Jede vierte deutsche Firma denkt über eine Produktionsverlagerung ins Ausland nach

Immer mehr Ökonomen und Wirtschaftsvertreter warnen vor einer nachhaltigen Schwächung des Standorts Deutschland. Einiges spricht dafür, dass nicht nur eine Rezession bevorsteht, sondern vielmehr ein struktureller Umbruch. Das Geschäftsmodell der deutschen Volkswirtschaft steht auf dem Prüfstand.

Die Bundesrepublik zahlt einen hohen Preis für ihre gänzlich verfehlte Energiepolitik. Viele Firmen können zwei Jahre wirtschaftlicher Nackenschläge durch die fahrlässigen Corona-Maßnahmen und die Konsequenzen der rotgrünen Sanktionspolitik kaum stemmen. Der Abstieg vom Exportweltmeister zum „kranken Mann Europas“ ist in vollem Gange.

„Die hohen Energiepreise und die schwächelnde Konjunktur treffen die deutsche Volkswirtschaft mit voller Wucht und belasten unsere Unternehmen im Vergleich zu anderen internationalen Standorten sehr“, sagte Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, jüngst der „Welt am Sonntag“. Jedes vierte deutsche Unternehmen denke über eine Produktionsverlagerung ins Ausland nach.

»Massive Verschiebungen der europäischen Wirtschaftsstruktur«
Ähnlich sahen es die Ökonomen der Deutschen Bank in einer im Oktober veröffentlichten Studie (reitschuster.de berichtete): „Wenn wir in etwa zehn Jahren auf die gegenwärtige Energiekrise zurückblicken werden, könnten wir diese Zeit als Ausgangspunkt für eine beschleunigte Deindustrialisierung in Deutschland betrachten“, lautete der Tenor einer Studie der Deutschen Bank bereits im Oktober.

Nun legt auch die Strategieberatungstochter „Strategy&“ von PricewaterhouseCoopers nach. Laut ihrer Analyse „Business Impact Energy Prices“ könnte die Energiekrise „massive Verschiebungen der europäischen Wirtschaftsstruktur bis hin zu einer Deindustrialisierung auslösen“. Hierzulande fordern demnach vor allem die deutlich gestiegenen Gaspreise ihren Tribut und setzen neben der besonders stark betroffenen Metallindustrie auch weitere Schlüsselsektoren wie die Automobilbranche oder den Chemiesektor unter enormen Druck.

„Obwohl die deutsche Industrie in den meisten Branchen weiterhin günstiger als der EU-Durchschnitt produziert, könnten Unternehmen aus den am stärksten betroffenen Sektoren ihre Produktion in andere Regionen außerhalb Europas verlagern“, heißt es in der Analyse. Die Situation für die energieintensiven Industrien bleibt nach Ansicht von „Strategy&“ auch im kommenden Jahr angespannt. „Erst 2024 ist mit einer Entspannung am Energiemarkt zu rechnen“, prognostiziert Studien-Co-Autorin Eva Poglitsch.

»Unser Geschäftsmodell steht enorm unter Stress«
Brisant: Rund jede 60. deutsche Firma hat bereits vor dem starken Anstieg der Energiekosten wirtschaftliche Aktivitäten ins Ausland verlagert. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in seiner Studie mitteilte, sind 1,6 Prozent der Unternehmen zwischen 2018 und 2020 diesen Schritt gegangen – vor allem wegen Kostenvorteilen. „Unser Geschäftsmodell steht enorm unter Stress“, warnte Industriepräsident Siegfried Russwurm an diesem Dienstag auf der Industriekonferenz 2022 in Berlin: „Die Gefahr der Abwanderung ist real.“

Geht es nach Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, wird die deutsche Industrie angesichts der hohen Energiepreise nicht kaputtgehen. „Das wird nicht passieren“, sagte der Grünen-Politiker bei einer Industriekonferenz in Berlin. Die Politik werde das nicht zulassen.

Hält man sich vor Augen, dass Habeck bei „Maischberger“ nicht einmal in der Lage war, den Begriff der Insolvenz korrekt zu definieren, sieht die Zukunft für den Industriestandort Deutschland alles andere als rosig aus: Drückt Rotgrün bis 2024 – dem Jahr einer möglichen Beruhigung am Energiemarkt – weiter seine Agenda durch, dürften die volkswirtschaftlichen Schäden irreversibel sein.

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