Krisen können überwunden werden
Ein Templerwort zur Bewahrung des inneren Lichts
Ich schreibe als Templer, nicht als Richter der Zeit, sondern als Wächter des inneren Maßes. Unsere Epoche ist gefährlich, daran besteht kein Zweifel. Macht sammelt sich in wenigen Händen, Kriege zermürben Völker, und in vielen Ländern Europas gewinnen Kräfte an Einfluss, die von Spaltung und Angst leben. Auch jenseits des Ozeans zeigt sich, wie zerbrechlich Ordnungen sind, wenn Führer wie Donald Trump den Staat in Richtung persönlicher Herrschaft drängen.
Doch gerade in solchen Zeiten gilt eine alte Ordensregel: Der äußere Sturm darf nicht zum inneren Zusammenbruch führen.
Vom Recht auf Hoffnung
Die österreichische Historikerin Mirjam Zadoff, Direktorin des NS-Dokumentationszentrums in München, erinnert uns daran, dass wir kein Recht haben, uns der Lethargie zu ergeben. In ihrem Buch Wie wir überwintern ruft sie zur bewussten Pflege der Zuversicht auf. Ihre Worte sind keine Vertröstung, sondern Erinnerung:
Menschen haben immer schon schwere Zeiten durchlebt – und sie haben Wege gefunden, sie zu überstehen.
Als Templer weiß ich: Geschichte ist kein gerader Pfad. Sie ist ein Wechsel von Licht und Dunkel, von Aufbau und Zerfall. Entscheidend ist nicht, ob Krisen kommen, sondern wie wir ihnen begegnen.
Von Techniken der Zuversicht
Zadoff spricht von „Techniken der Zuversicht“. Wir Templer würden sagen: von Übungen der Standhaftigkeit. Feste feiern, gemeinsam singen, kochen und lachen – all das sind keine Fluchten vor der Wirklichkeit, sondern Akte der Selbstbehauptung. Wer lacht, beugt sich nicht. Wer Gemeinschaft pflegt, lässt sich nicht vereinzeln.
Auch der Rückzug hat seinen Platz: die Stille der Natur, die Kraft von Büchern, Filmen, Konzerten und Bildern. Nicht als Betäubung, sondern als Nahrung für Geist und Herz. Denn ein ausgelaugter Mensch kann weder widerstehen noch aufbauen.
Zadoff weist zu Recht darauf hin, dass viele sich fragen, ob man sich heute überhaupt noch Lebensfreude erlauben dürfe. Die Antwort des Ordens ist klar: Man muss es sogar.
Denn niemand hat das Recht, uns in einem dauerhaften Zustand von Alarm, Angst und Erregung gefangen zu halten. Innere Unabhängigkeit ist ein Akt des Widerstands.
Winterzeiten und innere Feuer
Wir leben in einer Art geschichtlichem Winter. Doch auch der Winter ist eine Jahreszeit des Lebens. Er zwingt zur Sammlung, nicht zur Kapitulation. Wir sollen in diesen Zeiten das Leben, die Liebe und die Solidarität feiern – nicht lautlos, sondern bewusst.
Darin gleicht uns die Künstlerin Frida Kahlo, die wenige Tage vor ihrem Tod auf ihr letztes Bild die Worte schrieb: Viva la vida! – Es lebe das Leben. Kein naiver Optimismus, sondern ein trotziges Bekenntnis gegen Schmerz und Endlichkeit.
Schlusswort des Templers
Krisen können überwunden werden. Nicht automatisch, nicht ohne Einsatz – aber durch Haltung.
Wer innerlich aufrecht bleibt, auch wenn die Welt schwankt, bereitet den Boden für das, was nach der Krise kommt.
Darum sage ich: Pflege dein inneres Feuer. Teile Brot und Lachen. Suche Schönheit. Übe Solidarität.
So überwintern wir – und so bereiten wir den Frühling vor.
