Corona: Vierte Impfung – was denn jetzt?

Macht die vierte Impfung auch für Jüngere Sinn – und was weiß man schon über den Omikron-Impfstoff? Wie bieten euch Orientierung.

Wieso gab es Verwirrung um die vierte Impfung?
Zur Klarheit kurz zu den Begriffen: Die „vierte Impfung“ und der „zweite Booster“ meinen bei den Corona-Impfungen dasselbe. Nämlich: Die Grundimmunisierung mit zwei Impfdosen (= erste und zweite Impfung) plus den ersten Booster (= dritte Impfung) plus den aktuell viel diskutierten zweiten Booster (= vierte Impfung).
Und zumindest das ist auch klar: Derzeit empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland die vierte Impfung nur für Risikogruppen. Genauer für:

Menschen über 60 Jahre
Bewohner:innen und Betreute in Pflegeeinrichtungen
Menschen mit Immunschwäche ab fünf Jahren
Menschen, die in medizinischen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen arbeiten (insbesondere bei direktem Kontakt mit Patient:innen und Bewohner:innen)
Verwirrung durch widersprüchliche Aussagen
Während die Stiko die vierte Impfung eben nur für Risikogruppen empfiehlt (eine Impfung für Jüngere auf Wunsch aber möglich ist), legte Gesundheitsminister Karl Lauterbach im Sommer in einem Spiegel-Interview auch gesunden Jüngeren die vierte Impfung nahe: „Wenn jemand den Sommer genießen will und kein Risiko eingehen will zu erkranken, dann würde ich in Absprache natürlich mit dem Hausarzt auch Jüngeren die Impfung empfehlen“.

Später stellte er aber klar, dass er dies nicht als allgemeine Empfehlung an alle gesunden Jüngeren verstanden wissen wollte.

Anfang August forderte er dann erneut klare Empfehlungen auch für jüngere Altersgruppen, wann eine vierte Impfung sinnvoll sei. Spätestens wenn die neuen, an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe da seien, „sollte es klare Ansagen auch für die unter 60-Jährigen geben“. Stand September gibt es für gesunde Jüngere aber weiterhin keine Empfehlung zur vierten Impfung durch die Stiko. Sie können weiterhin nur individuell in Absprache mit ihrem Hausarzt eine vierte Impfung erhalten.

Ab 50 oder 60?
Verwirrend ist auch, ab welchem Alter eine vierte Impfung wirklich belegbare Vorteile hat: Die Stiko empfiehlt sie mittlerweile ab 60 (vorher ab 70), ebenso die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die USA ab 50. Und was weiß man über die Wirksamkeit der Omikron-Impfstoffe?

Was also ist jetzt mit der vierten Impfung? Wir schauen: Wo kann man schon klare Aussagen treffen – und wo noch nicht? Wir gehen Punkt für Punkt mit euch durch.

Das Wichtigste schon mal in Kürze:
Die vierte Impfung verstärkt bei den Risikogruppen deutlich den Schutz gegen schwere Erkrankung und Tod durch Covid-19.
Für gesunde Jüngere sehen Gesundheitsbehörden aktuell keinen ausreichenden Vorteil, um den zweiten Booster generell zu empfehlen.
Ob die vierte Impfung gegen Long Covid schützt, ist noch unklar. Diese Frage ist noch nicht ausreichend erforscht.
Wahrscheinlich schützen die an die Virusvariante Omikron angepassten Impfstoffe etwas besser vor einer Infektion im Herbst. Das ist aber noch nicht durch Studien belegt.
Artikel Abschnitt: Wovor schützt die vierte Impfung?
Wovor schützt die vierte Impfung?
Um es kurz zu machen: Studien in unterschiedlichen Ländern ergaben, dass die vierte Impfung bei Risikogruppen den Schutz vor schwerer Erkrankung und Tod erfolgreich verstärkt.
So zeigten etwa Studien in Israel mit älteren Menschen, dass diese mit der vierten Impfung mehr als 60 Prozent besser vor schwerer Erkrankung geschützt waren als die Gruppe mit nur drei Impfungen – und um mehr als 70 Prozent besser vor Tod durch Covid-19.

