OSMTH, OSMTJ und SMOTJ – Templer
Warum diese Templerorganisationen nicht verwechselt werden dürfen
Auf dem Bild zeige ich Ihnen, wie versprochen, das wohl verrückteste Ordenswappen, das wir finden konnten. Der Schild trägt – wie könnte es anders sein – ein Templerkreuz. Darüber befindet sich die Abkürzung des Ordens, eine Landgrafenkrone fliegt ohne Verbindung zum Wappen. Rechts und links stehen zwei Greife, deren Verbindung zu den Tempelrittern allerdings völlig unklar bleibt.
Offenbar hat hier ein Laie verschiedene heraldische Elemente zusammengefügt, die ihm persönlich gefielen. Dass diese ursprünglich nicht zusammengehörten, erkennt man bereits an den unterschiedlichen grafischen Darstellungen und Strichstärken. Ein überzeugendes Ordenswappen ist so jedenfalls nicht entstanden. Für den Entwurf von korrekten Wappen wären natürlich Heraldiker zuständig.
Wer sich mit den modernen Templerorganisationen beschäftigt, begegnet sehr schnell den Abkürzungen OSMTH, OSMTJ und SMOTJ. Sie sehen einander zum Verwechseln ähnlich und werden häufig ungenau verwendet. Dennoch können dahinter verschiedene organisatorische Linien, nationale Großpriorate und konkurrierende Führungsansprüche stehen. Gerade deshalb ist eine sorgfältige Unterscheidung notwendig.
Aus der Sicht des Alten Souveränen Templer Ordens sollten wir diese Geschichte weder beschönigen noch für interne Machtkämpfe anderer Gemeinschaften Partei ergreifen. Wir betrachten sie als Beispiel dafür, wie Führungsstreitigkeiten, persönliche Ansprüche und unterschiedliche Vorstellungen von Autorität selbst große internationale Ordensverbände spalten können.
Der neuzeitliche Ausgangspunkt
Sowohl OSMTH als auch OSMTJ berufen sich auf den 1804 in Frankreich öffentlich hervorgetretenen Ordre du Temple, der vor allem mit dem Arzt und späteren Großmeister Bernard-Raymond Fabré-Palaprat verbunden ist. Dabei muss deutlich gesagt werden: Dieser neuzeitliche Orden war keine zweifelsfrei nachweisbare, ununterbrochene Fortsetzung des 1312 aufgehobenen mittelalterlichen Templerordens. Er war eine moderne Wiederbelebung beziehungsweise Neugründung, die sich geistig, symbolisch und organisatorisch auf die Tempelritter bezog.
Die Behauptung einer lückenlosen personellen Nachfolge seit Jacques de Molay gehört in den Bereich der jeweiligen Ordensüberlieferung. Historisch gesichert ist eine solche ununterbrochene Kontinuität natürlich nicht. Das gilt nicht nur für OSMTH und OSMTJ, sondern grundsätzlich für alle heutigen Templerorganisationen – auch für uns. Entscheidend ist deshalb, wie ehrlich eine Gemeinschaft mit ihrer eigenen Geschichte umgeht und was sie aus dem Erbe der Tempelritter in der Gegenwart macht.
Die erste große Spaltung um 1970
Nach dem Zweiten Weltkrieg befanden sich wichtige Unterlagen und Führungsrechte des neuzeitlichen Ordens in Portugal. António Campello Pinto de Sousa Fontes als Grossmeister übernahm eine beherrschende Stellung und bestimmte seinen Sohn Fernando Campello Pinto de Sousa Fontes zu seinem Nachfolger. Zahlreiche europäische Großpriorate akzeptierten diese familieninterne Nachfolgeregelung nicht. Sie verlangten, dass die Führung durch einen ordnungsgemäß einberufenen Konvent gewählt werden müsse.
