⚔️ Gedanken am 17. November
Das Vaterunser – ein Gebet der Befreiung
Die ursprüngliche Sprache Jesu
Jesus lehrte seine Jünger ein Gebet, das bis heute im Herzen jedes Christen widerhallt: das Vaterunser. Doch der aramäische Ausdruck, den der Meister gebrauchte, geht weit über das vertraute Bild hinaus. Statt bloß „Vater“ bedeutet er sinngemäß „Kosmische/r Gebärer/in“ – Ursprung und Quelle allen Lebens, Vater und Mutter zugleich.
Der Gelehrte Neil Douglas-Klotz hat in seiner Neuübersetzung gezeigt, welch tiefe Weisheit in den ursprünglichen Worten Jesu liegt. Dort, wo wir traditionell hören:
„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“,
heißt es bei Klotz:
„Löse die Stränge der Fehler, die uns binden, wie wir loslassen, was uns bindet an die Schuld anderer.“
Das Loslassen der Fesseln
Diese Worte offenbaren eine mystische Wahrheit: Schuld sind Stränge, die uns binden. Solange wir an den Fehlern anderer haften, tragen wir selbst deren Last. Erst wenn wir vergeben, lösen wir die Knoten – in uns und im Anderen.
So befreien wir die Gefäße des göttlichen Leibes von Verstopfungen und lassen den heilenden Strom wieder fließen. Vergebung ist kein Akt des Vergessens, sondern ein Sakrament der Befreiung, durch das wir das Herz der Liebe neu öffnen.
Die Templerhaltung der Vergebung
Als Templer erkennen wir: Jeder Akt der Vergebung ist ein Werk am Tempel Gottes, der in uns und zwischen uns gebaut wird. Wer anderen vergibt, vergibt auch sich selbst – und schenkt der Menschheit ein Stück mehr Freiheit, Licht und Frieden.
So erfüllen wir Jesu Wort und tragen dazu bei, dass das Ganze ungehindert in das Licht des Herzens aufsteigt.
Tägliche Templerarbeit
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Sprich:
„O Kosmische/r Gebärer/in, Vater-Mutter Gott, lehre mich das Sakrament der Vergebung. Möge ich, indem ich vergebe, auch mir selbst vergeben und allen Wesen helfen, die Freiheit eines friedvollen Herzens zu erlangen.“ -
Atme mehrmals loslassend durch und gehe in die innere Stille, das Allerheiligste deines Herzens.
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Betrachte die Fesseln der Schuld, an die du noch andere bindest.
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Frage dich: „Will ich wirklich ihre Fehler weiter zu meiner Last machen?“
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Stelle dir vor, wie es sich anfühlt, diese Schuld loszulassen – und wenn dein Herz bereit ist, bitte den Erzengel Raphael um Beistand.
Fazit
Das Vaterunser ist mehr als ein Gebet – es ist eine Lebenshaltung des Loslassens und der Befreiung. In seiner ursprünglichen Tiefe zeigt es uns, wie wir den Fluss göttlicher Liebe ungehindert durch uns strömen lassen können.
So wird aus einem gesprochenen Wort ein gelebtes Sakrament, und der Templer erkennt: Jede Vergebung baut am ewigen Tempel Gottes mit.
