✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

Elias Ashmole

Ein später Blick auf den Orden des Tempels

Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und betrachte mit Staunen, wie unser Name Jahrhunderte nach unserem Untergang noch immer genannt, gedeutet und gewogen wird. Einer jener Männer, die sich im 17. Jahrhundert mit unserem Erbe befassten, war Elias Ashmole (1617–1692): englischer Gelehrter, Alchemist, früher Freimaurer und Mitbegründer der Royal Society.

In seinem Werk über den Hosenbandorden (Institutions, Laws and Ceremonies of the most noble Order of the Garter) widmet Ashmole auch uns Templern einige Worte. Er nennt uns tapfere Verteidiger des Heiligen Landes, Kämpfer gegen die Ungläubigen und erkennt an, dass unser Orden aus dem Geist des Kreuzzuges geboren wurde. Für einen Mann seiner Zeit, der fern von Jerusalem lebte und nur aus Büchern und Chroniken schöpfen konnte, ist dieses Urteil von bemerkenswerter Klarheit und Fairness.

Ashmole beschränkt sich nicht auf Lob. Er gibt einen knappen Überblick über den Prozess gegen den Templerorden und deutet an, dass unser Untergang nicht allein durch äußere Feinde herbeigeführt wurde. Kritisch sieht er insbesondere unseren Stolz und unseren Reichtum. Beides, so meint er, habe uns dazu verleitet, uns der Autorität des Patriarchen von Jerusalem zu entziehen und uns unmittelbar dem Papst zu unterstellen.

Aus templarischer Sicht ist diese Beobachtung nicht ganz falsch, aber unvollständig. Die direkte Unterstellung unter den Papst war kein Akt des Hochmuts, sondern sollte den Orden vor lokalen Machtkämpfen schützen und ihm erlauben, seine Aufgabe ungehindert zu erfüllen. Doch wir wissen selbst, dass Privilegien leicht als Überheblichkeit gedeutet werden und Reichtum Neid nährt. Ashmole spricht damit einen Vorwurf aus, der uns schon zu Lebzeiten begleitete und später zu unserem Verderben beitrug.

Bemerkenswert ist, dass ein Alchemist und Freimaurer wie Ashmole in uns nicht bloß Ketzer oder Verräter sah, sondern ein historisches Vorbild für ritterliche Ordnung und geistige Gemeinschaft. Vielleicht erkannte er in unserem Orden etwas, das ihn selbst bewegte: die Suche nach Ordnung, Sinn und einer Verbindung von Wissen, Glauben und Pflicht.

So steht Elias Ashmole als ein später Zeuge unserer Geschichte. Er urteilt mit dem Abstand der Jahrhunderte, lobt unseren Mut, tadelt unsere Schwächen und hält damit das Bild des Templerordens lebendig. Für uns Brüder ist dies ein Zeichen, dass unser Wirken – trotz Schuld, Fehlern und Untergang – nicht vergessen ist.

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