großzügigen Schenkungen lokaler Adelsfamilien, darunter die einflussreiche Familie Queralt-Timor. Viele Adelige unterstützten den Orden nicht nur durch Landübertragungen, sondern auch durch den Eintritt von Familienmitgliedern in den Orden.

Rechtliche Konflikte

Die Schenkungen führten jedoch auch zu Streitigkeiten:

  • Streit mit dem Zisterzienserkloster von Santes Creus: In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entbrannte ein Konflikt um das Dorf Vilagrassa und die dortigen Stallungen.
  • Kastell Puigtinyós: Guillaume de Montcada schenkte das Kastell von Puigtinyós dem Kloster Santes Creus, während ein Teil der Einkünfte den Templern von Barberà zustand.
  • Der kuriose Fall von Montbrió (1269): Eine Witwe schenkte das Kastell Montbrió den Templern, wenige Zeit später aber auch dem Kloster Santes Creus. Der Streit wurde 1275 vom Erzbischof von Tarragona zugunsten der Templer entschieden.

Der Niedergang der Templer in Barberà

Der Templerprozess und die Komturei Barberà

Während des Prozesses gegen die Templer wurden keine ernsthaften Versuche unternommen, die Anlage von Barberà zu verteidigen. Der Komtur Dalmacio de Timor und andere Brüder aus Barberà schlossen sich den Verteidigern der Festung Monzón an.

Aneignung von Templergütern

1308 eigneten sich einige Einwohner von Barberà Besitzungen der Templer an, was später durch den König geahndet wurde. Ab Juni 1308 übernahm der königliche Beamte Guillermo Olomar die Verwaltung der Komturei.

Übergang an die Johanniter

1318 fiel die Komturei Barberà an den Johanniterorden, der die Anlage bis ins 19. Jahrhundert nutzte und weiter ausbaute.


Architektonische Überreste

Nach der Auflösung des Templerordens und der Übernahme durch die Johanniter blieb die Anlage bis ins 19. Jahrhundert erhalten, wurde jedoch im Laufe der Zeit verändert.

  • Die ursprüngliche Templerkapelle und Teile des Donjons blieben erhalten.
  • Die Pfarrkirche der Heiligen Maria wurde 1792 abgerissen und durch einen barocken Neubau ersetzt.
  • Ab dem 19. Jahrhundert verfiel die Anlage und blieb bis in die 1970er Jahre weitgehend unberührt.

Restaurierung und heutige Nutzung

Seit 1972 kümmerte sich der Verein Amigos de los Castillos um die Rettung der Ruine. Freiwillige und später auch die Provinzregierung von Tarragona führten archäologische Untersuchungen und Restaurierungsarbeiten durch. Heute ist die Burg von Barberà:

  • Öffentlich zugänglich
  • Ein kultureller Veranstaltungsort
  • Ein wichtiges Zeugnis der Geschichte des Templerordens in Katalonien

Fazit: Ein Vermächtnis der Templer in Katalonien

Die Komturei Barberà erzählt die Geschichte eines Ortes, der nicht nur ein militärischer Außenposten, sondern auch ein wirtschaftliches und spirituelles Zentrum war. Trotz rechtlicher Konflikte und politischer Umwälzungen blühte Barberà im 13. Jahrhundert wirtschaftlich auf.

Die erhaltenen Ruinen und die umfangreichen Restaurierungen seit den 1970er Jahren halten das Erbe der Templer in Barberà lebendig. Besucher können heute durch die Mauern dieser einst mächtigen Komturei wandeln und die Geschichte einer der faszinierendsten Perioden des Mittelalters nacherleben.

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