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Jerusalem und die Prüfung der Religionsfreiheit

Jerusalem ist mehr als eine Stadt. Jerusalem ist ein Symbol. Für Juden, Christen und Muslime ist diese Stadt ein geistiges Zentrum, ein Ort der Erinnerung, der Hoffnung und der Geschichte. Gerade deshalb wiegt jede Form religiöser Feindseligkeit in Jerusalem schwerer als irgendwo sonst auf der Welt.

Mit Sorge beobachtet der Templer die zunehmenden Berichte über antichristliche Übergriffe in der Jerusalemer Altstadt. Dass sich nun sogar ein Ausschuss der Knesset offiziell mit Belästigungen christlicher Geistlicher und Pilger befassen musste, zeigt, dass das Problem nicht länger verdrängt werden kann.

Der Ausschussvorsitzende Gilad Kariv warnte vor rassistischen Ausschreitungen und Hassbekundungen gegenüber Christen und Muslimen im Zusammenhang mit dem jährlichen Flaggenmarsch zum Jerusalem-Tag. Seine Worte verdienen Aufmerksamkeit, denn Religionsfreiheit ist nicht teilbar. Wer beginnt, Angehörige einer Religion einzuschüchtern, gefährdet am Ende die Freiheit aller.

Besonders erschütternd ist dabei nicht nur die Gewalt selbst, sondern die Gewöhnung daran.

Wenn Geistliche auf offener Straße bespuckt werden, wenn Pilger beleidigt oder bedroht werden, wenn Kirchen aus Angst ihre Türen schließen sollen, dann ist das mehr als bloßer Extremismus einzelner Gruppen. Dann beginnt das Vertrauen zwischen den Religionen zu zerbrechen.

Ein Templer betrachtet diese Entwicklung mit ernster Sorge.

Denn das Heilige Land darf niemals zu einem Ort werden, an dem religiöse Zugehörigkeit wieder Angst erzeugt. Gerade Jerusalem müsste ein Vorbild dafür sein, wie unterschiedliche Glaubensrichtungen nebeneinander bestehen können. Stattdessen entstehen immer häufiger Spannungen, die von politischen, nationalistischen und religiösen Extremisten angeheizt werden.

Dabei darf man eines nicht vergessen:

Nicht Israel als Staat ist der Feind der Christen. Viele israelische Politiker, Bürger und religiöse Vertreter treten ausdrücklich für Religionsfreiheit und den Schutz christlicher Einrichtungen ein. Gerade deshalb war es bedeutsam, dass Vertreter der Kirchen, Diplomaten und Politiker das Problem öffentlich ansprachen.

Auch der Apostolische Nuntius Giorgio Lingua nahm an den Beratungen teil. Kirchenvertreter forderten ein entschiedeneres Vorgehen gegen antichristliche Gewalt. Sie bezeichneten die Übergriffe klar als Hassverbrechen.

Der Templer erkennt darin eine wichtige Wahrheit:

Freiheit besteht nicht nur darin, den eigenen Glauben leben zu dürfen. Wahre Freiheit zeigt sich darin, ob man auch den Glauben anderer schützt.

Eine Gesellschaft beweist ihre Reife nicht dadurch, wie sie Mehrheiten behandelt, sondern wie sie mit Minderheiten umgeht.

Gerade im Geist des Templerstaates ist dieser Gedanke zentral. Ein Staat darf niemals zum Werkzeug religiöser Einschüchterung werden. Er muss über den Konflikten stehen und allen Menschen denselben Schutz gewähren – unabhängig davon, ob sie Christen, Juden, Muslime oder Andersgläubige sind.

Besonders gefährlich wird es, wenn religiöser Hass beginnt, sich mit nationalistischer Überheblichkeit zu verbinden. Dann entsteht jenes Klima, in dem Menschen glauben, sie dürften andere demütigen, weil sie sich selbst moralisch oder historisch überlegen fühlen. Genau daraus entstanden viele Tragödien der Geschichte.

Ein Templer lehnt jede Form solcher Erniedrigung ab.

Denn wer wirklich stark ist, muss keinen Pilger bespucken. Wer wirklich an Gott glaubt, muss keine Ordensfrau bedrohen. Und wer wirklich für sein Land eintritt, braucht keine Hassgesänge gegen andere Religionen.

Jerusalem braucht heute keine neuen Mauern zwischen den Glaubensrichtungen.

Jerusalem braucht Menschen, die den Mut haben, die Würde des anderen zu verteidigen – selbst dann, wenn er einen anderen Glauben besitzt.

Denn nur dort, wo Religion ohne Angst gelebt werden kann, existiert wirkliche Freiheit.

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