Besonders bei aktueller Infektionslage sinnvoll
Eine Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC bei Proband:innen über 50 Jahren zeigte eine Wirksamkeit der vierten Impfung von 80 Prozent gegen Hospitalisierungen – hier im Vergleich zu Ungeimpften.

Hinzu kommt: Die derzeit vorherrschende Virusvariante Omikron BA.5 ist besonders ansteckend, immer mehr Menschen infizieren sich trotz dritter Impfung. Besonders vor diesem Hintergrund ist die Erhöhung des Schutzes für Risikogruppen sinnvoll.

Hat die vierte Impfung keine Vorteile für gesunde jüngere Menschen?
Für Jüngere hat sich in Studien gezeigt: Auch Monate nach der dritten Impfung blieb der Schutz vor schwerer Erkrankung oder Tod noch hoch.
So lag in einer Studie der US-Gesundheitsbehörde CDC die Wirksamkeit nach zwei Monaten bei 91 Prozent, nach vier Monaten noch immer bei 78 Prozent – im Vergleich zu Ungeimpften.

Immunologen gehen davon aus, dass der Schutz auch über die bisher untersuchten vier Monate Bestand hat – wie lange genau, ist noch nicht geklärt. Eine vorläufige Studie aus Israel deutet an, dass der Schutz auch nach sieben Monaten noch stabil blieb.

Und was ist mit dem Schutz vor Ansteckung?
Eine andere Motivation für die vierte Impfung könnte sein, zumindest kurzzeitig den Schutz vor Ansteckung erhöhen zu wollen. Es gibt generell bislang nur wenige Studien, bei denen der Effekt der vierten Impfung gezielt nur bei Jüngeren untersucht wurde – dort interessierte die Forschenden aber nur das Infektionsrisiko bei Beschäftigten im Gesundheitswesen.

Eine Studie aus Israel stellte dort beim Schutz gegen Infektionen eine Wirksamkeit von 30 Prozent (bei Biontech) und 11 Prozent (bei Moderna) fest. Viele derjenigen, die sich infizierten, hatten relativ hohe Viruslasten – auch mit vierter Impfung. Die vierte Impfung mit dem klassischen Impfstoff scheint nach dieser Studie also nur in geringem Maße vor Infektionen zu schützen.

Leichte Vorteile für Mitarbeiter:innen im Gesundheitswesen?
Eine neuere Studie vom August 2022, ebenfalls bei Beschäftigten in Krankenhäusern, kam zu etwas besseren Ergebnissen: Bei den untersuchten knapp 30.000 Mitarbeitern kam es bei knapp 20 Prozent der Proband:innen mit drei Impfungen zu einer Durchbruchsinfektion. Bei den Beschäftigten mit vier Impfungen waren es nur knapp sieben Prozent. Hier zeigte die vierte Impfung also Vorteile beim Infektionsschutz – und auch für den Erhalt des medizinischen Betriebs in den Krankenhäusern ist das eine relevante Verbesserung.

Für Beschäftigte im Gesundheitswesen empfiehlt auch die Stiko in Deutschland eine vierte Impfung.
Für jüngere Gesunde bislang keine ausreichenden Vorteile
Zusammen mit der Tatsache, dass auch schon die dritte Impfung bei Jüngeren langfristig vor schweren Verläufen schützt und es in dieser Altersgruppe ohnehin vergleichsweise wenige Hospitalisierungen wegen Covid-19 gibt, sehen die Gesundheitsbehörden bislang für jüngere, gesunde Menschen keine ausreichenden Vorteile, um allen eine vierte Impfung zu empfehlen.

Das trifft auf die deutsche Stiko zu, ähnlich urteilt aber auch die EMA und auch die US-Gesundheitsbehörde CDC. Sie urteilten anfangs allerdings unterschiedlich bei der Altersgrenze, ab der sie die vierte Impfung empfehlen.