Im September 1970 trat in Paris ein Generalkonvent zusammen. Dort wurde der polnisch-französische General Antoine Zdrojewski zum Großmeister gewählt. Die Anhänger Zdrojewskis betrachteten diese Wahl als rechtmäßig und warfen Fernando de Sousa Fontes eine autoritäre Amtsführung vor. Die Gegenseite erkannte die Absetzung beziehungsweise Nichtanerkennung Fontes’ nicht an und hielt an seiner Regentschaft fest. Die OSMTJ stellt es heute so dar, dass Fontes den Pariser Konvent selbst einberufen hatte, um einen Großmeister wählen zu lassen, das Ergebnis jedoch anschließend nicht akzeptierte. Diese Darstellung ist Teil der eigenen Geschichtsschreibung der Organisation und muss als solche gelesen werden.
Aus diesem Konflikt entwickelten sich zwei konkurrierende Hauptlinien:
- Die Anhänger von Antoine Zdrojewski führten insbesondere die französische Bezeichnung Ordre Souverain et Militaire du Temple de Jérusalem und das Kürzel OSMTJ.
- Die Anhänger von Fernando de Sousa Fontes verwendeten zunehmend die lateinische Bezeichnung Ordo Supremus Militaris Templi Hierosolymitani und das Kürzel OSMTH.
Vereinfacht könnte man sagen: OSMTJ bezeichnete die Zdrojewski-Linie, OSMTH die Fontes-Linie. Doch bereits damals entstanden weitere Abspaltungen, autonome Großpriorate und konkurrierende Führungen. Deshalb lässt sich die moderne Templerlandschaft nicht vollständig auf zwei klar voneinander abgegrenzte Organisationen reduzieren.
Die zweite große Spaltung von 1995 bis 1997
Auch innerhalb des OSMTH-Zweiges wuchs später der Widerstand gegen Fernando de Sousa Fontes. Zahlreiche Großpriorate warfen ihren Grossmeister mangelnde Transparenz, Misswirtschaft und eine zu autokratische Leitung vor. Im Jahr 1995 versammelten sich Vertreter bedeutender Großpriorate in Salzburg. Dazu gehörten unter anderem Österreich, Frankreich, Italien, Finnland, England und Wales, Schottland, das NATO-Großpriorat und die Vereinigten Staaten.
Die Mehrheit beschloss, die bisherige Anerkennung von Fernando de Sousa Fontes als Regent zurückzunehmen und den internationalen Verband neu zu ordnen. Die offizielle OSMTH-Geschichtsdarstellung bezeichnet diese Beschlüsse ausdrücklich als demokratische Modernisierung und nennt Misswirtschaft sowie behauptete Unregelmäßigkeiten als Gründe für den Bruch.
Die Neuordnung wurde in den folgenden Jahren weitergeführt. Daraus entstand der heute international auftretende, föderal organisierte OSMTH-Verband, in dem die nationalen Großpriorate weitgehend selbstständig arbeiten. Die gesetzgebende Gewalt liegt beim internationalen Rat, in dem grundsätzlich jedes Mitgliedsgroßpriorat eine Stimme besitzt.
Eine kleinere Gruppe blieb hingegen Fernando de Sousa Fontes treu. Diese Richtung wird häufig als OSMTH-Regency, Fontes-Linie oder Porto-Linie bezeichnet. Sie bestand auch nach seinem Tod im Jahr 2018 weiter. Damit entstand die bemerkenswerte Situation, dass sich gerade jener OSMTH-Verband, der 1970 an Fontes festgehalten hatte, rund 25 Jahre später mehrheitlich von ihm lossagte.
SMOTJ und OSMTJ sind nicht dasselbe
An diesem Punkt ist eine wichtige sprachliche Berichtigung notwendig: SMOTJ darf nicht einfach mit OSMTJ gleichgesetzt werden.
OSMTJ ist das französische Kürzel für Ordre Souverain et Militaire du Temple de Jérusalem und wird vor allem mit der aus der Wahl Zdrojewskis hervorgegangenen Linie verbunden.
