Die Templerkomturei Barletta
Ein bedeutendes Zentrum des Ordens in Süditalien
Einleitung
Die Templerkomturei Barletta, gelegen in der süditalienischen Region Apulien, spielte eine Schlüsselrolle im Netzwerk der Templer im Mittelmeerraum. Geprägt von ihrer strategischen Lage als Hafenstadt und als wirtschaftliches Zentrum, entwickelte sich Barletta im Laufe des 12. und 13. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Stützpunkt der Templer. Die Komturei war nicht nur ein logistisches Drehkreuz für den Handel mit dem Heiligen Land, sondern auch Sitz des Provinzmeisters für Sizilien und Süditalien. Heute erzählen archäologische Funde und historische Dokumente die Geschichte eines Ortes, der einst ein Eckpfeiler der Templerpräsenz in Italien war.
Bauliche und territoriale Entwicklung
Frühe Erwähnungen und Gründung
Die erste urkundliche Erwähnung der Templer in Barletta stammt aus dem Jahr 1158, als Bischof Bonifatius von Canne dem Orden die Kirche Santa Maria de Salinis samt umliegendem Land und dazugehörigen Leibeigenen übereignete. Als jährliche Gegenleistung sollte der Orden Weihrauch liefern.
Standorte und Besitzungen
- Die ursprüngliche Niederlassung befand sich nahe der Kirche San Leonardo im Stadtteil Borgo San Vitale außerhalb der Stadtmauern. Archäologische Funde aus den 1970er Jahren bestätigen diesen Standort.
- Die Kirche Santa Maria Magdalena (heute San Domenico) innerhalb der Stadtmauern wurde den Templern zwar oft zugeschrieben, gehörte ihnen jedoch nach aktuellen Forschungen (Cilli) nicht. Hier waren vielmehr Kanoniker des „Templum Domini“ ansässig.
Wachstum und Einfluss
Im Laufe des 13. Jahrhunderts entwickelte sich die Niederlassung von Barletta zu einem regionalen Zentrum des Ordens. Hier residierte der Provinzmeister für Sizilien und Süditalien.
Die Komturei verfügte über umfangreiche Besitzungen in Städten und Regionen wie:
- Bari, Molfetta, Trani, Brindisi
- Alberona, Foggia, Sant’Angelo, Lecce
- Maruggio, Matera, Melfi, Venosa
- Chieti, Penne, Termoli, Vasto
Zu den Besitztümern gehörten neben Feldern und Weinbergen auch Olivenhaine und Lagerhäuser. Die Lage am Meer machte Barletta zu einem wichtigen Knotenpunkt für den Warentransport ins Heilige Land.
Beziehungen und Konflikte
Handel und Logistik
Barletta profitierte von seiner Lage als Hafenstadt und den engen Handelsbeziehungen zum Heiligen Land. Die Templer spielten dabei eine entscheidende Rolle:
- Lagerhäuser dienten als Umschlagplätze für landwirtschaftliche Erzeugnisse und Salz aus den Salinen von Apulien.
- Transportwege: Von Barletta aus wurden Güter und Pilger ins Heilige Land verschifft.
Unterstützung durch das Haus Anjou
Das Haus Anjou, das Süditalien regierte, unterstützte den Handel der Templer aktiv:
- 1269 und 1271: König Charles II. gewährte den Templern Zollfreiheit für den Export ihrer Waren.
- Dennoch kam es wiederholt zu Konflikten mit anderen Autoritäten, was Charles II. dazu veranlasste, königliche Amtsträger zu ermahnen, die Templer nicht zu behindern.
Interne Konflikte und Streitigkeiten
- 1296: Charles II. wies seine Baillis in Barletta an, die Templer an der missbräuchlichen Nutzung von Weiderechten zu hindern.
- 1226: Ein Streit mit den Zisterziensern der Abtei Casanova über Landbesitz bei Lucera wurde bis vor den Papst getragen und zugunsten der Zisterzienser entschieden.
Das Ende der Templer in Barletta
Der Komtur von Barletta, Giovanni de Nivelle, wurde 1307 in Paris verhaftet und verhört. Weitere Mitglieder der Komturei wurden 1308 in Barletta festgenommen und im Kastell der Stadt inhaftiert. Im Jahr 1310 mussten sie sich vor der päpstlichen Untersuchungskommission in Brindisi verantworten.
Architektonische Überreste
Nach der Auflösung des Ordens
Nach der Aufhebung des Templerordens 1312 gingen die Besitzungen in Barletta an die Johanniter über. Wie an vielen anderen Orten blieb der Begriff „Tempel“ („Tempio“) als Ortsbezeichnung erhalten.
Zerstörung im 16. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert wurden die Gebäude der Templerkomturei zerstört.
Archäologische Funde (1973)
1973 kamen bei Bauarbeiten bedeutende Funde ans Licht:
- Grundmauerreste der Komturei
- 15 Grabplatten aus dem 12. bis 15. Jahrhundert
- Zwei Grabplatten von bedeutenden Provinzmeistern:
- Gioberto de Nicherio (1287)
- Die Inschrift beschreibt ihn als Provinzmeister der Häuser des Templerordens im Königreich Sizilien.
- Simon de Quincy (1307)
- Die Inschrift ehrt ihn als Provinzmeister und verweist auf seinen Tod im Jahr 1307.
Diese Grabplatten zeigen die Provinzmeister in vollem Templerhabit und zeugen von der einstigen Macht und Bedeutung der Komturei.
Bedeutung der Komturei Barletta
Die Komturei Barletta war:
- Ein wirtschaftliches Zentrum: Landwirtschaftliche Produktion und Handel mit dem Heiligen Land florierten.
- Ein logistisches Drehkreuz: Der Hafen diente als Brücke zwischen Süditalien und dem Nahen Osten.
- Ein spirituelles Zentrum: Die Templer leisteten seelsorgerische Arbeit und waren Teil des kirchlichen Netzwerks der Region.
- Ein politischer Akteur: Die Beziehungen zu lokalen und königlichen Autoritäten zeugen von politischem Einfluss und strategischer Bedeutung.
Fazit: Ein wichtiger Knotenpunkt des Templerordens
Die Templerkomturei Barletta war mehr als nur eine regionale Niederlassung. Sie war ein wirtschaftliches, spirituelles und politisches Zentrum, das die Verbindungen zwischen Süditalien und dem Heiligen Land aufrechterhielt. Trotz der Zerstörung im 16. Jahrhundert geben archäologische Funde und historische Dokumente einen faszinierenden Einblick in die Bedeutung dieser Komturei.
Die Geschichte von Barletta erinnert uns daran, dass die Templer nicht nur Krieger und Pilger waren, sondern auch geschickte Verwalter, Händler und diplomatische Akteure in einem komplexen mittelalterlichen Netzwerk.
