Was aus meinem Lieblingsbier, dem „Hannen Alt“, wurde
Hannen Alt – für viele Niederrheiner und Altbierfreunde weit über die Region hinaus war dieser Name jahrzehntelang ein Begriff. Das bernsteinfarbene Bier mit dem charakteristischen malzig-herben Geschmack war nicht nur ein Getränk, sondern ein Stück Heimatgefühl. Doch wie so viele Traditionsmarken hat auch Hannen Alt im Laufe der Jahrzehnte bewegte Zeiten durchlebt.
Vom Niederrhein zur Marktführerschaft
Die Ursprünge reichen bis ins Jahr 1725, als die Familie Hausmann in Willich eine bestehende Brauerei übernahm. Zusammen mit den Brauereien Schmitz und Dicker entstand 1917 die Vereinigte Willicher Brauereien GmbH, die 1920 die Hannen-Brauerei in Korschenbroich übernahm. Bald wurde das Unternehmen in Hannen-Brauerei umbenannt – und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem dominierenden Anbieter im Altbiermarkt.
In den 1960er-Jahren platzten die Standorte in Korschenbroich und Willich aus allen Nähten. 1968 begann man daher mit dem Bau einer modernen Großbrauerei in Mönchengladbach-Neuwerk. 1975 wurden die alten Braustätten stillgelegt. Bald darauf stieg Hannen zur größten Altbierbrauerei Deutschlands auf – Mitte der 1980er Jahre wurden rund eine Million Hektoliter Altbier pro Jahr produziert.
Glanz und Krise
Doch der Höhenflug hielt nicht ewig. Seit Ende der 1970er-Jahre verlor Hannen Marktanteile, und die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich. 1988 erfolgte ein Einschnitt: Hannen wurde als eine der ersten deutschen Brauereien von einem ausländischen Unternehmen übernommen – der dänischen Carlsberg-Gruppe.
Ein weiterer Meilenstein war 1999, als Hannen die Markenrechte am ehemaligen Düsseldorfer Gatzweiler Alt erwarb. Doch schon 2003 verkaufte Carlsberg die Mönchengladbacher Braustätte an die Oettinger-Brauerei, die dort fortan auch Hannen Alt für einige Jahre braute und abfüllte.
2005 wurde die Hannen-Brauerei mit Carlsberg Deutschland GmbH verschmolzen, die Produktion verlagerte sich nach und nach – und die alte Hannen-Brauerei verschwand als eigenständiges Unternehmen von der Bildfläche.
Rückkehr unter vertrauter Hand
Ein glücklicher Zufall führte jedoch 2022 zu einem neuen Kapitel. Am 1. April 2022 übernahm die Privatbrauerei Bolten unter der Leitung von Michael Hollmann die Marke Hannen Alt – gemeinsam mit Gatz Alt. Bemerkenswert: Hollmann war viele Jahre zuvor Geschäftsführer bei der Hannen-Brauerei gewesen und kannte die Marke bestens.
Seit dem 9. Februar 2023 ist Hannen Alt nun wieder aus der Korschenbroicher Brauerei Bolten erhältlich – in 0,33-l-Bügelflaschen, später auch in 0,5-l-Flaschen und als Fassbier. Damit hat das Traditionsbier endlich wieder eine Heimat am Niederrhein gefunden.
Veränderungen und Bewahrung
Einige Dinge haben sich jedoch geändert: Das alte Markenzeichen, die berühmte „Hannenfaust“, wird nicht weitergeführt. Dafür setzt Bolten auf die authentische Braukunst und regionale Verankerung. Für viele Fans bedeutet das: Hannen Alt schmeckt endlich wieder so, wie man es in Erinnerung hat.
Das ehemalige Verwaltungsgebäude und Stammhaus der Brauerei in Korschenbroich steht heute unter Denkmalschutz und ist in privater Hand. Die alten Willicher Gebäude werden inzwischen anders genutzt – unter anderem als Supermarkt, Ladenpassage und Stadtwerke.
Fazit: Ein Stück Biergeschichte lebt weiter
Auch wenn die bewegte Geschichte von Hannen Alt durch Übernahmen, Standortschließungen und Besitzerwechsel gekennzeichnet war, so ist das Bier bis heute lebendig geblieben. Dank der Übernahme durch Bolten kehrt es nun zu seinen regionalen Wurzeln zurück.
Für mich – und viele andere treue Altbierfreunde – ist das mehr als nur eine Markenentscheidung: Es ist die Rückkehr eines Lieblingsbiers, das mit Erinnerungen, Geselligkeit und niederrheinischer Tradition untrennbar verbunden ist.