Ab welchem Alter sollte man sich ein viertes Mal impfen?
Dass die vierte Impfung für ältere Menschen den Schutz vor schweren Verläufen und Tod erhöht, ist gut belegt – aber was genau heißt „älter“? Auch das sorgte für Verwirrung: Bei der Altersgrenze, ab der zum zweiten Booster geraten wird, unterschieden sich die Empfehlungen der Gesundheitsbehörden deutlich.
Die Stiko in Deutschland empfiehlt die vierte Impfung mittlerweile für Menschen ab einem Alter von 60 Jahren (zuvor war die Empfehlung ab 70 Jahren) – so wie es auch die EMA und die europäische Gesundheitsagentur ECDC tun. Und die US-amerikanischen und australischen Gesundheitsbehörden empfehlen die vierte Impfung schon für alle ab 50.

Stiko betrachtet das Risiko für den Einzelnen
Die Stiko bezog sich in ihrer Empfehlung zunächst auf das Infektionsgeschehen in Deutschland Anfang 2022 – und die erste Omikron-Infektionswelle, die sich damals abzeichnete. Dabei zeigte sich erst bei den über 70-Jährigen ein starker Anstieg von schweren Erkrankungen.

Auch die Daten aus den wenigen schon vorhandenen Studien belegten damals aus Sicht der Stiko, dass in Deutschland nur bei über 70-Jährigen relevante Vorteile durch die vierte Impfung zu erwarten seien. Doch die Stiko wertet fortlaufend neuere Studien und das aktuelle Corona-Infektionsgeschehen aus – und hat ihre Empfehlung von 70 plus auf 60 plus geändert.

Wichtig ist: Bei der Beurteilung durch die Stiko ist maßgeblich, dass die zu erwartenden Vorteile durch die Impfung für den Einzelnen größer sind als die Risiken durch eventuelle Nachteile – wie Herzmuskelentzündungen oder andere schwere Nebenwirkungen, die in sehr seltenen Fällen nach den Impfungen auftreten können.

EMA schaut auf Infektionsgeschehen in ganz Europa
Die europäischen Gesundheitsagenturen EMA und ECDC blicken hingegen auf das Infektionsgeschehen in ganz Europa. Dabei versuchen sie, mit aufwendigen mathematischen Modellen die Risiken des Corona-Infektionsgeschehens und den Nutzen der Impfungen für die Zukunft (genauer: für die nächsten Wochen und Monate) abzuschätzen – um so Politiker:innen eine Orientierung für vorausschauendes Handeln zu bieten.

Diese Modelle legen derzeit nahe, dass zu Beginn einer größeren Infektionswelle die vierte Impfung für Ältere ab 60 Jahren besonders effektiv ist. Anfang Juli 2022 konstatierten EMA und ECDC, dass in Europa eine solche neue Infektionswelle mit der Omikron-Virusvariante BA.5 einsetzt. Sie empfahlen deshalb schon da einen sofortigen zweiten Booster für alle ab 60, um drohende Überlastungen des Gesundheitssystems zu verhindern.

In den USA: 2. Booster schon für alle ab 50
Das empfiehlt deren Gesundheitsbehörde CDC. Eine größere Studie der Behörde zeigte bei der Altersgruppe über 50:

80-prozentiger Schutz vor schwerer Erkrankung nach der vierten Impfung (bei den Omikron-Varianten BA.2 und BA.2.12.2)
55-prozentiger Schutz vor schweren Erkrankungen bei Menschen, die dreimal geimpft waren. Die dritten Impfungen lagen aber meist schon vier Monate oder länger zurück.
Außerdem zeigte sich: Das Risiko, an Covid-19 zu versterben, war für US-Amerikaner in der Altersgruppe 50+ viermal so hoch, wenn sie nur drei Impfungen erhalten hatten statt vier.

