Gedanken am 19. Oktober

Es gibt einen weitverbreiteten Mythos, der von sogenannten
guten und schlechten Gefühlen handelt. »Gute« Emotionen
wie Liebe, Freude und Frieden gelten als Tugenden.
»Schlechte« Gefühle wie Zorn, Eifersucht und Traurigkeit
gelten als Laster. Dies ist ein weiteres Beispiel für den kindlichen
Irrglauben, Gut und Böse seien deutlich erkennbare
Gegebenheiten, wie verschiedenfarbige Kieselsteine. Wenn
wir nie Zorn verspürt hätten, hätten wir auch kaum ein
Gefühl dafür entwickeln können, wann unsere Grenzen verletzt
werden und wir uns in acht nehmen und möglicherweise
bestimmte Konsequenzen ziehen sollten. Hätten wir
nie die Qualen der Eifersucht erlitten, hätten wir nur wenig
Grund, die Fähigkeit in uns zu kultivieren, uns über das
Glück anderer zu freuen. Wenn die Wahrnehmung der Unbeständigkeit
aller Dinge uns nicht traurig machte, hätten
wir keine Veranlassung, uns auf die Suche nach dem Heimweg
zu Gott zu machen. Gefühle gehören zu unseren wertvollsten
Lehrmeistern, solange wir nicht versuchen, sie zur
Rechtfertigung unseres Standpunkts zu gebrauchen.

Tägliche Templerarbeit:
Verweile für einige Minuten im Gebet der Sammlung oder in der
Shamatha-Vipassana-Meditation.Rufe dir ins Gedächtnis zurück,
wie du gestern Gefühle erlebt und ausgedrückt hast. Wenn es dir
schwerfallt, Gefühle eher als Lehrer denn als Belege für die Richtigkeit
deines Standpunkts zu betrachten, bitte Raphael um Hilfe.
Wenn du merkst, daß du damit ernsthaft Probleme hast, könnte es
vielleicht nicht schaden, esmit der einen oder anderen Art von Therapie
zu versuchen. Achte auch heute weiterhin darauf, wie du
deine Gefühle ausdrückst und was du damit beabsichtigst.

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