⚔️ Templer in Spanien

Das mittelalterliche Spanien teilte sich bis in die frühe Neuzeit in mehrere unabhängige Herrschaftsgebilde, zur Wirkungszeit der Templer waren dies: Kastilien (inklusive Léon), Aragon (ab den 70er Jahren des 12. Jhds. inklusive der Grafschaft Barcelona, ab 1230 Mallorca und ab den 1280er Jahren inklusive Süditalien und Sizilien), Navarra (ab 1286 bis ins 14. Jhd. unter der Regierung des französischen Königs). Der Süden der Halbinsel befand sich in moslemischer Hand.

Schon 1128 reisten einige Gefährten von Hugues de Payens durch die spanischen Lande. 1131 vermachte der aragonesische König Alfons I. sein Reich den Templern, Johannitern und den Kanonikern des Heiligen Grabes, doch die politischen Ereignisse nach dem Tod des Königs machten die Ausführung dieses Testaments unmöglich. Der katalanische Graf Raimond-Berengar IV. wurde schliesslich als legitimer Erbe des Königreichs Aragon anerkannt. Aber erst 1143 wurde im sogenannten Pakt von Girona die Frage des Testamentes von Alfons I. endgültig geklärt: der Templerorden erhielt grosse Schenkungen für das Abstehen von allen ihm im Testament zugedachten Rechten, zum Beispiel die Burgen von Monzón, Montgai, Xalamera, Barberà, weitere große Güter, den Zehnten von allem Land, was man von den Mauren zurückerobert hatte und weiterhin würde. Weiterhin verzichtete der Graf auf den fünften Teil der Ländereien, die man noch von den Muslimen erobern würde – Was diese Umsetzung betraf, wurden die Ordensbrüder je nach Sachlage auch mit beweglichen Gütern entschädigt. Der Pakt von Girona erlaubte den Templern auch, Burgen an der Grenze zu den Sarazenen zu errichten, sowohl die Ordensangehörigen als auch ihre Dienstleute und Pächter waren von Steuern und Zöllen befreit. Auch politisch sicherte sich der Orden Mitspracherecht: es durfte ohne Hinzuziehung der entsprechenden Ordenshierarchie kein Frieden mit den Muslimen geschlossen werden.Die Templer verrichteten jetzt offiziell in Spanien den gleichen Dienst wie im Heiligen Land.

Nach diesem Vertrag von 1143 konnte die Ordensprovinz Aragon/Katalonien geschaffen werden, die als ersten Provinzmeister Pierre de Rovera erhielt. Die Templer waren Teil des königlichen Heeres, unternahmen aber auch eigene Züge in die maurischen Gebiete. 1144 erklärte Raimond-Berengar IV., daß die Templer alle ihre Ländereien in vollständiger Freiheit besäßen und die ungeteilte Gerichtsbarkeit in ihnen. Der König gab ihnen das Recht, den Zehnten und verschiedene Arten des Zolls in ihren Länderein zu erheben. 1143 besaß der Orden bereits 10 Grenzfestungen in Katalonien; 23 weitere folgten in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Ausserdem nannten sie Stadthäuser ihr Eigen, landwirtschaftliche Komtureien und Kirchen ihr Eigen. Die Templer wurden durch den König und den Adel unterstützt und gefördert. Unter denen, die den Orden mit Ländereien, Häusern und Rechten beschenkten, standen die Bischöfe besonders weit vorn, doch muss hinzu gefügt werden, dass mit diesen Schenkungen die Wiederbesiedlung der rückeroberten Gebiete durch Christen stimuliert werden sollte – und damit natürlich die Einkünfte der Bischöfe in den Diözesen.

Durch ihre Kolonisation und Neubesiedlung jüngst zurückeroberter Landstriche nahmen die Templer an der Reconquista-Politik des Königs teil. Die Neusiedler und der Orden schufen neue ökonomische und soziale Gefüge; der Landausbau wurde mit verbesserten Anbaumethoden, Bewässerungsanlagen und Mühlen voran getrieben.

