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Hat der Papst den Tempelrittern vergeben?

Eine der meistdiskutierten Fragen der Templergeschichte lautet: Hat der Papst die Tempelritter verurteilt oder ihnen vergeben?

Die Antwort überrascht viele Menschen.

Tatsächlich gibt es historische Dokumente, die belegen, dass Papst Clemens V. mehreren Tempelrittern die Absolution, also die kirchliche Lossprechung ihrer Sünden, erteilte. Damit ergibt sich ein deutlich differenzierteres Bild als die oft erzählte Geschichte von der vollständigen Verurteilung des Ordens.

Die Verhaftung der Tempelritter

Am Freitag, dem 13. Oktober 1307, ließ König Philipp IV. nahezu alle Tempelritter in Frankreich gleichzeitig verhaften.

Den Brüdern wurden schwere Vorwürfe gemacht:

  • Ketzerei,
  • Verleugnung Christi,
  • Götzendienst,
  • geheime Rituale,
  • unmoralisches Verhalten.

Viele der Gefangenen legten Geständnisse ab.

Heute gehen die meisten Historiker davon aus, dass ein großer Teil dieser Aussagen unter Folter oder der Androhung weiterer Folter zustande kam.

Der Papst greift ein

Papst Clemens V. wollte sich jedoch nicht allein auf die Untersuchungen des französischen Königs verlassen.

Im Juli 1308 ließ er in Poitiers insgesamt 72 Tempelritter persönlich anhören.

Nachdem diese ihre Aussagen abgelegt hatten, sprach der Papst ihnen die Absolution aus.

Das bedeutet:

Sie wurden kirchenrechtlich wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen und von den Sünden losgesprochen, die sie gestanden hatten.

Diese Entscheidung zeigt deutlich, dass der Papst die Geständnisse nicht zwangsläufig als endgültigen Beweis für eine unheilbare Ketzerei ansah.

Auch die Ordensführung erhielt die Absolution

Noch bedeutsamer war das Schicksal der höchsten Führer des Ordens.

König Philipp IV. verweigerte ihnen zunächst den Zugang zum Papst.

Erst im August 1308 durfte eine päpstliche Kommission die Ordensleitung anhören.

Auch ihnen wurde nach ihren Aussagen die Absolution erteilt.

Dies ist ein wichtiger historischer Punkt, der lange Zeit kaum bekannt war.

Das Chinon-Pergament

Besonders eindrucksvoll wurde diese Tatsache durch die Wiederentdeckung eines bedeutenden Dokuments bestätigt.

Im Jahr 2001 fand die Historikerin Barbara Frale im Vatikanischen Archiv das sogenannte Chinon-Pergament wieder.

Dieses Schriftstück dokumentiert die Anhörung führender Tempelritter und bestätigt, dass Papst Clemens V. ihnen die kirchliche Lossprechung erteilte.

Das Pergament widerlegt die oft verbreitete Behauptung, der Papst habe die Ordensführer persönlich als Ketzer verurteilt.

Warum wurde der Orden trotzdem aufgehoben?

Wenn der Papst den Tempelrittern vergeben hatte, stellt sich eine naheliegende Frage:

Warum wurde der Orden dann aufgelöst?

Die Antwort liegt in der damaligen politischen Situation.

Der französische König setzte den Papst massiv unter Druck.

Nach jahrelangen Untersuchungen entschloss sich Clemens V., den Orden im Jahr 1312 auf dem Konzil von Vienne aufzuheben.

Bemerkenswert ist dabei:

Der Papst erklärte den Orden nicht ausdrücklich für ketzerisch.

Stattdessen hob er ihn aus Gründen der kirchlichen Zweckmäßigkeit und zur Wahrung des Friedens in der Kirche auf.

Dies war eine politische Entscheidung, keine eindeutige dogmatische Verurteilung.

Ein tragisches Ende

Für viele Tempelritter kam diese Entscheidung zu spät.

Zahlreiche Brüder waren bereits gestorben.

Andere verbrachten ihr Leben im Gefängnis.

Der letzte Großmeister, Jacques de Molay, widerrief seine unter Folter abgelegten Geständnisse und wurde deshalb im Jahr 1314 in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Seine Hinrichtung war eine Entscheidung der weltlichen Macht und nicht die Folge einer päpstlichen Exkommunikation.

Was bedeutet das heute?

Die Geschichte zeigt, dass die Ereignisse um den Templerorden weit komplexer waren, als häufig dargestellt wird.

Papst Clemens V. sprach mehreren Tempelrittern die Absolution zu.

Er nahm sie wieder in die Gemeinschaft der Kirche auf.

Den Orden selbst konnte oder wollte er jedoch unter dem enormen politischen Druck des französischen Königs nicht retten.

So blieb am Ende ein tragischer Widerspruch bestehen:

Die Männer erhielten Vergebung.

Der Orden verschwand dennoch aus der Geschichte.

Gerade deshalb erinnert uns das Schicksal der Tempelritter daran, dass politische Interessen und geistliche Entscheidungen nicht immer denselben Weg gehen. Für viele Historiker ist dies bis heute eines der bewegendsten Kapitel der mittelalterlichen Kirchengeschichte.

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