Arbeiten bis 80 – Kann ich noch auf die Rente setzen?
Ich schreibe als Templer, als Wächter des Maßes und der Gerechtigkeit zwischen den Zeiten. Denn die Rente ist kein Vertrag zwischen Mensch und Staat allein – sie ist ein Bund zwischen den Generationen. Und wie jeder Bund steht er unter dem Gesetz des Gleichgewichts.
Generationengerechtigkeit – das Fundament der Rente
Als Ende der 1950er Jahre das Umlageverfahren in der gesetzlichen Altersvorsorge eingeführt wurde, ruhte es auf einem einfachen, aber starken Gedanken: Jede Generation trägt Verantwortung für die andere. Die Arbeitenden finanzieren die Alten, so wie sie zuvor ihre Kinder großziehen und ihnen Bildung ermöglichen. Im Gegenzug vertrauen sie darauf, später selbst getragen zu werden.
Dieses Vertrauen ist der unsichtbare Mörtel des Systems – ohne ihn zerfällt jede Ordnung.
Vom Überfluss zum Mangel: Der demografische Wandel
Zur Zeit der Einführung kamen auf eine Rentnerin oder einen Rentner rund sechs Beitragszahlende. Heute sind es etwa zwei – und nach dem Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand wohl noch weniger. Sinkende Geburtenzahlen und steigende Lebenserwartung haben das Gleichgewicht verschoben.
Kein Wunder also, dass viele 30-Jährige zweifeln, ob sie sich noch auf dieses System verlassen können.
Die Rente ist robuster, als sie scheint
Und doch: Im Kern ist das System stabil. Seit den 1990er Jahren wird die gesetzliche Rente zunehmend durch Steuergelder gestützt. Der Staat – und damit die Gemeinschaft – hat sich damit selbst zum Garanten gemacht. Institutionen wie die Deutsche Rentenversicherung zeigen: Das System wird nicht einfach fallen gelassen.
Reformen sind daher nicht nötig, um einen Kollaps zu verhindern. Sie sind nötig, um zu entscheiden, wer welche Last trägt:
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Wie hoch sind Beiträge?
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Wie viel Steuergeld fließt?
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Wie hoch ist das Rentenniveau in 30 oder 40 Jahren?
Das Renteneintrittsalter – Maßzahl der Zeit
Eine zentrale Stellschraube ist das Renteneintrittsalter. Die Anhebung auf 67 Jahre bis 2031 ist bereits beschlossen. Doch als Templer frage ich weiter: Reicht das?
Ein diskutierter Ansatz ist das dynamische Renteneintrittsalter, das mit der Lebenserwartung wächst. Die Wirtschaftsweise haben vorgeschlagen, das Verhältnis von Arbeitszeit zu Ruhestand festzuschreiben.
Heute gilt ungefähr:
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40 Jahre Arbeit
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20 Jahre Ruhestand
Ein Verhältnis von 2:1.
Überträgt man dieses Maß auf einen Jahrgang wie 1996, ergäbe sich ein Renteneintrittsalter von rund 68 Jahren und fünf Monaten – etwa anderthalb Jahre länger als nach heutigem Recht.
Nicht bis 80 arbeiten – aber etwas länger als heute.
Mehr Arbeitende – stärkste Säule der Stabilität
Noch wirksamer als jede Altersgrenze ist die Zahl der Menschen, die arbeiten. Besonders hier liegt ungenutztes Potenzial: Frauen. Rund die Hälfte arbeitet in Deutschland in Teilzeit, bei Männern sind es nur etwa 11 %.
Eine bessere Kinderbetreuung könnte vielen Frauen ermöglichen, mehr oder vollzeitig zu arbeiten. Auch steuerliche Regelungen wie das Ehegattensplitting wirken heute oft bremsend: Es begünstigt Paare mit stark unterschiedlichen Einkommen und setzt Anreize, dass meist Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren.
Die Lehre des Templers
Die Rente ist kein Versprechen auf Bequemlichkeit, sondern ein Ritual des Ausgleichs. Sie funktioniert, wenn Arbeit, Lebenszeit und Solidarität im rechten Maß stehen.
Für die Babyboomer ist die Rente sicher. Für die heute 30-Jährigen wird sie anders aussehen – vielleicht später, vielleicht niedriger, vielleicht stärker steuerfinanziert. Doch sie wird da sein, solange wir bereit sind, das System gerecht weiterzuentwickeln.
Denn jede Ordnung, die die Zukunft achtet, beginnt mit einer ehrlichen Antwort auf die Frage:
Wie viel sind wir bereit, füreinander zu tragen – heute, damit morgen Bestand hat?