Das klingt erst mal sehr gravierend, allerdings muss man dazusagen: Auch schon nach der dritten Impfung war die Sterberate niedrig – sie lag bei 0,65 Verstorbenen pro 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Die Covid-19-Sterberate bei Menschen ganz ohne Corona-Impfung lag im Mai in den USA bei rund 5,5 pro 100.000 Einwohner.

Schützt die vierte Impfung vor Long Covid?
Wie gut Corona-Impfungen auch vor Long Covid schützen, ist ohnehin noch nicht gut durch Studien belegt – und noch weniger Daten gibt es dazu, inwieweit die vierte Impfung einen Schutz gegen Long Covid aufbaut.
Mehr zu Long Covid findest du hier.

Vor einigen Wochen äußerte sich Gesundheitsminister Karl Lauterbach in einem Spiegel-Interview zwar sehr optimistisch: Nach der vierten Impfung sei das Long-Covid-Risiko „deutlich reduziert für ein paar Monate“.

Wenige Studien, unterschiedliche Ergebnisse
Das Robert-Koch-Institut (RKI) hingegen formuliert da deutlich vorsichtiger. Zur Frage, inwieweit man Long Covid vorbeugen könne, schreibt es:

„Erste Studienergebnisse liefern Hinweise darauf, dass die Covid-19-Impfung das Risiko für Long-Covid-Symptome reduzieren kann. Geimpfte Personen entwickelten seltener Long-Covid-Symptome als Ungeimpfte (beispielsweise Erschöpfung (Fatigue), Kopfschmerzen, anhaltende Gliederschmerzen, Kurzatmigkeit oder kognitive Fehlleistungen). Laut einer Studie war dieser Effekt zudem abhängig von der Anzahl der erhaltenen Impfungen: Unter 3-fach Geimpften traten seltener Long-Covid-Beschwerden auf, als bei 2-fach geimpften Personen.“

Doch insgesamt sei die Studienlage derzeit noch nicht klar und eindeutig genug für ein eindeutiges Urteil, viele der Studien hätten „teils deutliche Limitationen“ und seien vor dem Auftreten der Omikron-Variante durchgeführt worden.

Einhalten der Schutzmaßnahmen
„Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand ist die beste Möglichkeit (zur Vorbeugung von Long Covid) das Vermeiden einer SARS-CoV-2-Infektion durch die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen.“

Fazit: Derzeit kann man sich beim Schutz vor Long Covid nicht auf die Impfungen verlassen, das geben die bisherigen Studiendaten nicht her.

Wie viel Abstand sollte zwischen dritter und vierter Impfung liegen?
Die Antwort für die Risikogruppen ist klar, für die Gruppe der gesunden Jüngeren ist sie wieder komplizierter.

So, jetzt zu den Jüngeren. Da ist die eine Frage: Ab wann hätte eine erneute Impfung nennenswerte Vorteile gegenüber dem Schutz, den die dritte Impfung ohnehin noch bietet – und das lässt sich eben anhand der bisherigen Studien derzeit noch nicht sagen.
Kann zu früh boostern auch schaden?
Die zweite Frage ist, inwiefern sich gesunde Jüngere auch „zu früh“ boostern lassen könnten und in der Folge dann kaum Vorteile hätten – oder vielleicht sogar einen schlechteren Immunschutz. Das wird unter Wissenschaftler:innen gerade diskutiert. Es fehlen aber noch Studien, die für die Corona-Booster solche bremsenden oder negativen Effekte bei kurzen Impfabständen genauer belegen.

Konkret: Einige Forschende wie der Immunologe Andreas Radbruch sind überzeugt, dass bei jüngeren Menschen ein zweiter Booster in den ersten sechs Monaten nach der dritten Impfung das Immunsystem beim Aufbau eines Langzeitschutzes stören könnte.

Dieser Vorgang wird Affinitätsreifung genannt: Über eine Zeit von sechs Monaten und mehr verbessert das Immunsystem nach einer Impfung (oder einer Infektion) selbstständig die Qualität der Antikörper, sodass sie bei künftigen Infektionen das Virus noch effektiver bekämpfen können.

