Venezuela: Kirche betet um Frieden
Von einem Templer berichtet
Venezuela steht an einem Wendepunkt seiner Geschichte. Nach der spektakulären Festnahme des bisherigen Machthabers Nicolás Maduro durch US-amerikanische Spezialkräfte herrscht im Land eine gespannte Stille – ein Schweigen zwischen Hoffnung und der Furcht vor neuer Gewalt. Die Operation wurde von Donald Trump angeordnet; Maduro soll sich in den Vereinigten Staaten wegen „Narkoterrorismus“ vor Gericht verantworten.
Ein Land zwischen Angst und Erwartung
In den Straßen von Venezuela ist die Unsicherheit mit Händen zu greifen. Viele Menschen wagen es kaum, ihre Meinung zu äußern. Die Sorge vor bewaffneten Milizen und unkontrollierbaren Ausschreitungen prägt den Alltag, besonders in den Armenvierteln der Großstädte. Im Zentrum von Caracas wurden bereits kurz nach Maduros Festnahme bewaffnete Gruppierungen gesichtet.
Stimme der Kirche: Besonnenheit und Gebet
Die Venezolanische Bischofskonferenz rief umgehend zu Ruhe und Besonnenheit auf. In einer Botschaft baten die Bischöfe Gott, allen Venezolanerinnen und Venezolanern „Gelassenheit, Weisheit und Kraft“ zu schenken, und mahnten eindringlich zur Ablehnung jeglicher Gewalt.
Auch Papst Leo XIV. verfolgt die Entwicklungen mit großer Sorge. Beim Angelusgebet erinnerte er an die Verantwortung aller Beteiligten, den Frieden zu wahren und das Leid der Bevölkerung nicht weiter zu vergrößern.
Warnung vor radikalen Milizen
Der französische Missionspriester Georges Engel, seit zwei Jahrzehnten in Venezuela tätig und derzeit in Madrid, schildert gegenüber Vatican News dramatische Stunden der Ungewissheit. Besonders fürchtet er die Reaktion der sogenannten „Colectivos“, bewaffneter Gruppen, die bislang als Stütze der bolivarischen Revolution galten. Ihr möglicher Machtverlust könne zu blutigen Auseinandersetzungen führen, warnt der Priester.
Internationale Kritik und kirchliche Verantwortung
International stößt das Vorgehen der USA auf scharfe Kritik. António Guterres sprach von einem „gefährlichen Präzedenzfall“. Gerade in dieser angespannten Lage sieht Pater Engel die katholische Kirche als unverzichtbaren moralischen Anker. Sie sei berufen, Vergebung und Barmherzigkeit zu verkünden und ihre humanitäre Hilfe für Kranke und Kinder weiter auszubauen.
„Die Menschen haben Angst“
Diese Einschätzung teilt auch Martin Maier, Hauptgeschäftsführer des Hilfswerks Adveniat. Er berichtet von Einschüchterungen, Versorgungsengpässen und wachsender Angst in der Bevölkerung. Hamsterkäufe und die Furcht vor einer neuen Repressionswelle seien erste Anzeichen einer tiefen Verunsicherung. Unklar bleibt zudem, ob es zu einer neuen Fluchtbewegung in Richtung Kolumbien kommen wird – ein Land, das bereits Millionen venezolanischer Flüchtlinge aufgenommen hat.
Kirche als Fels in der Brandung
Trotz aller Gefahren bleibt die Kirche vor Ort handlungsfähig. Über Pfarreien und kirchliche Netzwerke erreicht Hilfe jene, die der Staat längst im Stich gelassen hat. Inmitten politischer Erschütterungen und sozialer Not erhebt sie ihre Stimme für den Frieden – und kniet zugleich im Gebet. Als Templer wissen wir: Wo Schwerter klirren, muss das Gebet umso lauter werden.
