Verschwörungsmythen in Corona-Zeiten

Seit Beginn der Coronakrise mehren sich Verschwörungsmythen, die eine Weltverschwörung und einen geheimen Komplott hinter der Pandemie vermuten. Diese sind nicht neu: Es sind alte Muster und Feindbilder, die wieder Konjunktur haben.

Die Bundesregierung habe bereits 2012 einen „Geheimplan Coronavirus“ entworfen, Bill Gates will angeblich eine globale Gesundheitsdiktatur errichten und eine Schattenregierung lenkt aus dem Untergrund heraus die Welt. Die Corona-Pandemie hat in den zurückliegenden Wochen zahlreiche Verschwörungsmythen hervorgebracht.

Verbreiter von Verschwörungsmythen greifen auf jahrhundertealte Muster zurück
Diejenigen, die sie verbreiten, greifen auf Muster zurück, die uralt sind und sich über Jahrhunderte hinweg gehalten haben, erklärt der Weltanschauungsbeauftragte der evangelischen Landeskirche in Bayern, Matthias Pöhlmann.

„Es gibt die Verschwörer, die im Hintergrund die Fäden ziehen, und die kann man dann auch austauschen. In der Anfangszeit waren das die Juden, das Finanzkapital, die Pharmaindustrie, die Psychiater.“ Matthias Pöhlmann
Hinter Corona-Maßnahmen wird Weltverschwörung vermutet
Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Hinter den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie wird eine Weltverschwörung vermutet. Die Vorstellung bzw. Blaupause von einer Weltverschwörung findet sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den „Protokollen der Weisen von Zion“, sagt der Politikwissenschaftler Jan Rathje von der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Dabei handelt es sich um eine „antisemitische Hetzschrift, ein Dokument, in dem bereits sehr viele Verschwörungserzählungen zusammengebunden worden und antisemitisch dann gelabelt worden sind“, so Rathje.

„Auch diese Protokolle selbst haben letztlich auch eine Tradition des Antisemitismus, auf die sie zurückgreifen, nämlich den Mythos der jüdischen Weltverschwörung, der darin einmal zusammengefasst wurde, modernisiert wurde und auch heute noch Anwendung findet.“ Jan Rathje
Verschwörungstheorien: Antisemitismus hat eine lange Tradition
Antisemitismus hat eine lange Tradition unter Verschwörungstheoretikern. In den Pestepidemien des Mittelalters machte man die Juden dafür verantwortlich, die Brunnen vergiftet zu haben. Gerade in Krisenzeiten sind Menschen besonders empfänglich für derartige Verschwörungsmythen, sagt der Münchner Historiker Florian Maurice.

So hätten Anfang der Französischen Revolution viele Bauern in der Normandie große Angst gehabt, die Adeligen würden mit Landstreicher-Armeen über sie herfallen, erklärt Maurice und ergänzt: „Zu Beginn des 1. Weltkrieges waren alle in Deutschland auf der Suche nach den Goldautos, die irgendwo Gold aus Deutschland bringen würden, um es dem Kriegsschatz der Gegner zuzuführen, also solche Fälle von Verschwörungstheorien gab es schon lange, bevor es das Internet gab.“

Muster: Finstere Mächte sind für das Unheil verantwortlich
Das Muster der Verschwörungsmythen: Es sind finstere Mächte am Werk, die für das Unheil, die Krise, die Pandemie verantwortlich sind. Die Welt wird in Schwarz und Weiß, Gut und Böse geteilt. Die Gruppen, die als finsteren Mächte ausgemacht werden, sind dabei austauschbar: George Soros, Bill Gates, die Jesuiten. Oder eben die Freimaurer, die bis heute als Sündenböcke und Gewährsleute für dunkle Mächte herhalten müssen.

„Weil man eben zu wenig wusste über die Rituale der Freimaurer. Gängig sind auch immer wieder Vorstellungen, wonach die Bilderberger, das ist sozusagen ein Wirtschaftsdiskussions-Club, die heimliche Macht inne hätte. Und jetzt ist eine Zielscheibe dieser Verdächtigungen insbesondere Bill Gates.“ Matthias Pöhlmann
Aus Sicht von Pöhlmann hilft angesichts solcher Verschwörungstheorien nur, immer wieder über die dahinterliegenden und wiederkehrenden Motive aufzuklären.

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