Längerer Abstand = immunologisch von Vorteil?
Andreas Radbruch und etwa auch der Immunologe Carsten Watzl vermuten, dass frühe Booster-Impfungen diese Reifung unterbrechen könnten, da das Immunsystem als Schnellreaktion auf die erneute Impfung wieder eine hohe Zahl frischer, „unausgereifter“ Antikörper bilde. „Man hat dann in dem Moment zwar mehr, aber schlechtere Antikörper“, schrieb Andreas Radbruch Quarks auf Anfrage.

Die Stiko empfiehlt dem Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen einen Abstand von mindestens sechs Monaten bei der vierten Impfung, da „ein längerer Impfabstand für den Langzeitschutz immunologisch günstiger ist.“

Alle drei Monate boostern? „Medizinisch unsinnig“
Das neue Infektionsschutzgesetz, das ab Oktober gelten soll, hat die Diskussionen über den optimalen Impfabstand noch mal aufflammen lassen. Denn für die Bundesländer gibt es eine mögliche, aber nicht verbindliche Ausnahmeregelung zur Maskenpflicht bei Freizeit-, Sport- und Kulturveranstaltungen oder in der Gastronomie: Wer vor maximal drei Monaten eine abschließende Corona-Impfung erhalten hat, bräuchte demnach dann dort keine Maske tragen.

Wie genau diese Dreimonatsregel medizinisch begründet wird, ist bislang unklar. Offenbar geht man davon aus, dass die neuen, an die Omikron-Virusvarianten angepassten Impfstoffe zwölf Wochen lang wieder ausreichend Schutz vor Infektionen bieten werden. Daten dazu gibt es bisher nicht.

Die Kritik: Diese Regel könnte gerade auf gesunde Jüngere Druck ausüben, sich nur für den uneingeschränkten Zugang zu Restaurants oder Konzerten ein viertes und nach weiteren drei Monaten auch ein fünftes Mal impfen zu lassen. Karl Lauterbach hat aber dementiert, dass das Absicht der geplanten Ausnahmeregel sei. Mehrfaches Boostern in kurzen Abständen sei „medizinisch unsinnig“, davon würde er „absolut abraten“.

Was weiß man über die Omikron-Impfstoffe?
Seit September werden in Deutschland die an die Virusvariante Omikron BA.1 angepassten Impfstoffe der Pharmafirmen Moderna und Biontech in Europa ausgeliefert.
Es wird zwar davon ausgegangen, dass sie wahrscheinlich besser vor Omikron-Varianten schützen – aber wie wirksam sie in der Realität sein werden, ist noch unklar. Dazu unten gleich noch mehr.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat die an die Variante BA.1 angepassten Impfstoffe am Anfang September zugelassen und wenige Tage später auch den neusten Impfstoff für die Varianten BA.4 und BA.5.

Mittlerweile rät auch die Stiko zu einer Auffrischungsimpfung mit den neuen angepassten Omikron-Vakzinen. Für die vierte Impfung beschränkt sich die Empfehlung aber nach wie vor auf bestimmten Gruppen wie Menschen ab 60 Jahren.

Als Impfstoffe verwendet werden könnten dabei sowohl die auf die Omikron-Variante BA.1 angepassten Impfstoffe als auch der auf die Subvarianten BA.4/BA.5 abgestimmte Booster. Laut der Stiko lösten beide im Vergleich zu den bisherigen mRNA-Impfstoffen eine verbesserte Antikörperantwort gegenüber verschiedenen Omikron-Varianten aus. Außerdem sei die Antwort gegen die Variante aus der frühen Phase der Pandemie gleichbleibend gut. Das vorrangige Ziel sei weiterhin „die Verhinderung schwerer Covid-19-Verläufe“.

