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Bretteville – Château de l’Hôpital, eine wehrlose Stärke des Ordens

Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel und erinnere an Bretteville, auch Château de l’Hôpital genannt, eine Komturei in Frankreich, deren Anfänge im Halbdunkel der Überlieferung liegen. Wann genau unsere Niederlassung gegründet wurde, ist nicht bekannt. Doch mehrere Schenkungsurkunden aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts bezeugen eindeutig, dass das Ordenshaus zu diesem Zeitpunkt bereits bestand. Es ist durchaus möglich, dass seine Wurzeln sogar bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, in jene frühe Zeit, in der der Orden seine Grundlagen im Westen schuf.

Besitz und wirtschaftliche Bedeutung

Bretteville war eine ausgesprochen landwirtschaftlich geprägte Komturei. Zu ihrem Besitz gehörten mehrere Dörfer, außerdem Mühlen, die eine wichtige Einkommensquelle darstellten. Bereits 1222 verfügte der Orden über ein Haus in Falaise, und seit 1266 auch über ein weiteres Haus in Caen – Zeichen dafür, dass Bretteville nicht nur ländlich, sondern auch in den regionalen Wirtschaftsraum eingebunden war.

Der Landbesitz umfasste etwa 120 Hektar, die teils durch Ordensangehörige, teils durch Pächter bewirtschaftet wurden. Besonders eindrucksvoll ist der überlieferte Viehbestand: Zu Beginn des 14. Jahrhunderts zählte man Pferde, Rinder, 572 Schafe und 40 Schweine. Das im Jahr 1307, anlässlich der Verhaftung der Templer, erstellte Inventar macht deutlich, welch große Rolle unser Orden in der Weidewirtschaft der Region spielte. Bretteville war kein Wehrbau, sondern eine tragende Säule der landwirtschaftlichen Versorgung.

Gebäude und Ausstattung

Die Bestandsaufnahme von 1307 erlaubt einen seltenen Einblick in die bauliche Gestalt der Komturei. Neben der Kapelle und dem Konventsgebäude umfasste die Anlage eine Küche mit Keller, zwei Grangien, einen Getreidespeicher sowie Gerätschaften zur Herstellung von Cidre. Dies zeigt, wie vielfältig und gut organisiert der Wirtschaftsbetrieb war und wie sehr er auf die regionalen Gegebenheiten abgestimmt war.

Eine detailliertere Beschreibung der Gebäude ist allerdings erst aus der Mitte des 15. Jahrhunderts überliefert, also lange nach dem Ende unseres Ordens. Die Kapelle wird dort als „romanisch“ beschrieben – ein Hinweis auf ihr hohes Alter und ihre Entstehung wohl noch in der frühen Phase der Niederlassung.

Niedergang nach 1307

Nach den Verhaftungen von 1307 gerieten Bretteville und seine Güter zunächst unter königliche Verwaltung. 1309 wurden die beweglichen Güter verkauft, der übrige Besitz verpachtet. Diese Maßnahmen hatten vor allem für den Baubestand katastrophale Folgen: Ohne Pflege und ohne Ordensgemeinschaft verfielen die Gebäude rasch.

Mit der Aufhebung unseres Ordens ging Bretteville 1312 an die Johanniter über. Doch auch sie konnten den fortschreitenden Verfall nicht dauerhaft aufhalten. Schließlich wurden die romanische Kapelle und die übrigen Gebäude zu Beginn des 19. Jahrhunderts zerstört.

So ist von Bretteville heute nichts mehr sichtbar. Doch in den Inventaren, Urkunden und Zahlen lebt die Erinnerung an eine Komturei fort, die durch Ackerbau, Viehzucht und kluge Verwaltung wirkte. Für uns Templer war Bretteville kein Ort des Kampfes, sondern ein Ort der tragenden Arbeit – still, ertragreich und für das Ganze des Ordens unverzichtbar.

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