Landschaftsverbrauch, Lärm und Lebensgefahr

Urgrossmutter konnte ihren Puppenwagen noch auf der Gasse spazierenfahren. Die
automobile Gesellschaft veränderte das Leben und die Umwelt. Landschaften,
Städte, Siedlungen wurden dem Auto angepasst. Die „Reichsgaragenordnung“ von
1939 ist das Mass städtischer Planung. Pro Auto verschwinden bereits 200 m2 Boden
unter Asphalt. Fussgänger gehören unter die Erde. Oder sie werden in die
„Zone“ verbannt, in das Reservat einer aussterbenden Spezies.
Durch den Strassenverkehr ist unser Land grossflächig verlärmt. Robert Koch, Entdecker
des Cholerabazillus, Nobelpreisträger 1905, wusste schon zu Beginn des
Jahrhunderts: Lärm macht krank. Damals ahnte er bereits: „Eines Tages wird die
Menschheit den Lärm ebenso bekämpfen müssen wie Cholera und Pest.“ Heute
fühlen sich zwei von drei Bundesbürgern vom Verkehrslärm belästigt, in den Städten
sogar drei von vier. Mindestens 16 Millionen Menschen – die Einwohnerzahl
Nordrhein-Westfalens – können sich in ihren Wohnungen erst unterhalten, wenn sie
das Fenster schliessen.
Die Luftschadstoffe aus dem Auspuff – Stickoxide, Benzol, Dieselruss – bedrohen
die Gesundheit. Ende 1993 waren sich darüber gar die Gesundheitsminister der
Bundesländer erstmals einig: „Der motorisierte Strassenverkehr stellt heute bereits
das bedeutendste umwelthygienische Problem dar.“
Atmen gefährdet die Gesundheit: Dieselruss und Benzol sind krebserzeugend und
verursachen Milztumore. Leber- und Nierenversagen. Die Dauerbelastung mit
Schadstoffen aus dem Auspuff wächst. Im Ballungsraum Bremen ist die Gefahr,
durch krebserzeugende Schadstoffe des Strassenverkehrs zu sterben, mehr als doppelt
so gross wie die Gefahr, durch einen Unfall zu Tode zu kommen.
Zum Schlagwort in der Hitze der Sommer 1994 und 1995 geriet das Wort „Ozonsmog“
„Ozonsmog“. Auch hier ist das Automobil der Übeltäter. Trotz Katalysator, der
Stickoxide zurückhalten soll, schleudern Autos wegen der wachsenden Fahrleistungen
immer mehr Dreck in die Luft. Heute kommen 70 % der Stickoxide und
45 % der Kohlenwasserstoffe – beides Ozon-Rohstoffe – aus dem Auspuff. Seit
Ende der achtziger Jahre ist daher hierzulande die Ozon-Konzentration jährlich um
10-20 % gestiegen. Die Sockelbelastung liegt mit 100 Mikrogramm je m3 Luft inzwischen
beim Fünffachen des natürlichen Wertes.

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