Die neuen Impfstoffe dürfen angeboten werden
Bislang waren diese Stiko-Empfehlungen für Ärzte und Hausärzte eine wichtige Orientierung. In vielen Betrieben und Gesundheitsämtern in Deutschland werden die an Omikron angepassten Impfstoffe zur Variante BA.1 für Menschen über 60 und die anderen Risikogruppen inzwischen angeboten. Die Impfstoffe zu den Varianten BA.4 und BA.5 werden nach Aussage von Biontech „noch vor der Wintersaison“ verfügbar sein.

Gesunden, jüngeren Menschen unter 60 Jahren wird eine vierte Impfung mit den Omikron-Impfstoffen zwar nicht von der Stiko empfohlen, sie ist aber grundsätzlich in Absprache mit dem Hausarzt möglich.

Der neue an die Omikron-Variante BA.1 angepasste Impfstoff kann also nun in Deutschland genutzt werden. Allerdings wird die Corona-Pandemie schon seit Monaten nicht mehr von der Variante BA.1, sondern von der Variante BA.5 dominiert. Macht es dann noch Sinn, sich mit dem an die Variante BA.1 angepassten Impfstoff impfen zu lassen?

Was ist bislang über die Wirksamkeit der neuen Omikron-Impfstoffe bekannt?
Kurz vorab: Die meisten Experten gehen davon aus, dass beide Omikron-Impfstoffe wahrscheinlich einen etwas besseren Schutz gegen eine Infektion mit der bei uns vorherrschenden BA.5-Variante bieten. Allerdings ist das durch Studien in der Realität noch nicht überprüft worden.

Biontech hat im August 2022 eine Presseerklärung zu ersten Testergebnissen einer klinischer Studie herausgegeben, bei dem die Antikörperreaktionen bei Probanden überprüft wurden.

Demnach wurde der Impfstoff, der an die Omikron-Variante BA.1 angepasst ist, als vierte Dosis getestet – in einer Studie an 1234 Personen im Alter von 56 Jahren und älter. Dabei sollen zwei- bis dreimal so viel neutralisierende Antikörper gegen die Variante BA.1 gebildet worden sein wie nach der Gabe des bisherigen klassischen Impfstoffs.

Was ist mit den Omikron BA.5-Impfstoffen?
Über die konkrete Wirksamkeit der an die Omikron Varianten BA.4 und BA.5 angepassten Wirkstoffe ist noch weniger bekannt. Dazu gibt es (Stand Anfang September 2022) bislang offenbar nur vorklinische Studien, der Impfstoff wurde dabei nur im Labor getestet und die Daten beruhen vor allem auf Mausexperimenten.

Gegenüber den umfangreichen Studien, die bei der ersten Zulassung des herkömmlichen Impfstoffs notwendig waren, sind das natürlich viel weniger Daten. Trotz der begrenzten klinischen Studiendaten schätzt die Stiko die neuen Impfstoffe aber als „sicher und gut verträglich“ ein.

Als Grund nennt sie, dass die Omikron-adaptierten Impfstoffe dieselbe mRNA-Plattform verwenden, wie die bisher erhältlichen mRNA-Impfstoffe. Der Unterschied bestehe also nur in wenigen abgeänderten Nukleotiden und die Immunantwort resultiere auch bei den adaptierten Impfstoffen aus einer Auseinandersetzung mit dem Spikeprotein von SARS-CoV-2.

Vorgehen wie bei Grippe-Impfstoffen?
Die Zulassungsbehörden gehen bei den Corona-Impfstoffen offenbar nun vergleichbar wie bei Grippe-Impfstoffen vor.

Das bedeutet: Wenn der Impfstoff nur in Details (hier: in Teilen der mRNA für das Spikeprotein) verändert wird, müssen nicht mehr so umfangreich Daten für eine Zulassung geliefert werden. Das Bundesministerium für Gesundheit schreibt dazu:

„Das Vorgehen ist vergleichbar mit der jährlichen Anpassung der Grippe-Impfstoffe und hat sich bewährt. Auf diese Weise können die weltweit milliardenfach bewährten mRNA-Impfstoffe schnellstmöglich an die Änderungen der zirkulierenden Virusvarianten angepasst werden und die Bevölkerung gegenüber neuen Varianten geschützt werden.“

Inzwischen ist der angepasste Impfstoff durch die EMA zugelassen worden.

