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⚔️ Gedanken am 23. September

Die geöffneten Pforten – Reinigung im Herbst

Das Tor zur Unterwelt

Seit dem Durchgang durch das Äquinoktium sind die Pforten der Unterwelt geöffnet. Wir treten ein in jene Zeit, die für den Templer einem kosmischen Kellerputz gleicht. Alles, was verborgen war, alles Unausgesprochene, alles Verdrängte steigt nun empor, damit es betrachtet, erkannt und geläutert werden kann.

Im Judentum spiegeln sich diese Mysterien in den hohen Feiertagen Rosch Ha-Schana (Neujahr) und Jom Kippur (Versöhnungstag). Zwischen ihnen liegen zehn Tage, in denen, so sagt man, die Tore des Himmels offenstehen. Diese Zeit gilt als die heiligste des Jahres – Tage der ehrlichen und mutigen Selbsterforschung.

Der Weg der Läuterung

In dieser Periode werden unerledigte Angelegenheiten ins Bewusstsein gehoben. Man gesteht Unrecht ein – gegenüber sich selbst, gegenüber anderen und gegenüber Gott. Man sucht Versöhnung, leistet Wiedergutmachung, und wo nötig, schenkt man Vergebung für erlittenes Unrecht.

So wird das Gewissen gereinigt, das Herz erleichtert, und die Seele empfängt Flügel. Geläutert kann sie sich durch das Himmelstor erheben, frei und unbeschwert.

Für den Templer bedeutet diese Zeit eine Übung in Demut, Wahrhaftigkeit und innerer Reinigung. Denn nur wer sein eigenes Haus kehrt, kann ein würdiger Träger des Lichtes sein.

Templerarbeit

Sprich am heutigen Herbstmorgen folgendes Gebet – still oder laut:

„Göttlicher Geliebter, ich wache an diesem Herbstmorgen voll Dankbarkeit auf.
Ich bin bereit, alles Bedauern, allen Groll und alle unbewussten Gedanken und Einstellungen, die mich von Dir und von anderen trennen, aufzugeben.
Ich öffne die Tür meines Herzens und bitte Dich herein.
Kehre mich aus, auf dass ich der Liebe und Freude gewahr werde, die meine wahre Natur sind.
Kehre mich aus, auf dass mein Leben ein Segen sein möge für andere und für Dich.“

Verweile anschließend einige Minuten in der Stille des Gebets der Sammlung oder in der Shamatha-Vipassana-Meditation.

Frage dich:

  • Kannst du dich an einen Traum der letzten Nacht erinnern?

  • Träumst du jetzt?

Setze deine Traumübungen fort, damit das Unbewusste seine Botschaften in der wachsenden Dunkelheit des Jahres entfalten kann.

Fazit

Die herbstliche Zeit ist nicht nur ein Abschied vom Licht, sondern ein heiliger Übergang: ein Ruf zur Reinigung, zur Versöhnung, zur Befreiung. Die Pforten der Unterwelt und des Himmels stehen zugleich offen – und wer den Mut hat, hindurchzugehen, wird geläutert hervortreten.

Non nobis, Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam.

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