Templer-Tour de France

Commanderie von Catillon-du-Temple

Ein paar freie Tage ermöglichten einen Kurzurlaub, der uns durch fast ganz Frankreich führte. Es ging uns auch darum, die Teile des Landes einmal kennenzulernen, die abseits der Strände und unserer üblichen Routen lagen – wie etwa die Touraine, den Périgord oder die Auvergne – um Wohnmobilreisen für die Rentenzeit  zu planen. Vor allem aber war und noch die eine oder andere Lücke im Templeralbum zu füllen. Man findet auf diese Weise lohnende Ziele und Übernachtungsmöglichkeiten (Basislager) und bekommt ein Gefühl für Entfernungen, was die Planung späterer Reisen erleichtert. Das erste Ziel lag in der (ehemaligen Région) Picardie.

Commanderie Catillon-du-Temple, 02559 Nouvion-et-Catillon, Aisne, Hauts-de-France
Im Mai 2017 war ich schon einmal in der Gegend und hatte irrtümlich die Kirche der Schwestergemeinde Nouvion für die Templerkirche gehalten. Deshalb begann die Reise hier.

Wegbeschreibung
Man fährt die A 26 von Reims nach Norden in Richtung Brüssel und Lille. Kurz vor Saint-Quentin verläßt man an der Péage de Nouvion-et-Catillon die Autobahn und gelangt über die D35/D26 nach Nouvion. Im Ort folgt man dem Verlauf der D26 (Hauptstrasse) zunächst nach Norden und kurz vor dem Ortsausgang nach Osten. Ab dort ist Catillon bereits beschildert. Nach ca. 3 Km biegt man links ab zum Gelände der ehemaligen Commanderie.

Strategische Position
Ich hatte bereits nachgewiesen, dass die Strecke von Arras nach Reims einen Teilabschnitt der via francigena darstellt.
Hier liegt Catillon-du-Temple in einer geradlinigen „Kette“ von Templerorten und/oder offiziellen Stationen der via francigena im Abstand von je ca. 25 Km: Saint-Quentin, Nouvion-et-Catillon, Laon, Pontavert, Reims, Saint-Étienne-au-Temple usw. Vor Ort fanden wir die Beschilderung „voie romane“ oder „chemin romeret„, was diese These endgültig bestätigt.

Was ist noch zu sehen?
Das Areal der Commanderie von Catillon-du-Temple entspricht der Größe nach anderen Templerorten in der Gegend. Die Gebäude sind um einen Innenhof herum errichtet worden. Die ehemalige Kapelle war ausserhalb des Gehöfts, was dafür spricht, dass auch die Bevölkerung des Ortes an Gottesdiensten der Templer teilnehmen durften. Das erweist sich auch an dem für Templerkapellen überdurchschnittlich hoch ausgeführten, sogenannten „Glockengiebel“ (cloche-mur).

Das Gebäude links am Bildrand mit den als „Strebewerk“ bezeichneten Mauerstützen (contre-forts) dürfte noch aus der Templerzeit stammen. Dieses Bauelement ist jedenfalls seit der Gotik in Verwendung. Es wird heute als Scheune genutzt.

Geschichte
Das Haus der Templer von Catillon erscheint erstmals im Jahre 1204 in den Akten. Die Commanderie wurde Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet. Die Kirche, von der heute nur noch die Giebelwand des Chors steht, ist der Sainte Marie-Madeleine geweiht.

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