1148 begleiteten die Templer den König bei der Einnahme von Tortosa, und 1153 bei der Einnahme von Fraga und Mequinenza. Dabei gehörten zu den Truppen unter dem Befehl der Templer immer auch Laien, die sich in den Dienst des Ordens gestellt hatten. Ein Dokument von 1149 spricht von „einigen Deutschen“, die in der Burg Corbins dienten.

Aufgrund der geringen christlichen Population in den eroberten Gebieten waren die Templer gezwungen, auf maurische Lohnarbeiter und Sklaven zurückzugreifen. Ein Privileg des Königs aus dem Jahr 1146 regelte die Frage der maurischen Bediensteten, die die Irritation einiger Adliger hervorgerufen hatten. Die Bedeutung des Ordens wuchs, wie es die zahlreichen Mitglieder aus dem Hochadel beweisen. 1173 schliesslich erhielten die Templer juristische Gleichstellung mit anderen Geistlichen, was einen besonderen Schutz ihrer Güter und Personen beinhaltete. Zu einem weiteren Wachstum an Land und Mitgliedern führte auch die Eingliederung des aragonesischen Ordens von Montjoi (Hospiz des Heiligen Erlösers) im Jahre 1196. 250 Templer werden in den Urkunden des 12. Jahrhunderts erwähnt; davon ausgehend kann man etwa auf 500 Profess-Mitglieder des Ordens in Aragon/Katalonien schliessen. Sie kämpften an der Seite des Königs Pedro II. gegen die Mauren in Valencia, unterstützten ihn bei der Einnahme der Kastelle von Adamuz, Castielfabib und Sertella.

Während der Minderjährigkeit von Jayme I. übernahm der Provinzmeister der Templer, Guillaume de Montredon, die Vormundschaft über den Prinzen. Später begleiteten die Templer Jayme bei der Eroberung von Mallorca im Jahr 1229 und Valencia 1238. Auch hier erhielten sie bedeutende Schenkungen und gründeten eine Komturei. Der Orden griff zum Teil auch auf königliche Hilfe zurück bei Streitigkeiten mit seinen Vasallen und anderen Problemen. So halfen königliche Beamten 1282, einen flüchtigen Templer dingfest zu machen, der sich gegen den Orden gestellt hatte.

Nicht immer aber war die Zusammenarbeit zwischen Krone und Orden in Aragon-Katalonien ungetrübt. Für Mißstimmung sorgten vor allem die Forderungen nach Zahlung von Subsidien für königliche Unternehmungen gegen Ende des 13. Jahrhunderts. 1289 verlangte Alfons III. zum Beispiel einen Betrag von 20.000 B. für eine Gesandtschaft nach Rom und erhielt das Geld erst, nachdem er mit Landkonfiskation gedroht hatte. 1292 beklagte sich Jayme II., daß die Templer von Monzón eine Steuerforderung ignoriert hätten. Die päpstlichen und königlichen Privilegien früherer Jahre wurden mit diesen Forderungen ausgehöhlt, ganz abgesehen von der finanziellen Mehrbelastung des Ordens. Zu Konflikten mit dem Königshaus führten auch jurisdiktionelle Streitpunkte, vor allem über das merum imperium, die vermehrt nach dem Rückgriff auf altes römisches Recht durch die Krone in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden. Dies brachte die Templer unter anderem dazu, sich ihrer Rechte und Besitzungen in Tortosa zu entledigen. Probleme brachte auch der vom König zu mehreren Gelegenheiten – wenn auch zögernd – gewünschte Einsatz von Truppen des Ordens gegen christliche Gegner mit sich, so etwa 1285 gegen einen drohenden französischen Angriff.

Konflikte gab es auch mit der kirchlichen Obrigkeit, zumeist um Einkünfte und Patronatsrechte, wie zum Beispiel mit dem Bischof von Lleida Mitte des 12. Jhs., ein Konflikt, der erst 1154 beigelegt werden konnte. In der entsprechenden Urkunde wird unter anderem festgelegt, dass die Templer den vollständigen Zehnten von Gardeny, Remolins und ihren Besitzungen in Pardinyes und Fontanet erhalten sollten.

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