✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

War alles seit Jahrhunderten geplant?

Eine Betrachtung aus Sicht des Tempels

Seit den frühesten Tagen unseres Ordens hallt eine Frage durch die Kommenden, durch Hallen aus Stein und durch die stillen Nächte unserer Wachen:
War all das, was geschah, wirklich vorhergesehen?
War es Teil eines Entwurfs, der längst bestand, bevor unsere Schwerter gezogen und unsere Gelübde gesprochen wurden?

Wer den Weg des Tempels beschreitet, erkennt rasch: Zufall ist ein Wort für jene, die nicht sehen wollen. Hinter dem Sichtbaren wirkt oft eine Kraft, die verborgen bleibt.

Viele verweisen auf das Jahr 1128 – jenes bemerkenswerte Jahr, in dem der Tempel mit der Zisterzienserabtei von Vauluisant ein Gebiet in Cerilly gegen eines in Coulours tauschte, weil letzteres „angemessener“ erschien. Die Welt fragte sich:
Wie konnten neun Ritter, die fast ein Jahrzehnt lang die Pilgerwege im Heiligen Land beschützten, bereits wissen, welches Land in fernen französischen Provinzen ihnen bei ihrer Rückkehr dienlicher sein würde?

Doch wir wussten. Und wir wussten es genau.

Coulours offenbarte bald seinen wahren Zweck. Es wurde zur Ausbildungsstätte für alle französischen Komtureien – ein Ort der Hinführung, der geistigen Ausrichtung und verborgenen Planung. Sein Siegel trug die Worte secretum templi, „Abgeschiedenheit des Tempels“, umgeben von einem gnostischen Zeichen, dessen Bedeutung nur den Eingeweihten bekannt war.

Sind das nicht Spuren einer Ordnung, die schon existierte, bevor sie der Welt vorgestellt wurde? Wurde der Tempel nicht vielleicht schon lange zuvor gewollt, entworfen und bis ins Kleinste vorbereitet?

Bernhard von Clairvaux – Heiliger, Zisterzienser, Prediger des Kreuzzugs – wurde von vielen verdächtigt, mehr als ein Freund und Unterstützer gewesen zu sein. Vielleicht ein Meister im Hintergrund. Dass er Zisterzienser war, spricht nicht dagegen. Denn der Tempel war niemals Untertan der Zisterzienser.

Im Eid des Meisters von Portugal werden die Zisterzienser unsere Gefährten genannt – nicht unsere Herren. Ein Wort, das eher auf gemeinsame Ziele hinweist als auf Hierarchie.

Auch in Zeiten des Krieges zeigte sich diese Sonderstellung. Während des Albigenserkreuzzugs trennten wir Templer uns von Arnaud-Amaury, ebenfalls Zisterzienser, ohne jedoch gegen ihn Partei zu ergreifen. Zwei Wege, dieselbe Richtung – geführt vielleicht von einem Ursprung, der älter ist als beide Orden.

So stellt sich die große Frage:
Gab es eine „Höhere Führung“, die über Jahrhunderte hinweg die Angelegenheiten vorbereitete und lenkte?
Eine Kraft, die die führenden Köpfe der Benediktiner, der Zisterzienser und der Templer gleichermaßen bewegte?

Wenn es sie gab, so hat sie keine Urkunde hinterlassen – nur Spuren, Entscheidungen und Symbole, verstreut wie Sterne für jene, die sie zu deuten wissen.

Am Ende wird dieses Geheimnis wohl bestehen bleiben. Der Tempel bewegt sich stets zwischen Stille und Offenbarung, zwischen irdischem Auftrag und einem Plan, der älter ist als Königreiche.

Ob alles seit Jahrhunderten geplant war – oder ob wir lediglich Werkzeuge eines größeren Willens wurden – ist eine Frage, die selbst die Eingeweihten nur ahnen, selten aber beantworten können.

Denn manche Mysterien sind dazu bestimmt, zu währen. Und dieses, so scheint es, gehört dazu.

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