Warten auf die BA.4/BA.5-Impfstoffe?
Sollen Impfinteressenten nun warten, bis die BA.4/BA.5 Impfstoffe verfügbar sind? Das ist insofern schwer zu sagen, weil es ja noch keine empirischen Daten zur tatsächlichen Wirksamkeit gibt. Die Stiko rät aber davon ab zu warten. Entscheidender als die Wahl des konkreten Impfstoffs sei die generelle Inanspruchnahme und Umsetzung der Covid-19-Impfempfehlungen, insbesondere der Auffrischimpfungen.

Die Hersteller haben sich dem SPIEGEL gegenüber „diplomatisch“ geäußert. So sagte Biontech-Gründer Uğur Şahin, dass zwischen den BA.1 und BA.4/BA.5 Impfstoffen grundsätzlich „kein gewaltiger Unterschied“ läge. Andererseits wäre er bei den Impfungen dafür „so nah wie möglich am dominierenden Stamm“ zu bleiben. Das wäre derzeit die Virusvariante BA.5.

In ihrer Zulassung schrieb die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), dass die Omikron-Impfstoffe generell im Vergleich zum herkömmlichen Impfstoff „den Schutz gegen unterschiedliche Virusvarianten erweitern können“. Das Immunsystem könnte demnach neue Virusvarianten besser erkennen, wenn es durch die neuen Impfstoffe auch die Omikron-Variante kennengelernt habe.

Aber noch mal: Wie wirksam dieser vermutete Schutz tatsächlich ist, wird man erst in einigen Monaten nach den ersten empirischen Studien fundierter sagen können. Die Stiko fordert die Impfstoffhersteller jedenfalls „ausdrücklich auf, Postmarketing Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit der Varianten-adaptierten Impfstoffe zu liefern und zu veröffentlichen“.

Was passiert mit den vielen Millionen Impfdosen der herkömmlichen Impfstoffe?
Wenn nun die allermeisten Menschen in Deutschland die Omikron-Impfstoffe bevorzugen – wie viele der bereits eingekauften Impfdosen der herkömmlichen Impfstoffe müssen dann weggeworfen werden? „Keine!“, schreibt dazu das Bundesministerium für Gesundheit und ergänzt:

„Da nicht bekannt ist, wie sich das Virus entwickelt, wird der Wuhan-Impfstoff (also der bisherige erste Impfstoff, Anm. d. Red.) vorsorglich eingelagert. Abhängig von Zulassung und Stiko wird der ursprüngliche Impfstoff auch weiterhin für die Grundimmunisierung eingesetzt. Davon sind (Stand Ende August 2022) noch 98 Millionen Impfstoffdosen in den Beständen des Bundes. Falls Virusvarianten mit neuen Eigenschaften auftauchen, bei denen der alte Impfstoff besser wirkt, sind wir vorbereitet.“

Bisherige Impfstoffe können weiter eingesetzt werden
Und auch die Stiko verweist darauf, dass die bisherigen mRNA-Impfstoffe weiterhin eingesetzt werden könnten. Denn sie schützten unverändert vor schweren Covid-19-Verläufen, auch durch Omikron-Varianten. Entsprechend sollten auch Personen, die vor Kurzem ihre Auffrischimpfungen erhalten haben, keine gesonderte Extra-Impfdosis mit einem angepassten Impfstoff erhalten.

Sonderfall Grundimmunisierung
Ein Sonderfall ist außerdem die Grundimmunisierung, also die erste und zweite Impfdosis. Hier weist die Stiko ausdrücklich darauf hin, dass die adaptierten Impfstoffe dafür bisher nicht zugelassen sind. Entsprechend seien in dem Fall unverändert die herkömmlichen, zugelassenen Impfstoffe einzusetzen.

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