SMOTJ ist dagegen die englische Abkürzung für Sovereign Military Order of the Temple of Jerusalem. Diese Bezeichnung wird unter anderem von amerikanischen Großprioraten verwendet. Sie kann im konkreten Fall eine nationale Organisation bezeichnen, wird aber zugleich als englische Übersetzung des Namens des internationalen OSMTH-Verbandes gebraucht. So bezeichnet sich beispielsweise das NATO-Großpriorat ausdrücklich als autonomes Großpriorat des OSMTH und nennt SMOTJ als die gebräuchliche englische Übersetzung des Ordensnamens.
Deshalb wäre die pauschale Aussage „OSMTH und SMOTJ sind immer zwei vollständig getrennte Organisationen“ zu ungenau. In bestimmten nationalen oder rechtlichen Zusammenhängen können es eigenständige Körperschaften sein; innerhalb des internationalen Verbandes wird SMOTJ jedoch auch als englische Bezeichnung für OSMTH oder für ein zugehöriges Großpriorat verwendet. Die eigentliche historische Gegenüberstellung lautet daher zunächst OSMTH und OSMTJ, nicht OSMTH und SMOTJ.
Vergleich der wichtigsten Bezeichnungen
| Bezeichnung | Ausgeschriebener Name | Übliche Bedeutung |
|---|---|---|
| OSMTH | Ordo Supremus Militaris Templi Hierosolymitani | Lateinische Bezeichnung; heute vor allem für den nach 1995 föderal reformierten internationalen Verband sowie für andere konkurrierende OSMTH-Linien verwendet |
| OSMTJ | Ordre Souverain et Militaire du Temple de Jérusalem | Französische Bezeichnung; besonders mit der 1970 gewählten Zdrojewski-Linie verbunden |
| SMOTJ | Sovereign Military Order of the Temple of Jerusalem | Englische Bezeichnung; unter anderem von US-amerikanischen Körperschaften und als englische Übersetzung im Umfeld des OSMTH verwendet |
| OSMTH-Regency | Bezeichnung für die Regentschaftslinie | Jene Gruppierung, die Fernando de Sousa Fontes auch nach dem Bruch von 1995/1997 die Treue hielt |
Die Sicht des ASTO
Die Spaltungen von 1970 und 1995 bei diesen Vereinen zeigen, wie gefährlich es für einen Orden werden kann, wenn die persönliche Herrschaft wichtiger wird als die gemeinsame Aufgabe. 1970 widersetzten sich zahlreiche Großpriorate der von der Familie Fontes beanspruchten Nachfolgeregelung und wählten einen neuen Großmeister. 1995 wandte sich wiederum die Mehrheit des verbliebenen OSMTH-Verbandes gegen denselben Regenten und schuf eine föderale, stärker demokratisch kontrollierte Organisation.
Dabei beanspruchten alle Seiten, im Interesse des Ordens zu handeln. Genau darin liegt die Tragik vieler Ordensspaltungen: Nicht immer steht auf der einen Seite das Recht und auf der anderen das Unrecht. Häufig vermischen sich berechtigte Reformforderungen, verletzte Eitelkeiten, persönliche Machtansprüche und unterschiedliche Auffassungen von Tradition.
Der ASTO, der das alles miterlebt hat, beurteilt eine Templerorganisation deshalb nicht allein nach ihrem Namen, ihrer Mitgliederzahl, ihren internationalen Kontakten oder ihren eindrucksvollen Abkürzungen. Wir fragen vielmehr: Lebt sie die geistigen und sittlichen Grundsätze des Templertums? Geht sie ehrlich mit ihrer Geschichte um? Dient ihre Führung dem Orden oder soll der Orden der Führung dienen? Werden Verantwortung, Transparenz und brüderliche Treue tatsächlich gelebt?
Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam. Nicht uns, Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen gib die Ehre. Wahre Legitimität erwächst aus Ordnung, Verantwortungsbewusstsein, Wahrhaftigkeit und dem Dienst an einer Aufgabe, die größer ist als jede einzelne Person.

