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Scheikwitz (= Čejkovice): Die Templerkomturei in Südmähren

Ein Name, viele Orte – die Suche nach dem echten Scheikwitz

Die geographische Verortung der mittelalterlichen Templerkomturei „Scheikwitz“ war lange Zeit ein Streitthema unter Historikern. Zahlreiche Orte in Böhmen und Mähren tragen ähnliche Namen – darunter Čakovice bei Prag oder ein weiteres Čakovice in Südböhmen. Doch alle relevanten Urkunden verweisen auf den südöstlichen Raum Mährens. Die Forschungen von Hrubý (2011) bestätigen schließlich die heute im Bezirk Hodonín gelegene Gemeinde Čejkovice als den wahrscheinlichsten Standort der ehemaligen Templerniederlassung. Inmitten der historischen Landschaft Südmährens, die damals zum Königreich Böhmen und somit zum Heiligen Römischen Reich gehörte, entwickelte sich hier eine der bedeutendsten Templerkomtureien der Region.

Die Anfänge: Um 1237 gegründet?

Die genaue Gründungszeit ist unklar. Uhlířová datiert die Niederlassung auf „um 1237“, allerdings ohne nähere Begründung. Verlässlich belegt ist die Existenz der Komturei durch eine Bulle von Papst Innozenz IV. aus dem Jahr 1246. Darin wird ein Streit um den Zehnten im Dorf Ceje zwischen zwei Zisterzienserklöstern und dem „domus milicie Templi in Cheyekovich“ erwähnt – ein klarer Hinweis auf eine etablierte Templergemeinschaft vor Ort.

Ein erster namentlich bekannter Komtur erscheint erst in den 1290er Jahren in den Quellen.

Besitzaufbau und wirtschaftliche Blüte

Die Komturei Scheikwitz wurde schnell zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Zentrum des Templerordens in der Region. Der Besitz wuchs durch Schenkungen, gezielte Ankäufe und geschickte Verwaltungsmaßnahmen:

  • 1248: Ulrich, Sohn des Herzogs von Kärnten, überträgt den Templern Besitzungen in Rackowitz.

  • 1292: Ankauf des Dorfes Schönstraß (heute nicht mehr existent) für 155 Mark Silber.

  • 1297: Ritter Protheba von Dobrovitz verkauft große Teile seines Besitzes an die Templer.

  • 1302: Die Komturei erhält vom Schottenkloster Wien eine Bäckerei in der Wiener „Ratstraz“ anstelle eines Hofzinses – ein Zeichen grenzüberschreitender Beziehungen.

Dank der Lage an wichtigen Handelsrouten entwickelte sich Scheikwitz zu einem zentralen Wirtschaftsstandort mit weitreichender territorialer Präsenz. Neben der eher repräsentativen Niederlassung in Prag war Čejkovice einer der aktivsten Sitze des Ordens in Böhmen-Mähren.

Spannungen mit anderen kirchlichen Institutionen

Wie in vielen Regionen Europas kam es auch hier zu Konflikten zwischen dem Templerorden und benachbarten geistlichen Institutionen:

  • 1246: Der bereits erwähnte Streit mit den Zisterzienserklöstern Wehlerad (Velehrad) und Thusnowicz (Tišnov) über Zehntrechte.

  • 1269: In Michelsdorf (Vrbice) entsteht ein weiterer Konflikt um Patronatsrechte und Zehntabgaben mit dem Kloster Saar (Žďár nad Sázavou). Der Bischof von Olmütz vermittelt und teilt die Rechte gerecht zwischen Orden und Kloster auf.

Solche Auseinandersetzungen zeigen die politische wie wirtschaftliche Bedeutung der Templer in der Region – und die Spannungen, die mit ihrer Autonomie verbunden waren.

Reaktion auf das Templerdrama in Frankreich

Nach dem dramatischen Fall des Templerordens in Frankreich 1307 versuchten auch die Brüder in Böhmen-Mähren, Besitz abzusichern. Am 3. März 1308 verpachten der Provinzmeister Ekko und weitere Brüder mit Genehmigung des Großmeisters und unter Zustimmung von Herzog Friedrich von Österreich die Stadt Setteinz (Vsetín) samt Schloss Freundsberg und dem Flusslauf der Roknitz an Bokko von Chrawar für 31 Jahre.

Diese Familie gehörte zum mährischen Hochadel. Zwar wird die Komturei Scheikwitz in der Urkunde nicht ausdrücklich als Verpächterin genannt, doch das beigefügte Siegel belegt ihre Beteiligung. Ziel dieser Maßnahme war es offenbar, Besitz zu sichern – unabhängig vom Fortbestand des Ordens.

Das Ende und die Nachnutzung

Mit der Auflösung des Templerordens ist das Schicksal der Komturei Scheikwitz zunächst unklar. Während in vielen Regionen Europas die Güter an den Johanniterorden übergingen, scheint dies hier nicht belegt. Im 14. Jahrhundert befanden sich große Teile der ehemaligen Besitzungen im Eigentum der Familie Sternberg, die dem Orden nachweislich verbunden war.

Architektonisches Erbe – Burg und „Templerkeller“

Die heutige Burg Čejkovice, die auf einem Hügel über dem Ort thront und heute als Hotel und Weingut dient, soll in Teilen aus der Templerzeit stammen. Besonders die berühmten „Templerkeller“, ein ausgedehntes Netz unterirdischer Räume, werden in der lokalen Tradition mit dem Orden in Verbindung gebracht.

Obwohl der Bau mehrfach zerstört und verändert wurde – u. a. ab 1624 durch die Jesuiten –, soll der Kern der Anlage bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen. Die geheimnisvolle Aura, die den Ort bis heute umgibt, wird durch diese historische Tiefe verstärkt.

Fazit

Die Komturei Scheikwitz (Čejkovice) ist ein faszinierendes Beispiel für die Präsenz und Wirksamkeit des Templerordens in Mitteleuropa. Inmitten der politischen Wirren des späten Mittelalters entwickelte sich hier ein wirtschaftlich florierender, spirituell geprägter Ordenssitz, der weitreichende Beziehungen pflegte – bis zu den Klöstern Wiens. Auch wenn der Orden in der Geschichte verschwand, lebt sein bauliches und geistiges Erbe in Čejkovice weiter – unterirdisch in den Kellern, sichtbar in der Burg, spürbar in der Geschichte.

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