✠✠✠✠✠✠ ASTO TEMPLER-BLOG ✠✠✠✠✠✠

Die Beichte

Wahrheit und Vorwurf

Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel. Und ich schreibe über die Beichte, weil kaum ein anderes Thema im Prozess gegen uns so sehr missverstanden – oder bewusst verfälscht – wurde wie dieses.

Unsere Ordensregel verpflichtete uns, die Beichte in der Regel bei den Kaplänen des Ordens abzulegen. So heißt es ausdrücklich, dass ein Bruder seine Sünden einem Kaplan des Tempels zu bekennen habe, sofern ein solcher zur Verfügung stehe (§ 354). Diese Vorschrift war kein Zeichen von Absonderung, sondern Ausdruck klösterlicher Ordnung. Der Ordenskaplan kannte unsere Regel, unsere Lebensweise und die besonderen geistlichen Gefahren, denen ein bewaffneter Ordensbruder ausgesetzt war.

Im Prozess jedoch wurde aus dieser Regel ein Vorwurf geformt. Man behauptete, wir hätten uns der kirchlichen Ordnung entzogen, fremde Priester verachtet oder uns gar selbst die Absolution erteilt. Dies ist eine bewusste Verdrehung der Tatsachen. Denn dieselbe Einschränkung findet sich auch in den Regeln anderer anerkannter Orden: bei den Zisterziensern, bei den Franziskanern und selbst bei den Rittern des Deutschen Ordens. Niemand käme auf den Gedanken, ihnen daraus einen Vorwurf der Ketzerei zu machen.

Die Wirklichkeit war schlicht und praktisch. Nicht jedes Ordenshaus verfügte jederzeit über einen Kaplan. Viele unserer Niederlassungen waren klein, lagen auf dem Land oder an entlegenen Orten. In solchen Fällen beichteten wir ganz selbstverständlich bei anderen Priestern: bei Weltgeistlichen ebenso wie bei Brüdern der Franziskaner, Dominikaner oder Karmeliter. Die Prozessakten selbst bezeugen zahlreiche solcher Beichten. Wären wir an ein striktes Verbot gebunden gewesen, hätten diese Akte nicht stattfinden dürfen – und doch fanden sie statt, offen und ohne jeden Tadel.

Die Regel war also kein Bollwerk gegen die Kirche, sondern eine interne Ordnungsvorschrift, wie sie jedem klösterlichen Verband eigen ist. Dass man sie im Prozess als Beweis für Ungehorsam oder geheime Lehre missbrauchte, zeigt weniger unsere Schuld als den Willen der Ankläger, aus Disziplin einen Verdacht zu machen.

Für uns Templer war die Beichte niemals ein bloßer Formalakt. Sie war ein notwendiger Schritt zur inneren Reinigung. Wir wussten, dass ein Mann, der das Schwert trägt, sein Gewissen umso sorgfältiger prüfen muss. Wer uns hier Unaufrichtigkeit vorwarf, verkennt nicht nur unsere Regel, sondern auch unseren Glauben.

So bleibt festzuhalten: Die Beichte trennte uns nicht von der Kirche – sie band uns an sie. Und was man uns im Prozess zum Vorwurf machte, war in Wahrheit gelebte Ordenspraxis, wie sie viele Gemeinschaften unserer Zeit teilten.

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