Seit wann feiern wir Jesus Geburt?
Ich schreibe als Bruder des Ordens vom Tempel, dem das Kreuz anvertraut ist und das Gedächtnis an Christus, unseren Herrn. Wenn wir vom Schwert sprechen, denken viele an Kampf; doch unser eigentlicher Ursprung liegt im Geheimnis der Menschwerdung: Gott wurde Mensch, arm und wehrlos, geboren in der Nacht. Darum ist die Frage nach der Feier seiner Geburt mehr als eine kalendarische – sie ist eine Frage des Glaubens.
In den ersten Jahrhunderten der Christenheit wurde die Geburt Jesu Christi nicht in der Weise gefeiert, wie wir es heute kennen. Die junge Kirche war geprägt von Verfolgung und Erwartung der baldigen Wiederkunft des Herrn. Wichtiger als der Geburtstag war das Gedächtnis seines Leidens, seines Todes und seiner Auferstehung. Manche Gemeinden erinnerten sich an Christi Geburt gemeinsam mit seiner Taufe, besonders am Fest der Epiphanie, ohne ein festes Datum zu kennen.
Erst im 4. Jahrhundert nach Christus setzte sich in der Kirche des Westens der 25. Dezember als Tag der Geburt des Herrn durch. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein bedeutender Gedanke war, ein bestehendes heidnisches Fest zu überformen: die Wintersonnenwende, an der das Licht wieder zunimmt. So wurde Christus als das wahre „Licht der Welt“ verkündet, das in die Dunkelheit der Welt gekommen ist – nicht durch Gewalt, sondern durch Demut.
Seit jener Zeit begeht die katholische Kirche das Weihnachtsfest in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Die Feier beginnt mit der Vigil am Abend, der Christmette in der Nacht und setzt sich in den folgenden Tagen fort. Dieser Brauch hat sich weit über Rom hinaus verbreitet und prägt bis heute die christliche Welt, wenn auch in unterschiedlicher Gestalt.
Als Templer kannten wir Weihnachten nicht als festliches Übermaß, sondern als stilles Hochfest. In unseren Kommenden wurde gebetet, gesungen und das Geheimnis der Menschwerdung betrachtet. Ob in Jerusalem, Akkon oder in den Ländern des Abendlandes – überall erinnerten wir uns daran, dass der König der Könige in Armut geboren wurde. Regionale Bräuche mochten verschieden sein, doch der Kern blieb derselbe: Christus ist gekommen, um die Welt zu erlösen.
So feiern wir seine Geburt nicht, weil wir den genauen Tag kennen, sondern weil wir die Wahrheit bekennen: Gott ist Mensch geworden. Und jedes Jahr, wenn die Nächte am dunkelsten sind, entzündet die Kirche das Licht neu – ein Licht, das kein Schwert löschen kann.
